Titel: Ueber neue Goldgewinnung-Apparate; von Oscar M. Lieber zu Columbia, Süd-Carolina.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 2 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi01_2

Ueber neue Goldgewinnung-Apparate; von Oscar M. Lieber zu Columbia, Süd-Carolina.

Die vielen neuen Entdeckungen von Goldvorkommen und der verhältnißmäßig geringe Fortschritt in den Gewinnungsmethoden dieses Metalles haben viele Leute in den Vereinigten Staaten bewogen, sich damit zu beschäftigen, neue Apparate zu diesem Zwecke zu erfinden. Da aber viele das Erfinden sich zu einem Geschäfte machen und dabei ganz und gar nichts von der Sache verstehen, und bis jetzt leider unser amerikanischer Bergbau fast nur auf der einen Seite aus Raubbau und auf der anderen aus den tollsten Actien-Speculationen besteht, so taugen diese Erfindungen meistens gar nichts.

Gewöhnlich gehen sie alle von der Ansicht aus, das Gold müsse durch Amalgamation gewonnen werden, während alle, die sich einigermaßen mit der Goldgewinnung beschäftigt haben, bald eingesehen haben müssen, daß die Amalgamation sehr viele und bedeutende üble Folgen hat. Diese Nachtheile sind:

1) Die Ausgabe im Ankaufe des Quecksilbers und die damit verbundenen Transportkosten sowohl, als auch, obgleich weniger wichtig, die persönlichen Nachtheile bei unvorsichtiger Verdunstung dieses Metalles in freier Luft ohne Condensation, wie es gewöhnlich bei uns geschieht, sowie der Verlust des Quecksilbers dabei.

2) Die Unfähigkeit des Quecksilbers, sich augenblicklich mit allem Golde zu amalgamiren, denn der Contact ist stets nur momentan.

3) Die Unmöglichkeit seiner Vereinigung mit kleinen flachen Goldplättchen, die vom Wasser weggeschwemmt werden.

4) Die Unmöglichkeit, daß es sich mit solchem Golde vereinigen kann, welches von Kiesen bedeckt ist, da eine ordentliche Röstung nie vorgenommen wird.

Alle diese Umstände werden ganz von den unwissenden Erfindern dieser Maschinen übersehen. Gewöhnlich sind damit auch derartige Poch- und Zermalmungs-Vorrichtungen angebracht, daß durch Verreibung des Goldes an eisernen Rollen etc. viel verloren geht.

Unter allen neuen amerikanischen Erfindungen für die Gewinnung des Goldes ragt nur eine einzige hervor, welche durch ganz neue Principien sich ausgezeichnet hat. Ich spreche von dem Apparat des Hrn. Seymour.

Hr. Seymour war viele Jahre in verschiedenen Bergwerksgegenden Europa's und Sibiriens beschäftigt, und als er nach Amerika kam, konnte er seine Erfahrungen in Benutzung ziehen. Der Siebproceß mag auf die russische Siebmaschine weisen.11)

Der Apparat besteht aus einem Cylinder, dessen oberer Theil in eine Esse mündet und woran außen ein Blasebalg befestigt ist, der einen starken aber stoßenden Luftstrom ins Innere leitet. Der obere Theil des Cylinders kann auf kleinen Schienen, zur Einsicht, verschoben werden. Hinten am Cylinder wird auf einer schiefen Ebene der Goldsand, zerpochtes Erz etc. eingeworfen. Der Cylinder enthält Siebe, die oben grob, unten feiner sind. Auf dem untersten, feinsten Siebe liegt sein Regulator, wie er es nennt – eine Substanz, die ein specifisches Gewicht zwischen den beiden zu trennenden Mineralkörpern hat, also wenn Gold und Quarz zu scheiden sind – Blei. Er legt also den allerfeinsten Schrot auf das unterste Sieb |74| und dieser muß so seyn, daß ein jegliches Schrotkorn ein Löchelchen in dem Siebe ausfüllt.

Der Grund, daß er Luft, statt Wasser, gebraucht, liegt in dem geringeren specifischen Gewichte der ersteren, und darin, daß folglich kein Mittel existirt, wodurch das Gold leicht weggetragen werden kann. Zwei ganz neue Ideen sind hier also benutzt worden. Die Scheidung durch ein Medium von mittlerer Schwere und der Gebrauch der Luft statt des Wassers.

Wird nun der Goldsand eingegeben und das Gebläse in Arbeit gesetzt, so werden erstens die Theile sich nach dem Sieben vertheilen, das Gold, schwerer als das Blei, wird unter dieses durchfallen und sich in einer dort angebrachten Schublade sammeln, indem Sand nur in einzelnen, leicht nachher mit dem Munde wegzublasenden Körnern mitgeht, während der feinste Staub mit der Luft durch die hohe Esse abgeht, mit einem Getöse, das uns an eine Hochdruck-Dampfmaschine erinnert. – Es möchte nöthig seyn die gröberen Stücke Quarz nachher noch ein Mal zu pochen und wieder durchgehen zu lassen. Hr Seymour sagte mir, er habe eine Unze Gold mit vielem Sande gemengt und alles wieder erhalten; auch habe er einen Golddollar zerschnitten und gleiches Resultat erhalten.

Besonders ist dieser Apparat dort wohl anwendbar, wo goldhaltige Sandlager in Flußbetten existiren oder wo alte verwaschene, aber ihrer verwitterten Kiese wegen noch goldreiche Haldensände zu finden sind, welches letztere in unseren südlichen Staaten sehr oft der Fall ist.

Beim Gebrauche der Luft müssen die Sande natürlich trocken seyn. Da aber der Blasebalg aus Kautschuk besteht, so kann auch, obgleich es nicht vortheilhaft. Wasser angewendet werden. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1855, Nr. 47.)

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Siehe Zerrenner's Gold-, Platin- und Diamanten-Waschen

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