Titel: Ueber eine völlig gefahrlose Bereitungsweise des Chlorstickstoffs auf galvanischem Wege; von Prof. Rud. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 5 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi05_5

Ueber eine völlig gefahrlose Bereitungsweise des Chlorstickstoffs auf galvanischem Wege; von Prof. Rud. Böttger.

Seit mehreren Jahren benutze ich bei meinen Vorträgen die Thatsache, daß bei der elektrolytischen Zerlegung einer concentrirten Lösung von Salmiak, an der Anode lediglich Chlorstickstoff auftritt, zur Anstellung eines sehr instructiven und dabei völlig gefahrlosen Collegienversuches, um den sonst so äußerst gefährlich zu handhabenden Chlorstickstoff entstehen und gleichzeitig unter schwacher Explosion sich zersetzen zu lassen.

Zur Anstellung dieses schönen Versuches verfährt man folgendermaßen: Man fülle eine beiläufig 1 Pfund Wasser fassende Glasschale mit hohem steilen Rande, mit einer bei + 28° R. gesättigten Lösung von Salmiak, stelle einen kleineren, an seinem unteren Ende mit einer fettfreien Thierblase verschlossenen und gleichfalls mit Salmiaklösung gefüllten Glascylinder (etwa ein Stück eines gewöhnlichen Lampencylinders) an der einen Innenseite jener Glasschale, ungefähr 1/2 bis 1 Zoll tief unter das Niveau der Flüssigkeit. Senkt man nun die in einem Platinblechstreifen ausmündende Kathode einer recht kräftigen, aus mindestens 5 oder 6 Bunsen'schen oder Grove'schen Elementen bestehenden Batterie in den mit Thierblase unten verschlossenen Cylinder, während man die gleichfalls aus einem Platinblechstreifen bestehende Anode in schräger, von oben nach unten zu geneigter Lage etwa 1 bis 2 Zoll unterhalb der Thierblase placirt, so sieht man nach und nach, und zwar in einigen wenigen Minuten, auf diesem letzteren Platinblechstreifen ganz kleine gelbliche Tröpfchen von Chlorstickstoff sich ansetzen und zum Theil an das Niveau der Salmiaksolution emporsteigen. Hatte man nun vorher die Salmiaksolution in der Glasschale mit einer liniendicken Schicht Terpenthinöl übergossen, so sieht man jedes nach aufwärts steigende Chlorstickstoffbläschen bei sofortiger Berührung des Oels, unter schwacher Verpuffung, sich zersetzen, und kann so dem Entstehen wie dem explosiven Verschwinden dieses interessanten Körpers viertelstundenlang ohne alle Gefahr beiwohnen. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1856, Nr. 10.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: