Titel: Bericht des brittischen Gesundheitsraths über die Einführung rauchverzehrender Oefen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 3 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi06_3
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Bericht des brittischen Gesundheitsraths über die Einführung rauchverzehrender Oefen.

Der brittische Gesundheitsrath (General Board of Health) hat über die verschiedenen Verfahrungsarten welche erfunden wurden, um den Rauch zu verbrennen oder seine Bildung zu verhüten, Erkundigungen eingezogen und darüber dem Parlament einen Bericht erstattet; die Schlußsätze dieses Berichts, welche im Mechanics' Magazine, Juni 1855, und in den Times veröffentlicht wurden, theilen wir nachstehend mit:

1) Die Rauchbildung ist die Folge unvollkommener Verbrennung, welche stets mit Brennmaterialverlust verbunden ist.

2) Dieser Brennmaterial-Verlust besteht nicht bloß im Entweichen sichtbaren Rauchs, also in unverbranntem Kohlenstoff, sondern es zieht eine noch größere Menge brennbarer Bestandtheile in Gasform als Kohlenwasserstoff oder Kohlenoxyd durch die Esse ab.

3) Das Haupthinderniß für die Rauchverzehrung in den Fabriken ist die ungenügende Größe der Dampfkessel, deren Heizfläche bei weitem nicht im Verhältniß der Dampfmenge steht, die man von ihnen verlangt. Dieser Fehler veranlaßt zweierlei Verluste; es geht nämlich ein Theil der Wärme verloren, welcher durch die Esse abzieht, und dasjenige Brennmaterial welches man (über den erforderlichen Bedarf) zur Erzielung eines stärkeren Feuers aufwenden muß.

4) Die Dampfkesselöfen werden in der Regel von Personen construirt, welche mit der Verbrennungstheorie ganz unbekannt sind, und sich bloß durch empirische Regeln leiten lassen.

5) Unter den Fabrikbesitzern ist es einigen gelungen, ungeachtet aller Hindernisse, jede sichtbare Rauchentwickelung zu verhindern; andern gelang es bloß die Dauer der Rauchentwickelung zu vermindern.

6) Die Behauptung vieler Personen, daß, wenn man den Rauch zu verhindern sucht, man dadurch die Erzeugung und fortwährende Entwickelung des Dampfes erschwert, wird durch die Erfahrung nicht bestätigt.

7) Um die Rauchentwickelung aus den Schornsteinen der Fabriköfen zu verhindern, sind zur Ueberwindung des Widerstandes und der Gleichgültigkeit der Praktiker gesetzliche Vorschriften unentbehrlich; die Durchführung derselben wird einerseits den Fabrikanten eben so unnütze als bedeutende Ausgaben ersparen, und andererseits wird dadurch eine wahre Geißel, welche der Rauch für das Publicum ist, verschwinden.

8) Die Fabrikanten können das Minimum der Rauchbildung mit geringeren Schwierigkeiten und Kosten erzielen, als erforderlich sind um eine vollständige Rauchverzehrung zu bewirken.

9) Um die Betheiligten zu zwingen sich nach den gegebenen Vorschriften zu richten, sollten Beamte (watch constables) angestellt werden, welche deren Ausführung zu überwachen haben.

10) Um die Ausführung des Gesetzes so leicht als möglich zu machen, sollte eine Druckschrift veröffentlicht werden, worin alle die Rauchverzehrung betreffenden Erfindungen besprochen sind, damit die Betheiligten über die Verfahrungsarten aufgeklärt werden, welche sie anwenden können ohne Patentrechte zu verletzen.

Hinsichtlich der Wohnhäuser empfiehlt der Gesundheitsrath die gewöhnlichen englischen Küchenroste durch die französischen etc. Kochöfen zu ersetzen, weil bei denselben der Rauch verzehrt und Brennmaterial erspart wird. Hinsichtlich der gewöhnlichen Zimmeröfen für Steinkohlenheizung (Kaminöfen) scheinen dem Gesundheitsrath die in der neuesten Zeit von Dr. Arnott erfundenen allen Anforderungen des englischen Lebens zu entsprechen. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Mai 1856, S. 284.)

Im ersten Heft des nächsten Bandes des polytechn. Journals erscheint eine Abhandlung über die von Hrn. Dr. Ludwig Gall in Trier erfundenen rauchverzehrenden Dampfkesselöfen. Die Redact.

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