Titel: Ueber das Schweißen des englischen Gußstahls; von C. Hustig in Chemnitz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 3 (S. 155–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi02_3

Ueber das Schweißen des englischen Gußstahls; von C. Hustig in Chemnitz.

Um englischen Gußstahl schweißen zu können, hatte man bis jetzt nur eine Methode. Man wendet, wie bekannt, hierzu den Borax an, weil derselbe sehr leicht bindet, auch der zu schweißende Stahl keine allzu starke Erwärmung erfordert, welche sehr nachtheilig auf denselben einwirkt. Da dieses Verfahren sehr kostspielig ist (das Pfund Borax kostet 8 bis 10 Ngr.), so hat man darauf gedacht, ein billigeres Verfahren ausfindig zu machen. Darauf hin kam vor kürzerer Zeit in einer Sitzung der technischen Deputation des Chemnitzer Handwerkervereins dieser Gegenstand zur Sprache, bei welcher Gelegenheit ein Mitglied die Mittheilung machte, daß man bei dem Schweißen den sogenannten Mauermörtel anwenden könne, welches Mittel der hiesige Uhrgehäusemacher, Hr. Hilscher, gebrauche. Nach dieser Methode wurden mehrere Versuche von einigen Mitgliedern gemacht, welche aber leider nicht zur Zufriedenheit ausfielen. Da man vermuthete, daß der Grund des Mißlingens vielleicht bloß in dem nicht ganz richtigen Verfahren liege, so beschloß man, eine Deputation zu ernennen, welche sich zu Hrn. Hilscher begeben möge, um sich genau von dessen Verfahrungsweise zu überzeugen.

|156|

Das Verfahren und das Ergebniß war nun folgendes: Der erste Versuch, der gemacht wurde, bezweckte, ein Stück englischen Stahl auf Eisen zu schweißen. Hr. Hilscher bereitete sich hierzu vorerst den dazu erforderlichen Mörtel. Der geeignetste ist der, welchen man gewöhnlich an Gebäuden findet, ein mehr lehmiger als sandiger, besser und vortheilhafter möchte vielleicht ein recht gut ausgetrockneter Lehm, mit etwas Kalk vermischt, seyn. Derselbe wurde fein gepulvert Nun erwärmte man das aufzuschweißende Stückchen Stahl und schröpfte es, d.h. man hieb mittelst des Schrotbeils kleine Häkchen von der hohen Kante ein Dieß geschah deßhalb, damit der Stahl am Eisen haften blieb. Hierauf kühlte man ihn in Wasser ab, wobei er jedoch nicht mehr rothwarm erscheinen darf, weil er außerdem beim Aufheften zerspringen würde. Hierauf wurde das zu verstählende Eisen erwärmt, der geschröfte und abgekühlte Stahl auf das Eisen gelegt und mittelst eines starken Schlages aufgeheftet. Dann brachte man das mit Stahl belegte Eisen in das Feuer. Dabei war darauf zu sehen, daß das Feuer recht gleichmäßig warm erhalten wurde; übrigens wurde eben so verfahren, wie beim Schweißen mittelst Anwendung des Boraxes, nämlich so, daß man den Gegenstand nicht zu nahe an die Windform bringt, der Stahl stets nach oben gerichtet liegt, auch oberhalb von Kohlen nur wenig bedeckt ist, damit man ihn stets sehen kann und das Eisen eine größere Erwärmung als der Stahl bekommt. Als nun eine etwas starke Rothglühhitze erreicht war, fing man an, den Mörtel auf dem Stahl im Feuer zu streuen, jedoch in größerer Quantität, als man Borax braucht. Als nun der Gegenstand die Weißglühhitze (gelinde Schweißhitze) erreicht hatte, brachte man das zu verstählende Stück aus dem Feuer auf den Amboß und schlug anfangs ganz leicht und schnell, dann aber stärker; auch stauchte man den Gegenstand von vorn ein, um dadurch den Stahl dichter zu erhalten und besser zu binden. Unterläßt man dieß, so bekommt man sehr leicht Risse im Stahl, und zwar deßhalb, weil das Eisen sich mehr ausdehnt, als der Stahl, besonders wenn ersteres stärker ist (hier war beides ziemlich gleich stark). Da der Stahl weniger nachgibt, als das Eisen, so fängt er an, da er Spannung bekommt. zu reißen oder, so zu sagen, zu brechen; durch das Einstauchen aber läßt das Eisen sich leichter zurückdrängen als der Stahl und wird dadurch das Entstehen von Rissen verhindert. Auch muß man, wenn der Stahl geschweißt ist, den noch darauf liegenden Mörtel, welcher ein krustenartiges, Hammerschlagähnliches Ansehen angenommen hat, entfernen, um eine glatte Oberfläche zu erhalten.

Zum Verstählen von Gegenständen, bei denen der Stahl nicht zu lang auf dem Eisen liegt, z.B. bei Bohrern, Meißeln, Hobeleisen, Stemmeisen u.s.w., ist das beschriebene Verfahren sehr zweckmäßig und empfehlenswert. Auch bei Gegenständen, bei welchen ein größeres und längeres Auflegen des Stahls erforderlich ist, ist dasselbe vielleicht von Nutzen; doch dürfte man hier deßhalb auf Schwierigkeiten stoßen, weil ein starkes Ausstrecken (Verlängern) so viel als möglich vermieden werden muß: besonders möchte hierbei mehr die Hammerfinne (Schmalhammer) auf der Seite, wo der Stahl liegt, anzuwenden seyn, damit derselbe sich mehr ausdehne und dadurch das Entstehen von Rissen verhindert würde.

Ein zweiter Versuch wurde zu dem Zwecke angestellt, Stahl auf Stahl zu schweißen. Man legte zwei Stücke Stahl über einander und verfuhr auf dieselbe Weise, wie bei dem ersten Versuche. Beide geschweißten Stücke wurden hierauf zerbrochen und von der Deputation als völlig gut geschweißt, das Resultat der Versuche also als vollkommen befriedigend, anerkannt. Bei den geschweißten Stahlstücken zeigte sich auf dem Bruche ein etwas gröberes Ansehen, als der Stahl vor dem Schweißen hatte; dieß kann jedoch dadurch beseitigt werden, daß man den geschweißten Stahl, wenn er noch etwas rothwarm ist, bei länger anhaltendem Schmieden unter Aufspritzen von Wasser abhämmert. Dadurch wird er eines Theils glätter, anderen Theils dichter und feiner. Dieses Verfahren ist auch bei dem Vermählen zu empfehlen.

Wenn man früher annahm, daß bloß Holzkohlenfeuer beim Schweißen des Stahls anwendbar sey, so hat die Erfahrung doch gelehrt, daß es bei dieser neuen Methode mittelst Mörtel gleichgültig ist, ob man Steinkohlen- oder Holzkohlen- oder auch Kohksfeuer anwendet; letztere zwei gemischt, haben sich am vortheilhaftesten bewahrt. Auch sind später nach diesem Verfahren von einigen, Mitgliedern der |157| technischen Deputation Versuche angestellt worden, welche, wie die vorgelegten Proben zeigten, zu einem gleich günstigen Resultate geführt haben. (Polytechn. Centralblatt, 1856, S. 693.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: