Titel: Ueber die Entdeckung des Strychnins bei Vergiftungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 11 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi01_11

Ueber die Entdeckung des Strychnins bei Vergiftungen.

Durch die große und traurige Rolle welche das Strychnin, besonders in England, in letzter Zeit gespielt hat, wurde vielfach die Frage angeregt ob das Strychnin mit Sicherheit zu entdecken sey, oder ob es unter gewissen Umständen der Nachforschung entzogen werden könne? Als Chemiker der General Apothecaries Company in London hatte ich mich unter andern vielfach mit Untersuchung dieser Fragen zu beschäftigen, und gestützt auf die hiedurch gewonnenen Erfahrungen halte ich dafür, daß bei geeignetem Verfahren das Strychnin dem Chemiker nie verborgen bleiben könne. Die Entdeckung demselben beruht nach Otto hauptsächlich auf der Erzeugung einer intensiven violetten Färbung bei auf einander folgender Behandlung der zu untersuchenden Substanz mit einigen Tropfen concentrirter Schwefelsäure und einem kleinen Krystall von rothem chromsauren Kali. In der Times machte nun kürzlich jemand die Bemerkung, daß durch Antimon (dasselbe war mit Brechweinstein angewendet worden) die Entdeckung des Strychnins verhindert werde. Ich habe indessen gefunden, daß unter keinen Umständen durch Antimon die Erzeugung der violetten Farbe verhindert werde, wohl aber durch Weinsteinsäure und durch jede Verbindung der Weinsteinsäure mit andern Körpern, wie z.B. Breche Weinstein, sowie deren Lösung in Wasser, Alkohol oder Aether. Wird jedoch die auf Strychnin zu untersuchende Substanz eine halbe Stunde lang mit concentrirter Schwefelsäure gelinde erwärmt, hierauf mit kohlensaurem Kali neutralisirt und die Lösung bis zur Trockne verdampft, so wird bei der Behandlung des trockenen Pulvers mit Chloroform bloß das Strychnin in Lösung erhalten, indem alle Weinstein säure durch die Schwefelsäure zerstört worden ist. Nach dem Verdunsten des Chloroforms kann sofort mittelst Schwefelsäure und chromsaurem Kali die violette Färbung erzeugt und somit das Strychnin entdeckt werden. Heinrich v. Sicherer. (Beilage zu Nr. 189 der Allgem. Zeitung.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: