Titel: Silbermann's neue Druckmethode für Erd- oder Himmelsgloben.
Autor: Silbermann, Joseph
Fundstelle: 1856, Band 141, Nr. XXI. (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/ar141021

XXI. Neue Druckmethode für Erd- oder Himmelsgloben und Flächen jeder Art, welche sich Joseph Silbermann jun. zu Paris, am 21. Mai 1855 für England patentiren ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, März 1856, S. 225.

Meine Erfindung betrifft eine neue Methode, krumme oder ebene Flächen jeder Art zu bedrucken, und gründet sich auf das Princip daß der Druck, welcher auf eine eingeschlossene tropfbare oder gasförmige Flüssigkeit ausgeübt wird, sich gleichmäßig nach allen Punkten der inneren Fläche des einschließenden Gefäßes fortpflanzt, was immer für eine Gestalt das letztere haben möge.

Diese Druckmethode ist in verschiedenen Industriezweigen anwendbar; z.B. zum Bedrucken von Erd- oder Himmelsgloben jeder Dimension. Zu diesem Zweck bediene ich mich zweier kupferner oder stählerner Halbkugeln, deren innere Fläche die betreffende Zeichnung gravirt enthält. Nach erfolgtem Schwärzen stecke ich durch die Polaröffnung einer der beiden Halbkugeln den zu bedruckenden Globus, welcher aus Kautschuk, Gutta-percha, Goldschlägerhaut etc. bestehen kann, und adjustire dann beide Halbkugeln.

Ist der Globus auf diese Weise im Innern der gravirten Kugel befestigt, so blase ich ihn mittelst comprimirter Luft oder Dampf auf, bis er sich gegen die gravirten und geschwärzten Wände der hohlen Kugel mit der geeigneten Pressung anlegt, so daß ein guter Abdruck entsteht, worauf ich beide Halbkugeln von einander trenne, reinige und zu einem neuen Abdruck vorbereite. Diese Globen haben neben der größeren Wohlfeilheit noch den Vortheil, daß sie zusammengeklappt in einem Taschenbuch mitgeführt werden können.

Zum Bedrucken ebener Flächen kann der beschriebene Druckproceß gleichfalls mit großem Vortheil angewandt werden. Der Apparat dazu ist eine Büchse oder ein Behälter von einer harten Substanz, dessen eine Seite aus vulcanisirtem Kautschuk besteht. Dieser Behälter ist mit Luft, Gas oder einer tropfbaren Flüssigkeit gefüllt, und der nöthige Druck wird mittelst einer hydraulischen Presse oder mittelst comprimirter Luft oder auch gespannten Wasserdampfs hervorgebracht. Nachdem die gravirte Platte geschwärzt und der zu bedruckende Stoff auf dieselbe gehörig gelegt worden ist, bringe ich ihn mit dem elastischen Theil des Behälters |93| in feste Verbindung. Dann öffne ich einen Hahn und lasse comprimirte Luft oder Dampf in den Apparat strömen. Das Bedrucken erfolgt sofort an allen Stellen der Oberfläche mit vollkommener Gleichförmigkeit.

Die beschriebene Procedur läßt sich nicht nur auf den Kupferdruck in beliebigen Farben, sondern auch auf Verzierung von Gläsern, Flaschen u.s.w. anwenden. Zu letzterm Zweck werden die nämlichen Formen, welche beim Blasen dieser Gefäße in Anwendung kommen, vorher gravirt und mit unzerstörbaren Farben wie sie beim Malen auf Porzellan gebräuchlich sind, versehen.

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