Titel: Ueber Zink als Baumaterial.
Autor: Chailly,
Fundstelle: 1856, Band 140, Nr. LXXIX. (S. 339–344)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/ar140079

LXXIX. Zink als Baumaterial.

Einem Berichte des Hrn. Architekten Chailly über eine Reise nach Paris entnommen. – Aus dem württembergischen Gewerbeblatt, 1856, Nr. 21.

Die Anwendung des Zinks zum Dachdecken ist in Paris innerhalb weniger Jahrzehnte so allgemein geworben, daß man sehr wenig neu erbaute Häuser mit einer andern Dachbedeckung sieht. In allerneuester Zeit hat das Zinkblech hie und da dem verzinkten (galvanisirten) Eisenblech Platz gemacht, worüber aber noch wenig Erfahrungen vorliegen.

Die Gesellschaft de la vieille montagne hat den Zinkverbrauch sehr gefördert, sie hat in der Straße Richer Nr. 19 eine in drei großen Sälen aufgestellte permanente Ausstellung von Zinkwaaren aller Art, worunter auch Modelle von Dachbedeckungen nach verschiedenen Systemen. Der Eintritt in diese Ausstellung ist für jedermann frei und die aufgestellten Beamten der Gesellschaft ertheilen bereitwillig jede gewünschte Auskunft; auch die Adressen der Zinkarbeiter in Paris etc. kann man dort erfragen.

Die Tafeln zur Dachbedeckung werden 2 Meter (7') lang gemacht; die Breite ist verschieden, entweder 0 Meter, 50 (17'') oder 0 Meter, 65 (23'') oder 0 Meter, 80 (28''). Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, |340| daß man, um sicher zu gehen, Blech Nr. 14 anwenden muß, wovon der Quadratfuß 1 Pfd. wiegt. Diese Nummer wird auch allein in Paris zu Dachdeckungen angewandt, Nr. 13 hie und da zu kleineren oder provisorischen Dächern. Die Dauer dieses Bleches bei zweckmäßiger Anwendung ist wenigstens 30 Jahre ohne alle Reparaturen. Die Anwendung von schwächeren Blechen ist von der Erfahrung untersagt, da sie in weit kürzerer Zeit verderben. Die Rücksicht auf die große Ausdehnung des Zinks in der Wärme, also auf seine freie Ausdehnung, auf möglichste Wohlfeilheit und auf die Sprödigkeit des Zinks, hat nach und nach ein gewisses System der Construction geschaffen, von dem man nicht ungestraft abweichen darf; nur die Details derselben werden noch fortwährend verbessert und vervollkommnet.

Die Zinktafeln werden in ihrer ganzen Größe auf das Dach gelegt und zwar mit ihrer Länge (von 7') nach der Dachrösche. Auf die Sparren wird eine Vertäfelung von tannenen (nicht eichenen) Brettern mit Zwischenräumen von 2''' gelegt; auf diese werden Querleisten nach der Richtung der Sparren gelegt und zwar in Entfernungen gleich der Breite der Tafeln. Die Tafeln werden an den Rändern aufgebogen und so zwischen die Querleisten hineingelegt, daß sich an diese die aufgebogenen Ränder anlehnen. In dieser Stellung werden die Tafeln durch Haften gehalten, welche unter den Leisten liegen und die Tafelränder niederdrücken. Jede Tafel ist am oberen Ende einmal aufwärts und am unteren Ende einmal abwärts gefalzt, und die Tafeln greifen mit diesen Falzen in einander ein; das obere Tafelende ist, ehe die überdeckende Tafel darauf kommt, durch zwei auf die Verschalung genagelte Haften befestigt. Ueber die Leisten und die beiden sich daran anlehnenden Ränder der nebeneinander liegenden Tafeln kommen nun Fugendeckel von demselben Blech zu liegen, welche einander selbst einfach übergreifen. Auf die Firsten und Gräte sind ebenfalls Leisten genagelt und mit Fugendeckeln überdeckt, an welch letztere die Anfänge der übrigen ordinären Fugendeckel angelöthet sind. Diese Fugendeckel wurden bisher mit Schrauben befestigt, welche durch sie, die darunter liegende Querleiste, die Vertäfelung und den Sparren gingen; der auf dem Dach vorstehende Kopf der Schraube wurde mit einem kleinen Käppchen aus Zinkblech zugedeckt, welches auf die Fugendeckel gelöthet wurde. Diese Construction hat verschiedene Nachtheile, nämlich: es muß jedesmal ein Sparren und eine Leiste auf einander treffen, wodurch man in der Sparreneintheilung zu sehr beschränkt ist; ferner wird das Deckblech durch das Loch für die Schraube durchbohrt, und es hat sich gezeigt, daß die darauf gelöthete Lappe häufig im Loth undicht wird, wodurch Wasser ins Dach kommt. Man fängt daher in |341| Paris an, diese Befestigung der Fugendeckel durch eine andere zu ersetzen, welche ihre Oberfläche ganz läßt; zu diesem Zwecke werden auf der inneren Seite der Deckel Federn angelöthet, welche in die unter den Leisten liegenden und die Ränder der Tafeln fassenden Haften eingreifen. Bei einem Preis von 70 Fr. per 100 Kilogr. Zink kostet der Quadrameter Zinkbedachung in Paris ohne Verschalung 7 Fr. oder 3 fl. 16 kr. (1□' 16 kr.), während der Quadrameter Ziegeldach bei uns freilich nur 48 kr. kostet. Dasselbe Mißverhältniß besteht übrigens auch in Paris, und dennoch hat das Zink die Ziegel auch für ordinäre Wohnhäuser verdrängt. Berücksichtigt man nämlich, daß ein Zinkdach ganz flach seyn kann, während ein Ziegeldach über 1/3 steil seyn muß, so hat man fürs erste bei dem Zink weniger Dachfläche für dieselbe Grundfläche eines Hauses; fürs zweite wiegt der Quadratmeter Zinkdach circa 14 Pfd., der Quadratmeter Ziegeldach 180 Pfd., woraus eine schwächere Dachconstruction und sogar schwächere Mauern resultiren; ferner brauchen des flachen Dachs wegen die Kamine weniger hoch zu seyn. Dadurch vermindern sich die Kosten sehr bei Zinkbedachung. Noch günstiger stellt sich übrigens die Vergleichung, wenn man die Unterhaltungskosten ins Auge faßt, welche bei einem Zinkdach nach guter Anordnung bis zum 30sten Jahre = 0 sind und bei einem Ziegeldach etwa nach 10 bis 15 Jahren wieder den Betrag der Anlagekosten ausmachen können. Dabei ist ein Ziegeldach sehr häßlich, ein Zinkdach schön.

Bei der oben beschriebenen Construction kommen nirgends sehr starke Umfälzungen und Biegungen am Blech vor, und alle vorkommenden Biegungen können schon in der Werkstatt des Zinkarbeiters gemacht werden. Beides ist für die Güte der Bedachung wesentlich, denn das Zink darf ohne Vorsicht nicht zu stark gebogen werden; diese Vorsichtsmaßregeln können aber auf dem Dache nicht so beachtet werden, als in der Werkstatt, und bestehen hauptsächlich auch darin, daß man das Zink auf beiläufig 80º R. erhitzt und dann biegt; einige erhitzen übrigens nur, wenn die Biegung quer auf die Walze läuft und biegen nach der anderen Richtung kalt.

