Titel: Der Suez-Canal.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 1 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi03_1

Der Suez-Canal.

Die internationale Commission, welcher die Aufgabe gestellt war, die verschiedenen Plane für die Herstellung einer Schifffahrtsverbindung zwischen dem mittelländischen und rothen Meer an Ort und Stelle zu prüfen und sodann ihre Ansichten über die beste Art der Lösung dieses Problems auszusprechen34), hat ihren Bericht nunmehr erstattet. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen sind folgende:

1) Die Commission verwirft das System einer indirecten Schifffahrtslinie durch Aegypten und erklärt sich für eine directe Durchstechung der Landenge von Suez.

2) Sie verwirft ebenso den Vorschlag, den Canal zur Verbindung beider Meere durch die Gewässer des Nils zu speisen, und schlägt die Speisung desselben von der See her vor.

3) Sie hat die Vortheile und Uebelstände eines Canals mit fortlaufenden Dämmen gegen einander abgewogen und sich dafür entschieden, da, wo er durch die bitteren Seen sich hinzieht, keine Eindämmung vorzunehmen.

4) Da schon das Uneingedämmtlassen der sich dazwischen reihenden bitteren Seen das Anströmen der Fluth zu mildern geeignet seyn wird, so hat die Commission die Anlegung von Schleusen an den beiden Mündungen des Canals, zu Suez und Pelusium, nicht für durchaus nothwendig erachtet) sie macht indessen den Vorbehalt, daß, wenn diese Schleusen sich dennoch als unerläßlich erweisen sollten, später auf deren Ausführung zurückzukommen seyn würde.

5) Für die Breite der Wasserlinie auf der 20 Kilometer langen Strecke des Canals zwischen Suez und den bitteren Seen, welche mit Steinen auszufüttern ist, |235| hat sie 100 Meter und für die Bodenfläche auf derselben Strecke 66 Meter beibehalten; in der übrigen Ausdehnung des Canals aber hat sie die Breite der Wasserlinie auf 80 und die der Bodenfläche auf 18 Meter herabgesetzt.

6) Das Profil des Vorentwurfs der Ingenieure des Vicekönigs ist übrigens beibehalten worden.

7) Für den Hafen von Said an der Mündung ins Mittelmeer nimmt die Commission das Molenproject an, welches von denjenigen ihrer Mitglieder, die in Aegypten gewesen sind, vorgeschlagen worden ist; sie proponirt jedoch für die Einfahrt nur eine Breite von 400 statt 500 Metern und empfiehlt die Hinzufügung eines Hinteren Bassins.

8) Ebenso billigt sie den für den Hafen von Suez am rothen Meer vorgeschlagenen Plan, reducirt aber wieder die Breite der Einfahrt um 100 Meter, von 400 auf 300, und empfiehlt dort ebenfalls die Anlegung eines Hinteren Bassins.

Endlich hat aus den genauen Mittheilungen der in der (Kommission befindlichen Marine-Officiere, namentlich des Capitäns Harris, der die Fahrt von Suez nach Ostindien siebenzigmal gemacht, sich ergeben, daß die Schifffahrt auf dem rothen Meer nicht schwieriger ist, als auf dem mittelländischen und dem adriatischen Meer. (Eisenbahnzeitung, 1856, Nr. 28.)

|234|

Man vergl. polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 234.

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