Titel: Eigenthümliche Verwendung der spinnreifen Raupen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 11 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi02_11

Eigenthümliche Verwendung der spinnreifen Raupen.

Das westphälisch-rheinische Vereinsblatt für Bienenzucht und Seidenbau enthält die interessante Notiz, daß die unter dem Namen „englisches Gras“ im Handel vorkommenden, feinen Darmsaiten ähnlichen Fäden für Fischangeln und dergl., aus dem Seidendarme der spinnreifen Raupe bereitet werden. Diese Fäden haben ein weißes silberglänzendes Ansehen, werden aus China, Italien und Spanien bezogen, man bezahlt sie gewöhnlich à Stück mit einem Groschen Die spanischen sollen die besten seyn. Nach jener Notiz verfährt man bei der Bereitung folgendermaßen:

Man lege eine Anzahl der besten und längsten Seidenraupen, zur Zeit der vollkommenen Spinnreife, in starken Weinessig, nicht in Weingeist, und decke das Gefäß während 12 Stunden fest zu. Nachdem die Raupen 12 Stunden der Einwirkung des Essigs ausgesetzt gewesen, bricht man mit dem Finger den mürbe gewordenen Rüffel ab, worauf sogleich oder nach einem leisen Drucke auf den Hals die beiden hellglänzenden goldgelben Seidendrüsen aus dem Kopfe hervorquellen; man läßt sie in ein Gefäß mit reinem Wasser fallen, während man die übrigen Theile der Raupe als unbrauchbar wegwirft. Nachdem man die beiden Enden der schlauchartigen Drüse zwischen Zeigefinger und Daumen gefaßt, zieht man langsam das Spinnorgan zur gehörigen Länge aus (wahrscheinlich unter Drehen und Kneten, Ref.), welche jedoch nie 4 Fuß überschreiten kann. Nach der Einweichung in Essig lassen sich die Spinngefäße und die übrigen Theile im Innern der Raupe ohne alle Schwierigkeiten anatomisch darstellen. (Württembergisches Wochenblatt für Landwirtschaft, 1856, Nr. 19.)

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