Titel: Analyse der bei der Läuterung des Runkelrübensaftes sich ausscheidenden Masse und der aus Rübenmasse gewonnenen Potasche; von Ducastel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 9 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi03_9
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Analyse der bei der Läuterung des Runkelrübensaftes sich ausscheidenden Masse und der aus Rübenmasse gewonnenen Potasche; von Ducastel.

Die bei der Läuterung der Runkelrübenmelasse mittelst Kalk sich ausscheidenden Massen, welche in Frankreich, namentlich im Norddepartement, zu dem Preise von 60 Centimen pro 100 Kilogrm. an Landwirthe verkauft werden, hat Ducastel analysirt. Die Analysen haben ergeben:

Wasser 59,15
Organische Stoffe (worunter wenig Zucker und
Pflanzenfaser und viel Eiweiß)

21,85
Unorganische Stoffe (viel Kalk, wenig Phosphorsäure,
Eisenoxyd und Thonerde)

19,00
––––––
100,00

Den Stickstoffgehalt fand er = 0,5805 Proc. in der feuchten oder = 1,421 Proc. in der bei 100° C. getrockneten Masse.

Die bei der Rübenzuckerfabrication sich ergebende Melasse wird zum Theil in besonderen Fabriken zur Weingeistgewinnung benutzt. In diesen Fabriken verdünnt man die aus den Zuckerfabriken bezogenen Melassen, welche gewöhnlich eine Dichte von 40° B. haben, mit Wasser bis auf 8–10° V. Die so erhaltene Flüssigkeit wird angesäuert, mit Bierhefe versetzt und in hölzernen Kufen welche im Mittel 100 Hektoliter fassen, gähren gelassen. Nach der Gährung, die gewöhnlich 60 Stunden dauert, wird der Weingeist in einem Apparate mit continuirlichem Betriebe abdestillirt. Die dabei zurückbleibende Schlampe wird in Pfannen abgedampft, bis der Rückstand syrupartig geworden ist und eine Dichte von 50–55° B. besitzt. Die so weit abgedampfte Masse läßt man in einen zum Rothglühen erhitzten Flammofen laufen, in welchem das noch vorhandene Wasser verdampft und die organischen Stoffe unter Entwickelung brennbarer Gase verkohlt werden Wenn an der Oberfläche der Masse keine Flammen mehr entstehen, zieht man dieselbe mit eisernen Krücken aus dem Ofen heraus und bildet daraus einen Haufen verschiedener Größe, worauf das Ganze 8–10 Tage lang langsam zu brennen fortfährt. Nach Verlauf dieser Zeit ist die erkaltete Masse voller Höhlungen und von schwärzlicher Farbe mit weißen Stellen an der Oberfläche; sie bildet nun das Product, welches man Salin nennt. Bei einer Analyse dieser Masse fand Ducastel folgende Zusammensetzung:

Kohle und Kieselsäure 7,75 Kohlensaures Kali 31,68
Kohlensaurer Kalk 16,15 Schwefelsaures Kali 1,33
Eisenoxyd und Thonerde 7,35 Schwefelsauren Kalk 2,97
Kohlensaure Talkerde 2,13 Kohlensaures Natron 1,76
Schwefelcalcium 7,12 Wasser 10,68
Chlorkalium 12,28 ––––––
100,00.

Diese Masse, welche zum Preise von 40–50 Francs pro 100 Kilogr. verkauft wird, kann direct nicht in der Industrie angewendet werden, sondern bedarf der Reinigung. In manchen Fabriken führt man diese Reinigung bloß auf die Weise aus, daß man die Masse mit Wasser auslaugt und die Lauge in eisenblechernen Pfannen zur Trockne verdampft. Man gewinnt dadurch 45 bis 60 Proc. vom Gewichte der Masse an Potasche, die 55 bis 60° am Alkalimeter zeigt. Der Verf. fand in einer solchen Potasche:

Kohlensaures Kali 67,20
Chlorkalium 26,09
Schwefelsaures Kali 2,91
Kohlensaures Natron 3,80
––––––
100,00.

In diesem Zustande verwendet man die Rübenpotasche zur Schmierseife etc. und verkauft sie zu 80 bis 85 Fr. pro 100 Kilogr.

In anderen Fabriken findet eine vollständigere Reinigung statt. Man bereitet aus der rohen Masse durch Auslaugen eine Lösung von 19 bis 20° B., und läßt daraus durch intermittirendes Abdampfen die verschiedenen Salze sich ausscheiden, wobei man dreierlei Producte gewinnt, nämlich schwefelsaures Kali, Chlorkalium und kohlensaures Kali. Das letztere Salz gewinnt man, indem man die Mutterlauge der beiden ersteren zur Trockne verdampft. (Polytechn. Centralblatt, 1856, S. 762.)

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