Titel: Dubois, über das Vorkommen des Iridiums im californischen Golde.
Autor: Dubois, Henry
Fundstelle: 1856, Band 141, Nr. XXVI. (S. 109–112)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/ar141026

XXVI. Ueber das Vorkommen des Iridiums im californischen Golde; von Hrn. Henry Dubois, Civilingenieur in London.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Januar 1856, S. 31.

Seit dem Jahre 1850 bemerkten die Probirer der Bank von England, daß das Gold aus Californien Iridium enthält, und die Bank faßte alsdann den Beschluß, solches Gold, wenn auch nur Spuren von Iridium darin vorkommen, zurückzuweisen. Diese Maaßregel wurde allgemein auf alle in Amerika geprägten Goldmünzen ausgedehnt. Dieß veranlaßte von Seiten des Directors der Münze zu Philadelphia lebhafte Reclamationen, und im December 1852 schrieb derselbe an den Director der Bank von England, daß er sich über die absolute Ausschließung ihrer Goldmünzen, unter dem Vorwande daß sie Spuren von Iridium enthalten, um so mehr wundern müsse, als er seit dem October 1851 in der Münze zu Philadelphia ein Verfahren das Iridium aus dem Golde abzusondern, eingeführt habe. Dieses Verfahren bestehe darin, die specifische Schwere des Iridiums zu benutzen, welche größer als die des Goldes ist, daher sich das Iridium am Boden des Tiegels ansammle, wenn das Gold geschmolzen ist. Behufs des Gießens werde das Gold vorsichtig aus dem Tiegel ausgeschöpft, so daß man dem Tiegelboden nicht zu nahe komme. Das am Boden des Tiegels verbleibende Gold enthalte viel Iridium; man löse es besonders in Königswasser auf, wobei das Iridium als Rückstand erhalten werde.

Dieses Verfahren, welches der Director der Münze zu Philadelphia als völlig wirksam betrachtete und welches auf alles in Philadelphia geprägte |110| oder affinirte Gold angewendet wurde, verhindert gleichwohl nicht, daß die Bank noch gegenwärtig viel von Philadelphia kommendes Gold als iridiumhaltig zurückweist. Dieses Gold erleidet eine Werthsverminderung von 4 Pence per Unze und wird mir zum nochmaligen Affiniren geschickt. Dadurch wurde ich veranlaßt, mich mit diesem Gegenstand näher zu beschäftigen.

Die Gegenwart des Iridiums im Golde veranlaßt Schwierigkeiten beim Vermünzen und auch bei der sonstigen Verarbeitung des Goldes. Das Iridium ist bei der Hitze, bei welcher man das Gold schmilzt, unschmelzbar und legirt sich nicht mit dem Golde, worin man es in Form kleiner Körner findet, welche bis 40 Milligramme wiegen; sie bringen an den Münzen und namentlich an den Schmuckwaaren fehlerhafte Stellen hervor.

Besonders bei den Affiniroperationen hat aber die Gegenwart des Iridiums im Golde eine große Wichtigkeit. Ich habe mich durch lange fortgesetzte Versuche überzeugt, daß es nicht nur unmöglich ist den Gehalt des iridiumhaltigen Goldes genau zu bestimmen, sondern auch, daß ein Probirplättchen bis 10 Milligr. Iridium enthalten kann, ohne daß dieses sichtbar ist, in welchem Falle der Goldgehalt um 20 Tausendtheile zu groß gefunden wird, da man die Probe mit 1/2 Grm. macht.

Andererseits ergaben mir nicht weniger positive Erfahrungen, daß, obschon das gewöhnliche Affinirverfahren das Gold nicht von Iridium befreit (weil dieses Metall in Schwefelsäure ganz unlöslich ist), es gleichwohl einen großen Theil desselben vom Golde wegnimmt, so daß die Affineure Iridium für Gold erhalten und den größeren Theil desselben in dem Gekrätz lassen, was für sie nothwendig Verlust veranlaßt.

