Titel: Ueber das Phänomen des lange andauernden Siedens einer übersättigten Glaubersalzlösung, nach Entfernung der Wärmequelle; von Professor Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 5 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi02_5

Ueber das Phänomen des lange andauernden Siedens einer übersättigten Glaubersalzlösung, nach Entfernung der Wärmequelle; von Professor Böttger.

Bei Anstellung des bekannten, zuerst von Löwel angeregten Versuches, eine in einem Glaskolben der Siedhitze ausgesetzt gewesene concentrirte, bei Luftabschluß wiederum gehörig abgekühlte und in diesem Zustande nicht krystallisirende Auflösung von Glaubersalz, auf verschiedene Weile augenblicklich zum Krystallisiren zu bringen, habe ich ein nicht uninteressantes Phänomen zu beobachten Gelegenheit gehabt, das wohl verdient bekannter zu werden, zumal es sich, wegen der Leichtigkeit seiner Hervorrufung, so wie seines höchst instructiven Charakters wegen, in der Lehre von der Wärme, zur Anstellung eines recht hübschen Collegienversuches eignet. Füllt man nämlich ein Glaskölbchen mit etwas langem Halle bis auf etwa 5/4 seines Raumes mit einer concentrirten wässerigen Lösung von Glaubersalz, bringt diese über einer einfachen Weingeistlampe in heftiges Sieden, und erhält sie darin, um jede Spur atmosphärischer Luft auszutreiben, einige Minuten lang der Art, daß ununterbrochen aus dem Halse des Kölbchens ein dichter Dampfstrahl emporsteigt, und verschließt dann, während dieses stattfindet, recht behende und so schnell als nur immer möglich den Hals des Kölbchens mit einem zuvor gehörig erweichten, der Oeffnung des Halses wohl angepaßten Korkpfropfen, so sieht man, selbst nach Entfernung des Kölbchens von der Wärmequelle den Inhalt desselben oft noch nach einer halben, ja nicht selten sogar noch nach einer ganzen Stunde, sieden (d.h. so lange, als die Salzsolution heißer ist, als die den luftleeren Raum des Kölbchens umschließende Glaswandung). Hat endlich das Phänomen des Aufwallens oder Siedens aufgehört, so läßt es sich dennoch von Neuem wieder auf kurze Zeit hervorrufen, sobald man die Wandung des oberen Theils des Kölbchens mit etwas angefeuchtetem Fließpapier berührt. (Aus des Verfassers polytechnischem Notizblatt, 1856, Nr. 9.)

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