Titel: Ueber Thieux's Verfahren, Gewebe wasserdicht zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 9 (S. 158–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi02_9

Ueber Thieux's Verfahren, Gewebe wasserdicht zu machen.

Nach Jacquelain besteht das Verfahren Thieux's in Folgendem: Man löst in einer hölzernen Kufe in 50 Litern Wasser 1500 Grm. Alaun, und andererseits, ebenfalls in einer hölzernen Kufe, in 50 Litern Wasser 1500 Grm. Bleizucker (essigsaures Bleioxyd). Nachdem die Lösung erfolgt ist, werden beide Flüssigkeiten mit einander vereinigt, wobei ein Niederschlag von schwefelsaurem Bleioxyd entsteht und in der Flüssigkeit essigsaure Thonerde nebst überschüssigem Alaun gelöst bleibt. Nachdem die Flüssigkeit sich geklärt hat, wird sie von dem Niederschlage abgezogen. In diese Flüssigkeit werden nun die zu behandelnden Zeuge oder Kleidungsstücke |159| eingetaucht, indem man sie anfangs unter der Flüssigkeit mit den Händen zusammendrückt und bearbeitet, um die Luft auszutreiben und die Flüssigkeit das Gewebe überall durchdringen zu lassen. Die Eintauchung dauert etwa vier Stunden lang. Nachdem die Zeuge wieder aus der Flüssigkeit genommen sind, werden sie schwach ausgeschüttelt, und dann, je nach der Jahreszeit, an der Luft oder in einem geheizten Raume getrocknet. Nach dem Trocknen werden sie gebürstet, und dann, damit sie ihr ursprüngliches frisches Ansehen wieder erlangen, gebügelt.

Balard hat über die nach diesem Verfahren präparirten Zeuge Versuche angestellt, die sehr günstig ausgefallen sind. Er fand, daß auf selbst dünnem präparirtem Tuch und sogar auf dem leichten Gewebe aus Alpacawolle, wenn es nach dem Thieux'schen Verfahren präparirt ist, wochenlang auf der oberen Seite (indem das Gewebe auf einem Rahmen ausgespannt oder sackförmig angeordnet ist) Wasser sich befinden kann, ohne daß die unter Seite im mindesten naß wird, und daß das Wasser von den präparirten Zeugen verdunstet, ohne sie zu durchdringen. Ferner fand derselbe, daß, wenn man präparirtes Tuch oder Kleidungsstücke, selbst 48 Stunden lang in Wasser legt, sie dennoch, wenn man sie darauf wieder getrocknet hat, noch ebenso undurchdringlich für Wasser sind als zuvor. Ein präparirter Ueberrock, den Balard selbst trug, war wiederholt und anhaltend starkem Regen ausgesetzt, ohne daß er im mindesten vom Wasser durchdrungen wurde. Ein präparirter Soldatenmantel, den man in einen Weidenkorb gelegt hatte, wurde, als mittelst einer Feuerspritze kräftig Wasser darauf gespritzt wurde, äußerlich nur an den Stellen naß, welche an den Weidenzweigen anlagen und deßhalb durch den kräftigen Wasserstrahl zusammengedrückt wurden.

Geht man mit einem präparirten Ueberrocke in selbst heftigem Regen, so dringt das Wasser auch in den Nahten nicht durch. Gleichwohl könnte unter den Achseln die Dichtheit aufhören, denn Balard überzeugte sich, daß sie bei Kleidungsstücken, die man direct auf dem Körper trägt und sie somit dem Schweiße. der eine saure Beschaffenheit hat, ausgesetzt sind, nicht von länger Dauer ist. Das Durchdringen von etwas Feuchtigkeit unter den Achseln wäre aber immerhin noch kein erheblicher Uebelstand. da das Kleidungsstück beim Marschiren hier ohnehin durch den Schweiß feucht wird. Gegen die Anwendung des Thieux'schen Verfahrens, wenn sie auf die äußerlichen Kleidungsstücke beschränkt wird, dürfte gar kein Bedenken vorliegen, es sey denn, daß die Vortheile, welche sie gewährt, nicht von Dauer wären, sondern durch die stattfindenden mechanischen Einflüsse die Dauerhaftigkeit der wasserdichten Beschaffenheit der Gewebe beschränkt würde. Nach allem was vorliegt, namentlich nach den authentischen Zeugnissen, welche Thieux besitzt, ist aber diese Dauerhaftigkeit groß, wofür auch der Umstand spricht, daß die Verwaltung der Marseille-Lyoner Eisenbahn von Jahr zu Jahr mehr Blousen für ihr Personal von Thieux hat präpariren lassen Ein präparirter Ueberrock, den der Verfasser seit 5 Monaten viel getragen hat, und der dabei bezüglich des Ausklopfens, Bürstens u.s.w. gar nicht geschont wurde, hat seine Wasserdichtheit vollständig behalten. Man kann daher annehmen, daß die Thonerdeverbindung, welche diese Eigenschaft hervorbringt, sich nicht leichter von dem Zeuge ablöst, als diejenige. welche den Farbstoff darauf fixirt, und daß bei äußerlichen Kleidungsstücken die wasserdichte Beschaffenheit eben so lange dauert, als dieselben überhaupt brauchbar sind. Wenn aber auch dieselbe sich beim Gebrauche allmählich verlieren sollte, so wäre dieß immer noch kein großer Uebelstand, denn man brauchte das Kleidungsstück dann nur nochmals mit der Auflösung von essigsaurer Thonerde zu behandeln, um es wieder ganz wasserdicht zu machen. Die Wasserdichtheit wird bloß durch die essigsaure Thonerde hervorgebracht, welche, wie Balard meint, wahrscheinlich in das von W. Crum beschriebene unlösliche basische Salz übergeht, indem Essigsäure daraus abdunstet, was sich auch dadurch zu erkennen gibt, daß die Zeuge nach der Präparation mehrere Tage lang nach Essigsaure riechen. (Vielleicht setzt sich basisch schwefelsaure Thonerde in dem Gewebe ab). Die essigsaure Thonerde könnte aber wohlfeiler beschafft werden, als nach dem Verfahren von Thieux, indem man schwefelsaure Thonerde durch essigsauren Kalk zersetzte. Das Wasserdichtmachen mittelst essigsaurer Thonerde läßt sich hiernach offenbar mit sehr geringen Kosten ausführen.

Die mit diesem Salze behandelten Zeuge gewähren nach Balard außer der Wasserdichtheit noch andere Vortheile. Sie sind markiger im Griff und halten wärmer, |160| als gewöhnliche Zeuge gleicher Art, denn die Luft scheint energischer an ihrer Oberfläche zu adhäriren, was vielleicht auch eine der Ursachen ihrer Wasserdichtheit ist. Sie condensiren ferner bei feuchtem nebeligem Wetter weniger Feuchtigkeit. Wenn sie im Regen äußerlich naß geworden sind, halten sie, namentlich wenn man sie ausschüttelt, viel weniger Wasser auf sich zurück, als die gewöhnlichen Zeuge, selbst wenn bei diesen das Wasser nicht durchgedrungen ist, und da sie rascher trocknen, so wirken sie, wenn sie während des Trockrens den Körper als Kleidungsstück umgeben, weniger lange abkühlend auf denselben. Da ferner die gleichzeitige Einwirkung des Wassers und der Luft die Hauptursache der Verschlechterung der Gewebe bildet, so wird durch das raschere Trocknen eine längere Dauer derselben bedingt. (Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, durch polyt. Centralblatt, 1856, S. 352.)

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