Titel: Analysen einiger Obstsorten; von Prof. C. Wolff in. Hohenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 8 (S. 318–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi04_8
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Analysen einiger Obstsorten; von Prof. C. Wolff in. Hohenheim.51)


Apfelsorten.

Wasser.
Trockene
Substanz.
Unlösliche
Substanzen
(Treber).
Im Saft
gelöste
Substanzen.

Zucker.
Pectin,
Eiweiß
und Salze.
Freie
Säure,
Apfelsäure
Proc. Proc. Proc. Proc. Proc. Proc. Proc.
1) Goldparmäne 83,58 16,12 2,75 13,67 7,91 5,26 0,50
2) Sommerrabau 83,06 16,94 2,45 14,49 7,28 6,24 0,97
3) Herbstealvill52) 82,76 17,24 4,01 13,23 6,16 6,12 0,95
4) Fleiner 83,75 16,25 2,67 13,58 7,15 5,39 1,04
5) Luiken 85,97 14,03 1,97 12,06 7,90 3,06 1,10
6) Backapfel 85,95 14,05 2,79 11,26 7,41 2,92 0,93
7) Rosenapfel 86,27 13,73 2,46 11,27 8,04 2,57 0,66
8) Cyderapfel 86,60 13,40 2,95 10,45 7,81 2,26 0,38
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Durchschnitt 84,74 15,26 2,76 12,25 7,46 4,23 0,82

Birnsorten.

1) Dechantsbirn

76,02

23,98

8,51

15,47

9,23

5,69

0,55
2) Grumkowerbirn 79,47 20,53 6,79 13,74 9,68 3,24 0,82
3) Sommerdorn 9,38 0,05
4) Forellenbirn 83,95 16,05 3,38 12,67 8,02 4,53 0,12
5) Wildling v. Einsiedel 77,55 22,45 8,88 13,57 10,88 1,83 0,86
6) Echte Bratbirn 79,30 20,70 7,37 13,37 8,60 3,94 0,83
7) Wolfsbirn 80,12 19,88 6,28 13,60 9,16 3,69 0,83
8) Bogenäckerin 82,31 17,69 4,24 13,45 9,86 2,98 0,61
9) Hangelbirn 81,45 18,55 6,82 11,73 8,50 2,72 0,51
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Durchschnitt 80,02 19,98 6,53 13,43 9,26 3,01 0,58

Die hier in ihren Resultaten mitgetheilten Analysen einiger in Württemberg theils allgemein, theils ziemlich verbreiteten Obstsorten genügen, wie ich glaube, um zunächst den allgemeinen chemischen Charakter der Apfel- und Birnsorten zu bezeichnen.

Die Aepfel enthalten unter gleichen äußeren Verhältnissen stets mehr Wasser und weniger Trockensubstanz, als die Birnen, welche letztere aber auch an im Safte unlöslichen und daher auch wenig nahrhaften Substanzen beträchtlich reicher sind, als die ersteren; die Birnen hinterlassen bei dem Auspressen zur Mostbereitung eine doppelt so große Menge an trockenen Stoffen, als die Aepfel.

Der Werth der verschiedenen Obstsorten als Nahrungsmittel ist nur nach der Menge und Beschaffenheit der in Wasser löslichen Bestandtheile zu |320| bestimmen, da die unlöslichen Stoffe fast ausschließlich aus einer sehr schwer verdaulichen, holzigen Substanz bestehen. Die Gesammtmenge der löslichen Bestandtheile ist bei den Birnen durchschnittlich nur wenig, nämlich um reichlich 1 Procent höher als bei den Aepfeln.

Die wesentlichste Verschiedenheit der chemischen Zusammensetzung beider Obstgattungen liegt in dem abweichenden Zuckergehalt; dieser ist nämlich in den Birnen stets und zwar durchschnittlich um etwa 2 Proc., oder um 1/4 größer, als in den Aepfeln, und ebenso ist das Verhältniß zwischen dem Zucker, als dem vorzugsweise wichtigen Bestandtheile, und den übrigen in Wasser auflöslichen Substanzen bei den Birnen ein günstigeres als bei den Aepfeln; der höhere Zuckergehalt der Birnen ist für den Geschmack um so auffallender, als die Menge der freien Säure meistens eine geringere ist.

Um den chemischen Charakter einzelner Obstsorten vollständig festzustellen, sind die bisher angestellten Untersuchungen noch nicht ausreichend; erst weitere chemische Analysen können hiezu die nöthigen Anhaltspunkte liefern. Ich will nur darauf hinweisen, daß die größere Schmackhaftigkeit des Tafelobstes, gegenüber der des Wirthschaftsobstes, auch bei der chemischen Analyse in dem meist größeren Gehalte an Zucker und in der geringeren Menge der freien Säure sich ausspricht, so bei der Goldparmäne und bei dem calvillartigen Winter-Rosenapfel, während in dem Wirthschaftsobst gewöhnlich die Säure in größerer Menge zugegen ist, so bei den Linken und dem gestreiften Backapfel. Der Luikenapfel steht hinsichtlich seines Zuckergehalts dem besten Tafelobst sehr nahe.

Die vortrefflichen Tafelbirnen, wie die rothe Dechantsbirn, Grumkower Winterbirn, punktirter Sommerdorn und die Forellenbirn sind ausgezeichnet durch einen hohen Zucker- und einen geringen Säuregehalt, welcher in den zwei zuletzt genannten Sorten fast völlig verschwindet. Aber auch die bekannten Wirthschaftsbirnen, wie die Champagner Bratbirn, die Wolfsbirn, Bogenäckerin und besonders der Wildling von Einsiedel sind gleichfalls reich an Zucker, wodurch sie zur Mostbereitung besonders geeignet erscheinen; der mehr oder weniger herbe Geschmack der zuletzt genannten Obstsorten ist in der größeren Menge der Säure ausgedrückt, welche hier zum Theil in der Form von Gerbstoff oder Gerbsäure neben der Apfelsäure auftritt.

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Aus der neu erschienenen Schrift: Die Obstbenutzung, eine gemeinfaßliche Anleitung zur wirthschaftlichen Verwendung unsererer wichtigeren Obstsorten. Aus Auftrag der k. Centralstelle für die Landwirthschaft von Garteninspector Eduard Lucas. Mit 4 Tafeln Abbildungen und 22 Holzschnitten. 1856. Franz Köhler'sche Buchhandlung in Stuttgart. Preis 2 fl. 12 kr.

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Die Zusammensetzung von gut ausgebildeten Aepfeln dieser Sorte wird wohl eine bessere seyn; das analysirte Exemplar war noch nicht völlig lagerreif.

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