Titel: Ueber das Schweißen des englischen Gußstahls; von Th. Rust, k. b. Salineninspector in Dürkheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 3 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi03_3

Ueber das Schweißen des englischen Gußstahls; von Th. Rust, k. b. Salineninspector in Dürkheim.

Man bereitet zum Schweißen von Gußstahl auf Eisen ein Schweißpulver, indem man in feingepulvertem Zustande zusammenmengt

35,6 Loth Borsäure,
30,1 trockenes Kochsalz,
26,7 Cyaneisenkalium (Blutlaugensalz),
7,6 Colophonium.
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Verfahren beim Schweißen. Man heftet die zu vereinigenden Stücke provisorisch zusammen, mit Häkchen, Klammern, durch Einschieben und dergl. wie sonst üblich, bei kleinen Stücken auch durch feinen Binddraht, und sucht sogleich anfangs den Sinter von den Berührungsflächen – etwa durch Abfeilen – möglichst zu entfernen; man erhitzt nun bis zur Kirschrothglühhitze, streut, nachdem man den Gegenstand aus dem Feuer genommen, eine Portion Schweißpulver auf die Schweißstelle, so viel eben daran haften bleibt, bringt den Gegenstand wieder ins Feuer, gibt nöthigenfalls noch etwas Schweißpulver zu, sodann etwas guten Schweißsand, den man wie beim gewöhnlichen Schweißen auftragt, und schweißt dann bei angehender Weißglühhitze, wo der Stahl, ohne zu bersten, die Hammerschläge, welche man anfangs etwas vorsichtig anwendet, noch gut erträgt. Bei der Behandlung im Feuer trachtet man zur möglichsten Schonung des Stahls die größte Hitze hauptsächlich auf das Eisen zu bringen, was man, da letzteres gewöhnlich die größere Masse bildet, und sohin nicht sobald durchgewärmt wird, am besten auf die Weise ermöglicht, daß man vor der provisorischen Zusammenfügung das Eisen schon stark kirschrothwarm macht, etwa mit ein paar Feilstrichen den Sinter schnell entfernt, und dann den noch kalten bereits vorgerichteten Stahl unverweilt daran heftet.

Als ein Beweis von der Güte des neuen Schweißmittels ist anzuführen, daß, wenn man aus Versehen die Erhitzung zu weit getrieben hat, und der Stahl unter dem Hammer (wie halb erhärteter Mörtel) auseinander geht, die Theile desselben durch vorsichtiges Zusammendrücken auf dem Amboß und eine nachherige richtig geleitete saftige Schweißung unter Anwendung des Pulvers recht gut sich wieder vereinigen lassen, ohne daß die Qualität merklich leidet.

Für das Zusammenschweißen von Stahl mit Stahl wird ein etwas anderes Schweißpulver angewendet; man mengt nämlich in fein gepulvertem Zustande gut untereinander

41 1/2 Loth Borsäure,
35 trockenes Kochsalz,
15 1/2 Cyaneisenkalium (Blutlaugensalz) und
8 wasserfreies kohlensaures Natron.

Mittelst dieses Pulvers erreicht man beim Zusammenschweißen von Stahl mit Stahl einen sicheren Erfolg. (Bayer. Kunst- und Gewerbeblatt, 1856, S. 89.)

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