Titel: Methode des Sägen-Aussetzens; von B. Widmayer, Schreiner-Zunftmeister in Weinsberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 1 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi02_1

Methode des Sägen-Aussetzens; von B. Widmayer, Schreiner-Zunftmeister in Weinsberg.

Ich habe schon viele Jahre mit Bedauern wahrgenommen, wie bei Holzarbeitern, durch unrichtiges Behandeln verschiedene Werkzeuge verdorben werden und hiedurch Zeitverluste bei der Arbeit entstehen. Die gewöhnliche Holzsäge ist nicht allein bei Holzarbeitern, sondern in jedem bürgerlichen Hause fast unentbehrlich. Bekanntlich besorgt der Weingärtner und Bauer auf dem Lande bei Regentagen sein Brennholz, wo ich dann mit Herrichten von Sägen bestürmt wurde und oft bedauern mußte, wie diesen Leuten von Schreinern, Wagnern und namentlich Schlossern beim Aussetzen der Blätter durch das Schränkeisen die Zähne oft an neu gekauften Sägen ausgebrochen waren; auch in Werkstätten von Holzarbeitern sind häufig Sagen mit ausgebrochenen Zahnen zu treffen; die Schuld hievon wird immer dem zu harten Sägenblatt gegeben, Während doch immer nur die ungeschickte Hand die Schuld trägt. Ich habe schon viele Sägen, auch Uhrenfedern, mit kleinen und großen Zähnen, in einem Zeitraum von 25 Jahren ausgesetzt und es ist mir noch nie ein Zahn ausgebrochen. |153| Da mein Verfahren so einfach und ohne großen Kostenaufwand ausführbar ist, so mag eine weitere Verbreitung desselben nicht überflüssig seyn.

Man nimmt entweder einen Bleiklotz von 6–8'' Länge. 2'' Breite, 6''' Dicke und legt auf denselben das harte Sägenblatt platt auf, setzt ein eigens hiezu gefertigtes Eisen, in Ermangelung dessen ein Stemmeisen, mit der Kante auf den Zahn auf, beobachtet aber bei diesem Aufsetzen des Eisens die Schräge, die man dem Zahn geben will, und führt sofort auf das Eisen einen dumpfen Schlag, der Zahn erhält hiedurch die gewünschte Schräge, ohne zu brechen; oder aber, weil ein solcher Bleiklotz zu kostspielig erscheinen kann, nehme man ein Stück hartes Holz 2'' dick, 8–9'' breit und circa 15'' lang, welches gerade abgeschnitten, noch besser mit dem Hobel über Hirn gerade bestoßen ist. Dieses Stück Holz wird in die Hobelbank oder in den Schraubstock aufrecht eingespannt und das harte Sägenblatt platt darauf gelegt, doch so, daß die Zahne mit einem Eck eben sind, damit dem Eisen und somit auch dem Zahn die Schräge gegeben werden kann. Die Behandlung ist die gleiche, wie auf einem Bleiklotz. Der Unterschied besteht einzig darin, daß ein Bleiklotz in Folge des öfteren Gebrauchs umgegossen werden muß, um wieder die nöthige ebene Fläche zu erhalten, während ein Stück hartes Holz, das ebenfalls durch öfteren Gebrauch über Hirn uneben wird, wieder abgeschnitten oder auch mit dem Hobel eben gehobelt werden muß. um die durch den Zahn gemachten Eindrücke zu beseitigen.

Eine Probe wird jeden, der Gebrauch von diesem Verfahren macht, überzeugen, daß kein Zahn von den härtesten Blättern ausbricht, und auf diese Weise manches gute Sägenblatt unverdorben erhalten werden kann. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1856, Nr. 9)

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