Titel: Die unterirdische Stadtleitung in Paris, welche vom Centralbureau nach den einzelnen Telegraphenlinien führt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 3 (S. 393–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi05_3

Die unterirdische Stadtleitung in Paris, welche vom Centralbureau nach den einzelnen Telegraphenlinien führt.

In Paris waren seither die Stadtleitungen, welche vom Centralbureau nach den einzelnen Telegraphenlinien führen, über die Dächer der Gebäude und quer über die Straßen durch die Luft gespannt. Das unelegante Aussehen dieser Drähte, |394| und mehr noch die Schwierigkeit und selbst Gefährlichkeit ihrer Controle und eventuellen Reparatur hatten schon längst ihre Ersetzung durch unter das Straßenpflaster in die Erde gelegte Leitungen wünschbar gemacht; indeß war die französische Telegraphen-Verwaltung durch die an anderen Orten gemachten Erfahrungen gegen alle mit Gutta-percha isolirten Kupferdrähte eingenommen.

Man kam endlich zu dem Entschluß, die Drähte in Gräben von genügender Tiefe in ein Bett von Asphaltmasse zu legen. Schon im Jahre 1844 hatte man einen derartigen Versuch zu Gaillon, auf der Eisenbahn nach Ronen angestellt; es waren daselbst unter einer Passage vier Kupferdrähte auf 10 Meter Länge in einem Graben ausgespannt und mit Asphaltmasse umgossen worden. Dieselben hielten sich vortrefflich. Im December 1854. also nach 10 Jahren, war die Isolation noch vollkommen und der Asphaltblock war äußerst hart geworden. Nur zeigte sich bei näherer Untersuchung, daß der Abstand der Drähte von einander ein sehr unregelmäßiger war, indem diese, die ursprünglich straff gespannt gewesen, durch die Hitze des geschmolzenen Asphalts sich ausgedehnt hatten und schlaff geworden waren.

Dieser Umstand war bei der gedachten kurzen Leitung ohne Folgen geblieben; es war aber mit Recht zu fürchten, daß derselbe bei langen Leitungen gegenseitige Berührungen der Drähte herbeiführen werde. Die Beseitigung dieses Uebelstandes bei der Ausführung im Großen war dadurch erschwert, daß die Asphaltmasse nicht schnell erhärtet, sondern mehrere Stunden weich bleibt. Die Asphaltblöcke hinter einer Art Rechen, der längs des Drahtbündels allmählich fortgeschoben wird, stückweise zu gießen, war deßhalb nicht ausführbar. Man versuchte in gewissen Abständen zur Führung der Drähte angebrachte kleine Stützen laus isolirender Substanz mit einzugießen, dieselben gefährdeten aber die Solidität des Aspaltblockes, wenn Porzellan oder gebrannter Thon angewendet wurde; waren sie aber aus Asphalt selbst angefertigt, so wurden sie durch die heiße Asphaltmasse erweicht und verfehlten ihren Zweck.

Man wählte endlich folgendes Verfahren, welches bei einer in den Monaten Juni und Juli 1855 ausgeführten Leitung zwischen der Centralstation und fünf oder sechs innerhalb Paris gelegenen Nebenstationen versuchsweise in Anwendung kam. Die Drähte – gewöhnlich zehn in zwei übereinander gelegenen Reihen von je fünf – wurden in dem zu ihrer Aufnahme bestimmten Graben auf einer Länge von 60 bis 80 Metern straff gespannt; dann wurden auf der ganzen Länge, in Abständen von je 25 Centimetern, eiserne Kämme mit einer der Zahl der horizontal nebeneinander gespannten Drähte entsprechenden Reihe von verticalen Einschnitten über die Drähte gestreift und diese mittelst zweier in Scharnieren beweglichen Klappen darin festgeklemmt. Auf den gut geebneten Boden des Grabens wird eine Lage von grobem Papier gelegt, und der Länge nach verticale Seitenwände von Holz aufgestellt, so daß eine Reihe von Kasten entstehen, welche durch die eisernen Kämme von einander getrennt sind. Diese Kasten wurden nun abwechselnd, also der erste, dritte, fünfte etc. mit Asphaltmasse ausgegossen; war diese genügend erhärtet, so wurden die Kämme, nach Oeffnung der Klappen, herausgezogen, und sodann auch die anderen Abtheilungen mit Asphaltmasse gefüllt. Durch die Hitze derselben wurden die benachbarten, schon erhärteten Blöcke an der Berührungsstelle oberflächlich geschmolzen, so daß eine innige Vereinigung stattfand und man schließlich einen zusammenhängenden festen Asphaltblock erhielt, in dessen Innerem die Drähte wohl isolirt und in regelmäßigen Abständen von einander lagen.

