Titel: Die Zwischendecken und Dachstühle in den Häusern zu Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 4 (S. 396–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi05_4

Die Zwischendecken und Dachstühle in den Häusern zu Paris.

Aus einem Berichte des Hrn. Architekten Chailly über eine Reise nach Paris.

Die Zwischendecken der Häuser waren bis vor ungefähr 5 Jahren fast allgemein aus hölzernen Balken construirt und zwar so, daß große 8/10'' starke eichene Balken in denjenigen Stellen der Mauern befestigt wurden, die von unten auf unterstützt sind; diese Balken tragen Wechsel von derselben Stärke und ebenfalls von Eichenholz; in diese sind eichene oder tannene Balken eingezapft, welche 14'' von Mittel zu Mittel von einander entfernt liegen und eine Stärke von 2 1/2–8'' haben. Dieselben werden unten mit Latten von gespaltenem Eichenholz benagelt, welche 4''' weit auseinander angebracht werden. Auf die Latten kommt nun die Ausfüllung in Gyps und Gypsschutt (plâtras); während dieß ausgeführt wird, werden unter den Balken provisorisch Bretter durch ein Gerüst gehalten, damit der Gyps nicht zwischen den Latten hindurchfließe. An die untere Seite der Latten und der Ausfüllung wird, wenn diese ziemlich trocken ist, die Gypsdecke angebracht. Oben kommt aus die Balken eine Lattung, deren Latten nur 2''' Entfernung haben und darauf ein etwa 1'' dicker Gypsboden. Auf letzteren kommen sodann für hölzerne Fußböden schwache Ripphölzer, für einen Plattenbelag dagegen eine Schüttung von Staub oder Sand etc.

Seit einigen Jahren sind anstatt hölzerner Balken eiserne in Aufnahme gekommen. Ein Hr. Zorès nahm ein Patent darauf und alsbald tauchten mehrere sehr bedeutende Walzwerke auf, welche sich mit der Fabrication solcher Balken von der verschiedensten Form und Größe beschäftigten. Hr. General Morin berechnete die für verschiedene Belastungen und Spannweiten nothwendigen Dimensionen dieser Balken auf Grund von vielen Versuchen, welche er als Vorstand des Conservatoriums |397| für Gewerbe anstellen ließ; diese Erfahrungen und zugehörigen Balkenprofile, sowie andere hieher gehörige Notizen sind gesammelt in einigen von Zorès herausgegebenen Büchern.78)

Wie schnell und unerwartet sich die eisernen Decken verbreitet haben, geht daraus hervor, daß man, während ihre Anwendung noch im Jahr 1850 nur bei Gebäuden von besonderer Wichtigkeit für wahrscheinlich erachtet wurde, seit dem Jahr 1853, wo die großartigen Bauveränderungen in der Stadt Paris ihren Anfang nahmen, fast gar keine hölzernen Decken mehr construiren sah, und heute sind dieselben noch seltener geworden, trotzdem daß sie etwas billiger sind als die eisernen. Die schnelle Einführung dieser Decken hat auch ebenso schnell die hölzernen Scheidewände vollends verdrängt, welche noch gebräuchlich waren, so daß heutigen Tages jedes Pariser neu gebaute Wohnhaus als vollständig unverbrennlich anzusehen ist und Feuersbrünste mit der Zeit etwas Unbekanntes werden. Nur die Dachstühle sind bis jetzt noch häufiger von Holz als von Eisen; die angewendeten Dachconstructionshölzer sind aber sehr schwach (2–3'' stark), da sie nur Zinkbedachungen zu tragen haben; denn diese haben die Ziegel vollständig verdrängt. Ein solcher Dachstuhl enthält also sehr wenig Holz, und auch hier wird vielleicht später das Eisen vorgezogen, wie dermalen beim Louvrebau.

Die oben erwähnten eisernen Balken werden zur Deckebildung 2' 6'' von einander gelegt und zwar wo möglich parallel mit der Façade, so daß sie auf den Scheidemauern aufliegen; dabei überdecken sie nur ein Zimmer und die jeweilige Stärke der Balken richtet sich nach der Spannweite, also Größe des Zimmers. Die Balken sind nicht gerade, sondern etwas im Bogen gewalzt, um ihnen mehr Stärke zu geben. Auf die Balken werden nun schwache Eisenstäbe quer herüber und auf diese wieder solche der Länge nach gelegt, so daß eine Art Eisenlattung entsteht. Unter dieselbe wird durch ein Gerüst wieder eine provisorische Breterschalung gebracht und dann eine Ausfüllung mit Gyps und Gypsschutt oder Gyps und hohlen Backsteinen etc. darüber gebracht; da diese Decken nicht hoch sind, nur 3 1/2'', so werden sie häufig ganz voll ausgefüllt und stellen dann gleichsam eine einzige Steinplatte dar. Dieß ist die gewöhnliche Construction der eisernen Decken, welche aber noch mancher Verbesserung fähig scheint. In der Ausstellung sah man eine Unzahl Modelle verschiedener Systeme von Decken, die sich größtentheils durch noch größere Wohlfeilheit auszeichnen sollen. Ich erwähne davon nur drei Abänderungen der gewöhnlichen Construction, die alle von dem ersten Eufinder Zorès selbst ausgehen. Die erste besteht in Balken, in welche unmittelbar die Breter des Fußbodens gesteckt werden können, so daß man die Ripphölzer erspart. Zorès berechnet die Kosten eines Quadratmeters Decke fix und fertig mit Parquettboden und Vergypsung

für die eben genannte Form von Balken 15 Fr. 55 C.
„ „ gewöhnlichen Decken in Eisen 24 „ 35 „
„ „ Holzdecken 20 „ 70 „

Die respectiven Dicken dieser drei Decken sind 4'', 7'', 11''.

Ein zweiter Vorschlag sind röhrenförmige Balken, deren Tragkraft Hr. Zorès versucht und sehr groß gefunden hat; dieselben wurden 5 bis 6' auseinander gelegt und Gewölbe aus hohlen Backsteinen dazwischen gespannt; die Kosten einer solchen Decke mit Gyps und Fußboden berechnet Hr. Zorès auf 20 Fr. per Quadratmeter. Pergleichungsweise habe ich den Quadratmeter unserer gewöhnlichen Decken zu 10 Fr. berechnet,79) dabei aber einen tannenen Fußboden zu Grunde gelegt, |398| während in obigen Preisen eichene Parquettböden gemeint sind; für solche stellt sich bei uns der Preis auf circa 14 Fr.

Ein dritter Vorschlag von Zorès ist, im Vorrath hohle Gypstafeln anzufertigen und zwischen die Balken hineinzulegen und durch Gypsmörtel mit einander zu verbinden; solche Böden trocknen sehr schnell und sind schnell und leicht herzustellen. Solche Tafeln werden bereits in großen Quantitäten fabricirt, ihr Nutzen ist augenfällig. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1856, Nr. 19.)

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Zorès, Recueil de fers spéciaux, des expériences faites sur leur résistance et de leur diverses applications dans les constructions. Paris 1853.

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Balken, 2, 7'' von Mitte zu Mitte per laufender Fuß14 kr.
Lattung 2,7 Quadratfuß à 2 3/4 kr. 8 „
Gypsdecke 2,7 Quadratfuß à 6 fl. per 100 Quadratfuß 9 „
Ausfüllungen 3 „
Tannener Fußboden27 „
–––––
Es kosten also 2,7 Quadratfuß61 kr.

Also 1 Quadratmeter = 12 Quadratfuß 10 Fr. circa.

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