Titel: Ueber Kalkmörtel und Gypsmörtel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 5 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi04_5

Ueber Kalkmörtel und Gypsmörtel.

Aus einem Berichte des Hrn. Architekten Chailly über den Besuch der Pariser Industrie-Ausstellung.

Kalkmörtel. – Das Erdgeschoß der Pariser Wohnhäuser wird gewöhnlich mit Mörtel aus fettem Kalk, Keller und Souterrain mit solchem aus magerem (hydraulischem) Kalk gemauert. Viele Architekten verbannen aber den fetten Kalk gänzlich vom Bauplatz Aller Sand, den ich sah, war von ausgezeichneter Eigenschaft, sehr rein und scharf. Mörtelbereitung mit der Mörtelhaue durch einen Arbeiter sah ich gar keine, sondern nur mechanische; entweder drei von einem Pferde getriebene Mühlsteine, welche die Mörtelmaterialien in einer steinernen kreisrunden |316| Rinne mischten, oder ein Faß, in welches die Materialien geschüttet, und wo sie durch eiserne an einer Achte befestigte Gabeln gemengt werden Der fertige Mörtel läuft unten zu einer Oeffnung des Fasses heraus; die Achse mit den Gabeln wird durch ein Pferd in Bewegung gesetzt. Dadurch, daß den Arbeitern genau das Maaß des Kalkes, des Sandes und des Wassers angegeben ist, ebenso wie die Zeit der Mengung, ist allen Willkürlichkeiten von dieser Seite gesteuert; diese Willkürlichkeiten von Seiten der Arbeiter, welche hauptsächlich immer ein Uebermaaß von Wasser der leichteren Arbeit wegen zusetzen, sind es bekanntlich, welche den schlechten Mörtel erzeugen. Es wird aber auch durch Anwendung der Maschine die Mörtelbereitung wohlfeiler. Ein Pariser Maurermeister, Laroque, berechnet die Kosten der Bereitung des Mörtels:

1 Kubikmeter (= 42 1/2 Kubikfuß württ.) Mörtel von Hand 2 Fr. 53 C.
1 ditto durch die Mühle 1 „ 24 „
1 ditto durch das Faß 1 „ – „

Hierbei ist der Taglohn eines Handlangers nach Pariser Maaßstab zu 2 Frs. 50 C. (1 fl 10 kr.) angenommen. Das Faß ist der Mühle nicht nur in ökonomischer, sondern auch in jeder andern Hinsicht vorzuziehen.

Der gewöhnlich für Souterrains angewendete hydraulische (magere) Kalkmörtel wird ebenso bereitet, wie der aus fettem Kalk.

Gypsmörtel. – Bei uns, wo der gebrannte Gyps sehr billig ist, wird er gleichwohl nur zu Verputzarbeiten angewendet, während er in Paris ganz allgemein und schon von Alters her zu allen Mauern über dem ersten Stockgebäude als Mörtel benützt wird. Außerdem werden davon leichte Scheidewände und ganze Decken, sowie äußerer Façadenverputz mit architektonischen Gliederungen, Gesimsen, Säulen etc. hergestellt.

Zu den rauheren Verputz- und zu den Maurerarbeiten wird der Gyps so angewendet, wie er aus der Mühle kommt, und nur zu feineren Verputzarbeiten, wie zum letzten Auftrage, wird er vorher gesiebt, wobei sich herausstellt, daß der gesiebte Gyps 30 Theile Wasser auf 25 Theile Gyps zum Löschen braucht, der ungesiebte aber nur 18 Theile Wasser auf dasselbe Maaß Gyps. Je nach der Art der Arbeit wird übrigens der Gyps bald etwas fester, bald etwas flüssiger angewendet; aber nie wird er mit Kalk, Sand oder irgend einem fremden Bestandtheil gemengt; auch der letzte Auftrag bei Verputzen ist reiner, ziemlich flüssig angemachter Gyps. Dadurch erhält man eine spiegelglatte Fläche, welche zugleich so hart ist, daß sie weiter gar keiner Bearbeitung als eines Firnisses bedarf, um in den schönsten Salons als Wand von unten bis oben zu dienen; es werden zur Verzierung nur gemalte oder vergoldete Holzleisten nach architektonischer Zeichnung darauf genagelt.

Am auffallendsten ist die Herstellung reicher Façaden auf rauhes Mauerwerk aus reinem Gyps, welche sich sehr gut halten; es werden zwar häufig auf die obersten vorspringenden Gesimsplatten Zink- oder Cementstreifen zum Schutz gegen den Regen gelegt, aber diese Vorsichtsmaßregel wird auch gar häufig unterlassen.

Zur Beurtheilung ähnlicher Umstände kann vielleicht die Bemerkung von Nutzen seyn, daß die Pariser Gypsbrecher verschiedene Bänke unterscheiden, welche sehr verschiedene Qualitäten Gyps geben sollen und von welchen die schlechteren Sorten nicht gebrannt werden. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1856, Nr. 16.)

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