Bei den ersten Versuchen wurde der Asphalt in mehreren horizontalen Lagen übereinander gegossen, aber diese Schichten verbanden sich nicht gut mit einander, weil sie wegen ihrer geringen Dicke die untere schon erhärtete Schicht nicht gehörig erweichten; auch zeigten sich, da die Drahtlagen in den Trennungsflächen lagen, bisweilen Nebenschließungen zwischen den nebeneinander liegenden Drähten, während die Isolirung in verticaler Richtung vollkommen war.

Es wurden zu dieser Leitung nicht Kupferdrähte, sondern verzinkte Eisendrähte von 4 Millimeter Durchmesser angewendet. Die Adern dieses Drahtes hatten durchschnittlich nur 200 Meter Länge, es waren also häufig Löthungen nöthig; die Enden der Drähte wurden dann abgeplattet, schräg gefeilt, mit Zinn gegeneinander gelöthet und die Löthstelle mit dünnem galvanisirtem Eisendraht dicht umwickelt. Beim bloßen Zusammenbinden würde sich der geschmolzene Asphalt zwischen die |395| Drahtenden gezogen und diese von einander getrennt haben; wäre aber die Löthung erst nach Umwickelung des dünnen Drahtes ausgeführt worden, so hätte das Löthzinn, da es bei der Hitze des flüssigen Asphalts schmilzt, ausfließen und eine Verbindung zwischen zwei benachbarten Drähten herstellen können, während es bei der gewählten Methode von den umgewickelten Drähten aufgehalten wird. Zur größeren Sicherheit umgab man die Löthstellen noch mit einer dünnen Schicht von Kreide oder Thon.

Es wurden nach Erfordern 4, 6 oder 10 Drähte in einen Leitungsstrang gelegt; wo mehr als 10 Drähte vorhanden waren, zog man es der besseren Controle wegen vor, mehrere besondere Stränge neben einander in denselben Graben zu legen. In den Strängen von 6 und 10 Drähten war der Abstand der einzelnen Drähte von einander und von den Wänden des Asphaltblockes 27 Millimeter; bei den Leitungen mit 4 Drähten war dieser Abstand etwas größer, nämlich 30 Millimeter in horizontaler Richtung und 40 Millimeter in verticaler Richtung, und von der oberen und der unteren Fläche, weil sonst der Asphaltblock zu wenig Festigkeit erhalten hätte.

Besondere Untersuchungskasten anzulegen hielt man nach den vorliegenden Erfahrungen nicht für nöthig; sollte sich später das Bedürfniß darnach herausstellen, so kann ihre Einrichtung keinerlei Schwierigkeit haben. Man braucht übrigens, wenn eine Untersuchung nöthig werden sollte, nur den Graben zu öffnen und den Asphalt durch Umgießen mit geschmolzener Masse zu erweichen, worauf dann die Drähte leicht bloß gelegt werden können.

Den Gräben hat man eine mittlere Tiefe von 1,3 Metern (4 Fuß) und eine Breite von 0,75 bis 0,90 Metern (28 bis 35 Zoll) gegeben, je nachdem sie einen oder mehrere Leitungsstränge aufnehmen sollen. Es ist vortheilhaft die Leitungen möglichst tief zu legen, um sie sowohl den Erschütterungen durch die Fuhrwerke, als auch den Aenderungen der Temperatur, welche bei der ungleichen Ausdehnung des Eisendrahts und des Asphalts ein Zerklüften des letzteren herbeiführen könnten, einigermaßen zu entziehen. Wo man gezwungen war die Leitungen in geringe Tiefen zu legen, wurden besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen; man bedeckte dann die Asphaltstränge mit einer 2 Decimeter dicken Schicht Sand und legte über diesen auf der ganzen Breite des Grabens ein Gewölbe von Asphalt von etwa 3 Centimeter Dicke. Die Nachbarschaft von Wasser- und mehr noch die von Gasröhren wurde möglichst vermieden; wo dieß nicht anging, wurde dem Asphaltblock eine größere Dicke gegeben und zwischen demselben und der Röhre eine besondere Schutzwand von Asphalt in eben beschriebener Weise errichtet.