Es ist mir gelungen, ein ganz einfaches Verfahren zu ermitteln, um das Iridium, ohne Kostenvermehrung, aus jeder Quantität Gold auszuziehen, welche affinirt werden soll. Wenn man erkannt hat, daß eine Portion zu affinirenden Goldes Iridium enthält, so legirt man dieselbe mit dem dreifachen Gewicht Silber, wie gewöhnlich. Bevor man jedoch die Legirung granulirt, läßt man sie im geschmolzenen Zustande etwa 15 Minuten lang stehen. Da nun das Iridium, dessen spec. Gewicht 19 ist, sich in kleinen unschmelzbaren Blättchen in einer Legirung befindet, deren spec. Gewicht nur 12 bis 13 ist, so sinkt es auf den Boden des Tiegels, so daß, wenn man die ganze Masse erkalten ließe und den erhaltenen Metallklumpen nachher an verschiedenen Stellen seiner Höhe untersuchte, man finden würde, daß alles Iridium im untersten Theile sey, und daß in etwa 1 Zoll Abstand vom untersten Ende keine Spur von Iridium mehr sich vorfinde. Nachdem der Tiegel die besagte Zeit |111| lang ruhig gestanden hat, wird die Legirung granulirt, wobei man besorgt ist dieselbe nicht vom Boden des Tiegels auszuschöpfen, sondern man läßt von ihr 4 bis 5 Kilogr. im Tiegel zurück und beschickt ihn nun aufs neue. In dieser Weise fährt man fort, indem man den Tiegel nach jedem neuen Schmelzen 15 Minuten lang stehen läßt, damit das Iridium sich zu Boden setzt und beim Ausschöpfen behufs des Granulirens 4 bis 5 Kilogr. der Masse auf dem Boden des Tiegels zurückläßt. In dieser Masse ist nun alles Iridium enthalten. Man schmilzt sie wieder mit ungefähr 30 Kilogr. Silber, rührt die Mischung gut um, läßt 15 Minuten lang stehen, und schöpft dann wieder die obere Portion mit einem Löffel aus, so daß wieder der untere 4 bis 5 Kilogr. betragende Theil im Tiegel zurückbleibt. Diesen schmilzt man wieder mit 30 Kilogr. Silber u.s.f., und wiederholt dieselbe Procedur noch drei bis vier Mal, so daß man zuletzt am Boden des Tiegels eine Masse übrig hat, die alles Iridium, aber nur einige Tausendtheile Gold enthält. Indem man diese in einem Platingefäße mit Schwefelsäure auflöst, erhält man das Iridium als Rückstand. Es ist mit einigen Goldpartikeln gemengt, aber dieses Gold ist so zertheilt und leicht, daß man es ihm durch bloßes Schlämmen leicht entziehen kann.

20,000 Unzen (622 Kilogr.) californisches Gold gaben nach diesem Verfahren 21 Unzen (653 Grm.) Iridium, also etwas mehr als einen Tausendtheil. Seit ungefähr acht Monaten, wo ich dieses Verfahren anwende, habe ich 3 1/2 Kilogr. Iridium aus dem Golde ausgezogen.

Man wird nun leicht einsehen, daß das gewöhnliche Affinirverfahren dem Golde einen Theil des Iridiums entzieht. Nachdem das Gold mit seinem dreifachen Gewicht Silber legirt ist, sinkt das Iridium, wie wir gesehen haben, auf den Boden des Tiegels, und da der Löffel, mit welchem man zum Granuliren ausschöpft, nicht bis zum Boden des Tiegels geht, so bleibt das Iridium daselbst und sammelt sich bei jeder Operation an. Wenn man am Ende der Arbeit den Tiegel gänzlich zu entleeren sucht, indem man ihn über der Granulirtonne umstülpt, so bleibt in dem Tiegel eine teigartige Masse hängen, welche eine an Iridium sehr reiche Legirung von Gold und Silber ist und die in das Gekrätz übergeht. Es ergibt sich hieraus für den Affineur ein Abgang, da das Iridium für Gold genommen wird.

Wenn man das Gold nicht in Barren, sondern in Pulver empfängt, so muß das Verfahren um das Iridium auszuziehen, abgeändert werden. Während der Schmelzung des Pulvers mit dem Fluß (Gemenge von Potasche und Kochsalz) wird der größte Theil des Iridiums mechanisch in die Schlacke geführt, und indem man diese wieder schmilzt, erhält man |112| einen sehr mit Iridium beladenen Goldklumpen, während die Barren nur unbedeutende Spuren von Iridium enthalten. Man behandelt diesen Klumpen für sich in der vorstehend angegebenen Weise.

In London erleidet das Gold, wenn es iridiumhaltig erkannt wird, eine Preisverringerung von 4 Pence per Unze, d.h. von 4,3 pro Tausend, oder von 15 Francs pro Kilogramm. In Paris hatte das iridiumhaltige Gold bisher keine Preisverringerung erlitten, aber meine vorstehend mitgetheilten Versuche, deren Ergebnisse in der Affiniranstalt von Poisat bestätigt wurden, erklären den Goldabgang, welcher sich seit einiger Zeit ergab; auch hat Poisat den Preis des Affinirens bei dem californischen Golde pro Kilogramm von 6 auf 12 Francs erhöht.

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