Titel: Ueber den Phosphorit von Amberg; von Dr. Alexander Müller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 140/Miszelle 5 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj140/mi140mi06_5

Ueber den Phosphorit von Amberg; von Dr. Alexander Müller.

Auf Veranlassung des Hrn. Fikentscher in Zwickau ist der Phosphorit, welchen Hr. Dr. Martius vor einiger Zeit in der Nähe Ambergs in so großer Mächtigkeit aufgefunden hat, daß er als landwirthschaftlicher Hülfsdünger in den Handel gebracht werden soll, von Seiten der hiesigen Versuchsstation (in Chemnitz) analysirt worden.

Die qualitative Untersuchung ließ das bräunlichgelbe, fein gemahlenem Kalkstein ähnliche, ziemlich schwere Steinpulver als einen sehr reinen Phosphorit mit dem gewöhnlichen Gehalt an Fluorcalcium und wenig fremden Beimengungen – Gangart – erkennen, besonders interessant aber erscheinen durch einen auffallend hohen Gehalt an Jod, welches sich beim Erhitzen von wenig Grammen des Steinmehles mit englischer Schwefelsäure in lebhaft violetten Dämpfen entwickelte.

Die quantitative Analyse, welche Hr. Hesse, Assistent bei der Versuchsstation, unter meiner Aufsicht ausgeführt hat, ergab folgende Zahlen für die einzelnen Bestandtheile:

Procentale Zusammensetzung:

Wasser 1,01 Proc.
Sand und in Salzsäure unlösliche Silicate 9,46 „
Eisenoxyd 3,48 „
Kalk 44,86 „
Magnesia 0,17 „
Kali 0,31 „
Natron 0,05 „
Phosphorsäure 36,68 „
Kohlensäure 1,16 „
Schwefelsäure 0,35 „
Fluor 0,36 „
–––––––––––
97, 89 Proc.
Verlust 2,11 „
–––––––––––
Summa 100,00 Proc.
|468|

Werden die muthmaßlich zusammengehörigen Hauptbestandtheile in der Rechnung verbunden, so enthält der untersuchte Phosphorit:

an phosphorsaurem Kalk 79,48 Proc.
„ kohlensaurem Kalk 2,35 „
„ Fluorcalcium 0,75 „
„ Gyps 0,74 „
„ kohlensaurer Magnesia 0,35 „
„ unwesentlichen Beimengungen 16,33 „
–––––––––––
Summa 100,00 Proc.

Die Quantität des Jodgehaltes haben wir noch nicht genau bestimmen können; da sie für die Landwirthschaft wahrscheinlich ohne welche Bedeutung ist, theilen wir die Analyse des Phosphorits unerwartet der Jodbestimmung mit, wünschend, daß die Landwirthe sich hierdurch veranlaßt finden möchten, die Wirkung des bayerischen Phosphorits vielseitig in der Praxis zu prüfen. Ich bemerke in dieser Beziehung noch Folgendes:

Soviel von dem fraglichen Phosphorit bis jetzt versandt worden ist, scheint es eine höchst gleichmäßige Waare zu seyn; nach einer von Hrn. Mayer (in Tharand) ausgeführten Analyse betrug der Gehalt des Amberger Phosphorits an dreibasisch-phosphorsaurem Kalk 79,88 Proc.; eine fast identische Menge hat nach mündlicher Mittheilung Hr. Hofrath Stöckhardt in Tharand gefunden; die hierher eingesendete Probe zeigt denselben Werth.

Die Anwendung des Phosphorits als Düngemittel dürfte bei der Dichtheit des Mineralmehls, ungeachtet seiner staubigen Beschaffenheit, nur dann eine schnelle und kräftige Wirkung auf die Vegetation äußern, wenn eine Aufschließung mit Schwefelsäure vorausgegangen ist. Versuche müssen aber erst darüber entscheiden, ob man nach der von mir vorgeschlagenen Darstellungsweise des schwefelsauren Knochenmehles auf 100 Pfd. Phosphorit mit 30 Pfd. concentririer Schwefelsäure ausreicht, oder ob man bis auf 55 Pfd. steigen muß. Will man die Aufschließung mit unverdünnter Schwefelsäure vornehmen, so wähle man einen luftigen Ort, damit man nicht durch die reichlich sich entbindenden Dämpfe von Kieselfluor belästigt werde. (Stöckhardt's Zeitschrift für deutsche Landwirthe, 1856, Heft 6.)

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