Die dann und wann bei uns ausgeführten Zinkdacher sind meistens nach demselben System angefertigt, welches man für Eisenblechdächer hat; es werden nämlich die Tafeln an den Rändern zuerst einfach übereinander gefalzt, die stehenden Falze dann auf die Hälfte umgelegt, so daß doppelte Falze von der halben Höhe der einfachen entstehen und endlich diese Falze vollends auf das Dach niedergeschlagen. Bei einer solch vielfältigen Ueberfälzung der Bleche, welche überdieß nur auf dem Dache geschehen kann, bricht das Zink sehr leicht, woraus dann Klagen über Unbrauchbarkeit |342| des Zinks etc. entstehen. Um den Bruch des Bleches zu verhindern und auch aus Oekonomie nimmt man dann ganz dünnes Blech z.B. Nr. 9 oder 10, welches allerdings geschmeidiger und auch wohlfeiler ist, aber in einigen Jahren wegen seiner Dünne durch das Wetter zerstört wird; außerdem können bei dieser Construction die Tafeln nicht in ihrer ganzen Größe angewandt werden, sondern müssen, um durch die Ausdehnungen wegen der Temperatur keinen Schaden zu nehmen, in kleine Täfelchen zerschnitten werden; daraus folgt vermehrte Handarbeit, wodurch die Ersparniß mittelst dünneren Bleches größtentheils wieder aufgehoben wird und Vermehrung der Fälze, also der Gefahr des Undichtwerdens eintritt. Daß ein solches Dach sehr schwierig und kostspielig zu repariren ist, ist klar; wogegen nach der Pariser Methode jede Tafel mit der größten Leichtigkeit herausgenommen und wieder eingesetzt werden kann, ohne die benachbarten Tafeln zu beschädigen.

Die erwähnte Construction ist für Dächer anwendbar mit einer Neigung von 15º bis 35º; über 35º wird die Construction einfacher, indem man die über einander liegenden Tafeln ohne Falze ganz einfach übereinander greifen lassen kann. Bei Dächern unter 15º Neigung dagegen kann ein starker Wind das Wasser durch die Falze in das Dach treiben; man muß dann entweder die Falze länger und auch dichter machen oder die Construction für Terrassen anwenden. Dieselbe besteht in der Anlage von kleinen Staffeln. Die Leisten nach der Dachschräge können wieder mit demselben Erfolge angewandt werden wie vorhin; wenn man aber die Terrasse begehen will, so sind sie ziemlich hindernd und man kann dann anstatt der Leisten kleine Röhrchen anbringen, welche das Wasser der Dachtraufe zuführen. Von den übrigen Systemen der Zinkbedachungen sind nur die sogenannten Zinkziegel noch in Gebrauch; sie bestehen aus einzelnen ineinander eingreifenden Zinkblechplatten, welche nach Art der Ziegel mit Nasen an einer Lattung hängen und sich gegenseitig überdecken. Diese Methode ist recht bequem; diese Ziegel sind übrigens häufiger von verzinktem Eisenblech, als von Zink.

Bei allen Zinkbedachungen muß die Anwendung eiserner Nägel, überhaupt alles Eisens durchaus vermieden werden, weil durch die galvanische Wirkung dieser zwei Metalle das Zink bald zerstört würde; man wendet daher Zinknägel an, welche von allen Sorten verfertigt werden.

Eine weitere Vorsicht, welche zu nehmen ist, besteht darin, unter dem Zinkblech einen Luftzug herzustellen, der die beiden Seiten des Bleches stets in derselben Temperatur erhält; denn wäre die innere Seite wärmer als die äußere, so würde sich dort Wasserdampf niederschlagen und das Holzwerk feucht machen.

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Wo es sich um das Bedecken nicht bewohnter Räume handelt, ist das cannellirte Zink jetzt eine sehr zu empfehlende Construction; sie ist auch in Paris sehr vielfältig angewandt bei Schuppen, Magazinen, Hallen auf Bahnhöfen u.s.w.

Die Zinktafeln erhalten durch die Cannellirung eine solche Festigkeit, daß sie sich in ihrer ganzen Ausdehnung (2 Meter lang, 1 Meter breit) frei ohne Schalung und ohne andere Unterstützung tragen. Hiedurch wird das System der unverbrennlichen Construction ergänzt. Noch vollkommener wird die Construction dadurch, daß die cannellirten Tafeln der Länge nach gewölbt werden, wodurch die Bedachung die Form eines flachen Kreisgewölbes erhält. Das Gewicht der Dachbedeckung, sowie die Dachconstruction selbst wird hiebei auf ein Minimum reducirt; derartige Constructionen auf den Pariser Bahnhöfen sehen durch ihre erstaunliche Leichtigkeit eher großen Regenschirmen ähnlich als einem Gebäude.

Das cannellirte Blech wird aus den Nummern 14, 15 und 16 gemacht, deren Preis derselbe ist, wie der des gewöhnlichen Blechs. Die Handarbeit ist nicht größer als für die der gewöhnlichen oben beschriebenen Deckmethode, und der Quadratfuß Dachdeckung von cannellirtem Nr. 14 kommt bei einem Zinkpreis von 16 fl. 30 kr. per Centner in Paris auf 16 1/2 bis 17 kr.

Die Dachconstruction für cannellirtes Blech ist immer aus gewalztem Eisen, und es kostet der Quadratfuß Ueberdeckung dieser Art, alles in allem, nur die senkrechten Stützen oder Mauern ausgenommen, 37 kr.

Die leichte Zusammensetzung und Auseinandernahme der Tafeln macht diese Construction auch sehr geschickt für provisorische Deckungen, welche mehrfach an verschiedenen Orten angewendet werden sollen. So könnte man solche Deckungen über Bauplätzen aufstellen, um bei jedem Wetter arbeiten zu können u.s.w.

Ueber die Anwendung des Zinkblechs zu Dachrinnen, Ablaufröhren, Wassersteinröhren ist hier nichts zu erwähnen, da diese Anwendung des Zinks auch bei uns schon ziemlich allgemein eingeführt ist.

Eine viel verbreitete Anwendung finden die durchlöcherten Zinkbleche zu Sieben aller Art in den chemischen Gewerben, dann zum Verschluß von Kellerlichtern und anderen Oeffnungen an Gebäuden, die Licht und Luft sollen eindringen lassen, aber das Ungeziefer abhalten; ferner zu Rähmchen, welche vor die unteren Scheiben der Fenster des Erdgeschosses gestellt werden, um das Innere der Zimmer den Vorübergehenden zu verbergen. Letztere Verwendung soll in London allgemein seyn. |344| Der Hauptfabrikant in Paris ist Hr. Calard, No. 8. rue Leclerc.60) Die Durchlöcherung geschieht mit Maschinen und die Löcher haben alle möglichen Formen und Größen; es gehen z.B. auf den Quadratfuß bei den größeren Mustern 200 Löcher, bei den kleinsten aber 32,000 Löcher. Der Quadratfuß kostet je nach der Blechdicke und dem Muster 14 bis 28 kr. Die gepreßten oder geschlagenen Verzierungen aus Zinkblech sind ebenfalls ein wichtiger Industriezweig. Sie würden sich bei uns sehr gut zur äußeren Decoration der Hausfaçaden eignen, denn sie sind billig und wetterfest, und andere Decorationen lassen sich auf unsern Riegelwänden nicht gut verwenden. In der Fabrik von J. E. V. Hardy, No. 32, rue de Lyon, kostet z.B. der laufende Fuß

eines 2'' hohen Herzblätterstabes 6 kr.
5''' hohen Perlstabes 2 1/2 „
8''' „ ditto 3 1/4 „
2'' 8''' hohen Eierstabes 9 „
5'' 6''' „ ditto 22 „
Rosette vom Durchmesser 9'' kostet 25 „
ditto „ „ 7'' „ 21 „
ditto „ „ 2'' 5''' kostet 4 „

u.s.w.

Zum Schlusse folgt die Aufzählung der Nummern der Zinkbleche von der schwächsten Nr. 1 an mit ihren Anwendungen.

Nr. 1–8 zum Durchlöchern für Siebe etc. Ihr Preis ist höher als der gewöhnliche.

Nr. 8 und 9 für kleine Sachen, Pariser Artikel etc. Ihr Preis ist ebenfalls höher.

Nr. 10 und 11 für Lampen und Flaschnerarbeiten im Allgemeinen, zum Füttern von Kisten, in welchen Waaren übers Meer geschickt werden, für gepreßte Ornamente.

Nr. 12 und 13 für Geschirre aller Art zu häuslichen Zwecken.

Nr. 14 Dachbedeckungen.

Nr. 15–17 für das Füttern der Seeschiffe, für Badewannen etc.

Nr. 18–24 für Wasserreservoirs, Pumpen etc.

|344|

Man s. über dessen Etablissement den Artikel im polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 6. A. d. Red.

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