Wo die Leitungen von einem Niveau zu einem anderen übergehen mußten, wie häufig der Fall war, ließ man dieselben auf eine genügende Strecke im Verhältnisse von 1 bis 15 steigen; dieß war ohne Schwierigkeit zu bewirken, nur mußten die Kämme dann näher aneinander gestellt werden. Bei geringer Niveauveränderung wurde es indeß oft vorgezogen, die Drähte vertical in die Höhe zu führen.

Biegungen wurden unter einem rechten Winkel mit Hülfe eines besonderen Kammes, bei welchem die Zwischenräume zwischen den Einschnitten im Verhältnisse von √2 : 1 größer waren als bei den gewöhnlichen, und welcher unter einem Winkel von 45° gegen die Richtung der Drähte gestellt wurde, ausgeführt.

Die Asphaltmasse, welche bei dieser Versuchsanlage in Anwendung kam, bestand in 100 Theilen aus:

Asphalt von Seyssel oder Val-de-Travers 58,75
gereinigtem Bitumen von Bastennes 7,24
gut gewaschenem Kies 34,01
––––––
100,00.

Der Kies muß fein und gut gewaschen, und sowohl von größeren Steinen als von Sand und erdigen Theilen befreit seyn.

Diese Zusammensetzung der Asphaltmasse ist kostspieliger als die in den Gewerben gewöhnlich angewendeten; man wählte sie der größeren Sicherheit wegen. Man kann aber mit Grund annehmen, daß eine geringere Sorte dieselben Dienste thun werde, und daß sich der Preis dieser Masse in Zukunft vielleicht bis auf die Hälfte wird ermäßigen lassen.

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Die Kosten der Anlage für den laufenden Meter Leitung mit 10,6 und 4 Drähten stellten sich folgendermaßen:

Für den laufenden Meter der Leitung.
v. 10 Drähten. von 6 Drähten. von 4 Drähten.
Verwendete Asphaltmasse à 11 Fr 50 C.
die 100 Kilogr.

3 Fr. 80 Cts.

2 Fr. 65 Cts.

2 Fr. 59 Cts.
Transport des Materials und der Geräthe bis
zum Arbeitsplatz; 5 Proc. der Materialkosten

0 „ 19 „

0 „ 13 „

0 „ 13 „
Brennmaterial, 10 Proc. des Materials. 0 „ 42 „ 0 „ 29 „ 0 „ 28 „
Eisendraht von 4 Millimeter Durchmesser
à 0,076 Fr. den laufenden Meter.

0 „ 76 „

0 „ 46 „

0 „ 28 „
Sand 0 „ 11 „ 0 „ 11 „ 0 „ 11 „
Papier und Nägel 0 „ 07 „ 0 „ 07 „ 0 „ 07 „
Handarbeit 1 „ 04 „ 0 „ 80 „ 0 „ 68 „
Abnutzung der Geräthe „ „ 26 „ 0 „ 26 „ 0 „ 26 „
––––––––––––––––––––––––––––––––––––
in Summa für den laufenden Meter 6 Fr. 65 Cts. 4 Fr. 77 Cts. 4 Fr. 42 Cts.

Es steht indeß mit Sicherheit in Aussicht, daß bei größeren Anlagen, und namentlich bei Anwendung einer wohlfeileren Asphaltmasse die Herstellungskosten der Leitungen sich erheblich ermäßigen werden. (Auszug aus den Annales télégraphiques in der Zeitschrift des deutsch-österreichischen Telegraphenvereins, Jahrg. III, Heft 1.)

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