Titel: Ueber die Goldausfuhr aus Californien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 3 (S. 153–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi02_3
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Ueber die Goldausfuhr aus Californien.

(Nach einer Correspondenz aus San-Francisco vom Oktober 1855.)

Der Gesammtbetrag der in den ersten neun Monaten dieses Jahres von hier verschifften Goldausfuhr beläuft sich auf 32 414,740 Doll. 82 C., und zeigt eine Verminderung um 5,091,413 Doll. 55 (5. gegen die gleiche Periode in 1854. Von dem obigen Gesammtbetrag sind 727,109 Doll. in Stangen und Gepräge, wovon letzteres per Segelschiff versandt ward Alles übrige war reines Gold und ging mit den Panama- und Nicaragua-Steamern weg Die Bestimmung der Ausfuhren war: nach China 525,793 Doll., nach Ostindien 111,889 Doll., nach Südamerika 41,710 Doll (eine große Abnahme, seitdem wir von dorther kein Mehl etc. mehr einführen), nach den Pacific-Inseln 41,717 Doll., nach Panama, hauptsächlich für die Ausgaben der Dampfschiffe (Kompagnie, 188,207 Doll., nach Australien 6000 Doll. Der Nest ging nach New-York und England.

Den Betrag der ersten neun Monate-Verschiffungen, als Maaßstab für die ganzjährliche Ausfuhr anlegend, würde sich letztere als im Belauf von circa 43,220,000 Doll. für 1855 herausstellen. In den vier vorhergehenden Jahren 1854 1851 wurden verschifft:

1851 34,492,000 Doll.
1852 45,779,000
1853 53,906,956
1854 51,506,523

zuzüglich der Ausfuhr von 1855, einen Werth von 228,903,772 Dollars für die fünf Jahre 1851/1855 ergebend. Die Verminderung, welche die ersten neun Monate des Jahres 1855 und dadurch auch die Gesammtausfuhr des ganzen laufenden Jahres gegen die letzten drei Jahre 1852/1854 zeigen, ist mehr scheinbar als wirklich und ist auf keine Weise dahin zu deuten, als ob die Minen eine geringere Ausbeute gewährten, indem zu berücksichtigen ist, daß die obigen Werthangaben der jährlichen Verschiffungen immer nur die Menge des ausgeführten Goldes repräsentiren, welche öffentlich angegeben (manifestirt) wurde. Es wird nicht zu hoch gegriffen seyn, wenn man den Betrag des Goldes, welches in den letzten fünf Jahren privatim ausgeführt wurde oder in Privathände überging, auf 70,000,000 Doll. annimmt, so daß sich, die officielle Werthangabe der Gesammtausfuhr der Jahre 1851/1855 auf die runde Summe von 230,000,000 Doll. angenommen, durch Hinzufügung erwähnter 70 Millionen die wirkliche Verschiffung von Gold in dem genannten Zeitraume von fünf Jahren auf den enormen Betrag von 300,000,000 Doll stellt, und es wird diese Schätzung eher noch unter der Wirklichkeit bleiben.

Ueber die Ursachen der oben bemerkten Verminderung in der dießjährigen Goldausfuhr bemerkt der Herald u.a.: „Nach der letzten Bank-Katastrophe im Februar d. J. wurde nur wenig Gold verschifft, eine Folge des Panic über dieselbe unter den Kaufleuten und des Unvermögens der Banken. Einkäufe zu machen. Dazu kam noch, daß rückkehrende Miners es vorzogen, statt, wie früher, ihr Gold an die Banken gegen Wechsel zu verkaufen, solches selbst mitzunehmen, wodurch Monate lang nach jener Katastrophe große Beträge in Privathänden blieben. worüber keine Auswerfe gegeben wurden. Ferner wirkten noch andere Umstände auf die Verminderung der Verschiffungen mittelbar ein, z.B. der rasche Fortschritt in der Agricultur- und Manufactur-Erzeugung für die eigene inländische Versorgung der Bevölkerung, wodurch solche weniger abhängig von Auswärts wird und also auch weniger für fremde Erzeugnisse anzuschaffen hat. Dadurch, denn die inländische Production sowohl der Landbauer, als der Handarbeiten übersteigt schon in mancher Hinsicht die frühere Einfuhr von Auswärts, bleiben die Werthsummen, welche sonst gegen dieselbe verschifft werden mußten, in den Händen der hiesigen Bevölkerung und werden von ihr zu Stadtbauten, Straßen und Eisenbahnen, Canälen, Telegraphen, Schiffsbauten, Minen-Ausbeutungen, Cultivirung von Wildnissen, Errichtung von Fabriken und Förderung verschiedener Industriezweige verwendet. Die inländischen Farmer nehmen nun selbst die großen Summen ein, welche sonst für Anschaffung der Brodstoffe nach Auswärts verschifft werden mußten, und wir haben |155| nun selbst einen Ruf für die Verschiffungen von Mehl und Getreide, Erzeugnissen unseres Bodens, erlangt. Alles dieß trägt dazu bei, die „Handels-Bilanz“ zu unsern Gunsten zu gestalten, und während der Export von Gold abnimmt, wächst der Handel und die eigene Wohlfahrt des Landes in großem Maaße.“ (Börsenhalle)

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