Titel: Apeldoorn's Maschine zum Spalten des Leders.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141, Nr. XIX. (S. 88–90)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/ar141019

XIX. Maschine zum Spalten des Leders, von Hrn. L. Apeldoorn zu Montmartre (Seine-Departement)

Aus Armengaud's Génie industriel, März 1856, S. 125.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Es ist bekannt, wie schwierig es ist Häute oder Leder, deren Dicke vermindert oder wenigstens dergestalt egalisirt werden soll, daß sie in ihrer ganzen Ausdehnung die gleiche Stärke darbieten, in zwei oder drei Theile zu spalten. Geschieht die Operation aus freier Hand, so hat man die Unannehmlichkeit, die ganze hinweggenommene Partie als beinahe werthlosen Abfall zu verlieren. Soll aber die Operation mit Hülfe einer Maschine auf eine regelmäßige und ökonomische Weise bewerkstelligt werden, so muß diese Maschine nicht nur äußerst genau construirt seyn, sondern sie muß auch so zu sagen mit der ganzen Intelligenz, welche ein aus freier Hand arbeitender Mann aufwendet, arbeiten. Angesichts der praktischen Schwierigkeiten, welche eine solche Arbeit hauptsächlich bei Leder von bedeutenden Dimensionen darbietet, hat der Erfinder es sich zur Aufgabe gemacht, durch die in Rede stehende Maschine die verschiedenen Mißstände, womit alle seither ausgeführten Systeme behaftet waren, zu vermeiden, und er hat auch diesen Zweck auf eine eigenthümliche Weise erreicht.

Fig. 9 stellt die Maschine15) in der vorderen Ansicht, Fig. 10 im senkrechten Durchschnitt nach der Linie 1–2 dar. Ein Theil des zu spaltenden Leders wird zuerst auf eine hölzerne Tafel B gespannt, welche man genau auf diejenige Höhe richtet, in welcher sie eine tangentiale |89| Lage gegen die untere Seite der Preßwalze C annimmt. Vorn und über der ganzen Länge der Maschine ist ein stählernes Messer D befestigt. E ist eine Leitschiene, welche zwischen sich und der Messerschneide nur den zum Durchgang des Leders nothwendigen Raum läßt. Dieser Zwischenraum läßt sich jedoch durch Höher- oder Tieferstellen der Schiene nach der Dicke des Leders reguliren. Die Preßwalze C, welche das Leder zugleich gegen den Rand der Leitschiene und gegen die Schneide des Messers drückt, ist so angeordnet, daß sie sich nach dem Gutdünken des die Maschine beaufsichtigenden Arbeiters von der Leitschiene entfernen oder derselben nähern läßt; sie besteht aus Messing, um das Leder nicht zu beschmutzen, und damit sie sich bei dem großen Druck, den sie auszuüben hat, nicht biegen kann, ist oberhalb derselben eine zweite sorgfältig abgedrehte gußeiserne Walze F von größerem Durchmesser angebracht. Diese Walzen sind übrigens mit eisernen Achsen durchzogen, welche über die Enden der Walzen hervorragend, als Umdrehungszapfen dienen. Beide Walzen sind in dem gußeisernen Gestell G gelagert und dieses läßt sich in den Trägern H mittelst der Schrauben e höher oder niedriger stellen, so daß die Walzen nach Erforderniß dem Leder genähert oder von demselben weiter entfernt werden können.

Nach der Seite hin und längs dem Gestell G sind die Glättvorrichtungen I angebracht, welche auf die Oberfläche des Leders zu liegen kommen, um, während dieses vorwärts gezogen wird, die Undulationen und Falten, welche verhindern würden daß sich das Leder der Messerschneide ganz eben darbietet, zurückzuschieben und zu glätten. Dieser Theil der Maschine ist vielleicht der wichtigste und zugleich der delicateste. Sobald nämlich das Leder, obgleich feucht, dem Messer keine ganz regelmäßige Fläche darbietet, und seine Dicke auf der ganzen Breite nicht die gleiche ist, so ist es sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich, die erwähnten Falten zu verhindern. Auch entstehen dadurch häufig Unfälle, welche mehr oder minder beträchtliche Verluste zur Folge haben. Diesen Uebelstand hat Hr. Apeldoorn durch ein System vermieden, welches das Leder nöthigt in der Nähe des Messers beständig gut angespannt zu seyn. Jene Glättvorrichtungen I thun demnach den Dienst einer Menschenhand, welche die Falten zurückzustreichen und die Oberfläche zu glätten strebt. Sie sind beweglich, d.h. mit Stahl- oder Kautschukfedern versehen, deren Spannung im Voraus regulirt wird, so daß sie sich auf den Trägern selbst, welche sie mit dem Gestell G verbinden, verschieben lassen. Erhebt man daher das letztere, um die Walzen von dem Leber zu entfernen, so gehen auch die Glättstücke mit in die Höhe.

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Das zu spaltende Leder wird, wie bereits erwähnt, auf die Tafel B gelegt, unter die Preßwalze C geführt und zwischen die Schneide des Messers D und die Kante der Schiene E geschoben. Da jedoch der Rand des Leders immer dünner als der übrige Theil ist, so läßt sich dasselbe, ohne geschnitten zu werden, bis zu der Peripherie der Walze I fortführen, was natürlich aus freier Hand geschehen muß. Die Walze I ist mit einem Einschnitt versehen, in den das Leder mittelst einer Schiene f eingeklemmt wird, die der Arbeiter herausnimmt, so oft er es für angemessen hält. Der Arbeiter läßt nun die ganze Preßvorrichtung auf das Messer und seine Führung herab, und setzt die Walze I in Bewegung, indem er den Treibriemen von der Leerrolle P' auf die an die Achse K befestigte Rolle P schiebt. Die Achse K enthält ein Getriebe L, welches in das Stirnrad M greift, das an der Achse der Walze I befestigt ist. Letztere dreht sich alsdann langsam und zieht das Leder nach sich, welches zwischen der Führung E stark gepreßt durch die Schneide des Messers D seiner ganzen Breite nach und zwar vollkommen regelmäßig und genau gespalten wird.

Soll die Maschine eingestellt werden, z.B. wenn der Cylinder I eine Umdrehung gemacht hat, so braucht der Arbeiter nur den Riemen von der festen auf die lose Rolle zu schieben. Wir haben oben erwähnt, daß die Leitschiene E so angeordnet ist, daß sie nach Erforderniß gehoben oder niedergelassen werden kann. Zu dem Ende ist sie um ein Scharnier drehbar und kann mit Hülfe der excentrischen Scheibe g und einer an dem Ende der Excentricumachse angebrachten Handhabe h gehoben oder niedergelassen werden. Mit ihr hebt und senkt sich zugleich die hölzerne Tafel B und das auf derselben ausgespannte Leder.

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Sie wurde am 22. Oktober 1853 in Frankreich patentirt.

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