Titel: Bonelli's Locomotivtelegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi03_1

Bonelli's Locomotivtelegraph.

C. Couche hat über die vielbesprochene Bonelli'sche Erfindung einen Aufsatz in den Annales des mines veröffentlicht.33) Er beurtheilt in demselben den praktischen Werth der fraglichen Erfindung und beschäftigt sich mit der Erörterung der Frage, welcher Vortheil daraus als Sicherheitsmittel im Bahnbetriebe zu ziehen sey. Die Schrift gibt von dem Apparate folgende allgemeine Beschreibung: Die telegraphische Leitung, in der Achse des Geleises angebracht, wird gebildet durch ein aufrechtstehendes eisernes Band, dessen Querschnitt von der Länge der Leitung bedingt ist. Bei dem Versuchstelegraphen nächst Paris ist das Band von 0,02 Meter Höhe und 0,004 Meter Dicke angewendet, welche Dimensionen für eine Länge von 40–80 Kilometer ausreichen sollen, jedoch auch für kürzere Strecken nicht vermindert werden dürfen, damit es nicht an der nöthigen Steifigkeit fehle. Das Band ist in auf die Querschwellen festgemachten Isolatoren von Porzellan festgehalten, welche zu diesem Zwecke mit Einschnitten versehen sind. Von Distanz zu Distanz ist das Band der Ausdehnung halber unterbrochen und es liegen die zusammenstoßenden Enden auf 3–4 Centimeter Länge über einander, um durch den reibenden Contact die Continuität der Leitung zu sichern, wozu außerdem eine seitwärts angebrachte Feder dient. Der Telegraphenapparat für das Geben und Empfangen von Depeschen ist der Wheatstone'sche mit einfacher Nadel; zur Erzeugung des Stromes dient eine Sandbatterie. Der Draht des Elektromagnets ist mit der Leitung mittelst eines unterhalb des Wagens befindlichen Armes von Metall verbunden, welcher unten mit drei Federn auf das Eisenband drückt; die Erdverbindung wird hergestellt durch den eisernen Unterbau der Wagen und die Schienen. Die dreifache Berührung, die Breite der Federn und ihre Elasticität sichern auch bei den unregelmäßigen Bewegungen der Wagen einen ununterbrochenen Contact. Bei Wegübergängen und dergleichen ist die Fortsetzung der Leitung durch einen unterirdischen Draht bewerkstelligt.

Bei ruhendem Apparate sind, wie bei dem stationären Telegraphen, die Dispositionen der Art, daß nach der einen oder der anderen Richtung telegraphirt werden kann. Die Errichtungskosten des Versuchstelegraphen beliefen sich auf 400 Francs pro Kilometer (macht also 800 Fr. für ein Doppelgeleis). Für eine definitive Einrichtung berechnet Bonelli die Anlagekosten für ein Geleis wie folgt:

Flacheisen für die Leitung 250 Fr.
1000 Stifte für Isolatoren 130 „
1000 Stück Isolatoren von Porzellan 100 „
52 Stoßverbindungen 12 „
Befestigen der Isolatoren 5 „
Befestigen des Bandes 50 „
Regulirung 15 „
––––––
Zusammen pro Kilometer 562 Fr.

Atmosphärische Einflüsse, Regen u.s.w. scheinen die Leitungsfähigkeit nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Gegen Schnee will man eine Vorrichtung anbringen, die denselben vor den Contactfedern abkehrt Ueberdieß sey derselbe, wenn trocken, wenig leitend, und wenn er naß wird, so macht er sich vom Leitungsbande von selbst los. Zu erheblicheren Bedenken gibt der Umstand Anlaß, daß die Leitung der Zerstörung durch einen Unfall am Zuge zu leicht ausgesetzt ist, so daß der Telegraph gerade dann unbrauchbar wird, wenn er am nothwendigsten ist. Nach Bonelli's Idee könnte der Bahntelegraph zugleich für die gewöhnliche Correspondenz |234| eingerichtet werden, indem dieselben Isolatoren mehrere Bänder aufnehmen können, wovon dann nur die nicht für den Bahndienst bestimmten niedriger befestigt zu seyn brauchen, um nicht von den Federn berührt zu werden, die den Contact für den Bahntelegraph herstellen. Obiger Umstand tritt aber dieser erweiterten Anwendung ebenfalls hindernd entgegen.

Ueber die Art und Weise, wie der Bahntelegraph zur Communication zwischen den Zügen unter einander und mit den Stationen zu benutzen sey, hat Bonelli keine genauen Angaben gemacht, was zu bedauern ist, da gerade die Art der Anwendung genau bekannt seyn muß, wenn über den Werth der Erfindung ein richtiges Urtheil gefällt werden soll. Nach der Ansicht des Hrn. Couche ist kein großer Werth darauf zu legen, daß die Bahnzüge auf einem Geleise fortwährend mit einander und mit den Stationen verkehren können. Da die geführte Correspondenz gleichzeitig von allen durch die Leitung verbundenen Zügen und Stationen gelesen wird, so könne dieß leicht zu gefährlichen Irrungen Anlaß geben. Dagegen wäre es von Werth, daß zwei, einander in kurzer Entfernung folgende Züge mit einander verkehren können in dem Falle, wo (in Curven) der eine Zug von dem anderen nicht gesehen werden kann. Eine Hauptbedingung für die Sicherheit des Betriebes sey, daß ein Zug ein deutliches Zeichen seiner Fahrt hinter sich zurücklasse, auf eine Entfernung, hinreichend, jede Gefahr eines Zusammenstoßes abzuwenden, jedoch auch nicht zu groß, um dem Verkehre unnöthige Hindernisse zu bereiten. Hier könnte Bonelli's Telegraph vortheilhafte Anwendung finden. Es wäre nur jede Curve, auf welcher keine Fernsicht möglich, mit dem Leitungsbande zu versehen, welches noch eine Strecke weit auf die gerade Linie sich verlängert. Jeder Zug, der in eine solche Curve gelangt, würde augenblicklich wahrnehmen können, ob ein ihm vorangehender noch auf derselben Curve sich befindet, und es würde dieses gegenseitige Avertiren so lange, als beide Züge die Curve befahren, stattfinden. (Eisenbahnzeitung, 1856, Nr. 10.)

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Seitdem wurde auch Bonelli's Patentbeschreibung veröffentlicht und im polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 167 mitgetheilt.

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