Titel: Ueber die, der Bogheadkohle ähnliche bituminöse Georgs-Kohle zur Leuchtgasbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 4 (S. 314–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi04_4

Ueber die, der Bogheadkohle ähnliche bituminöse Georgs-Kohle zur Leuchtgasbereitung.

Dem nachfolgenden Bericht von Dr. Fyfe erlaube ich mir einige Mittheilungen vorangehen zu lassen.

Bald nachdem die Boghead-Kohle ihren bedeutenden Ruf sich erworben hatte, ließ ich es mir angelegen seyn, ein ähnliches derartiges Material für unsere deutschen Gasfabriken auf dem Continent zu fördern.

Meine Bemühungen blieben lange ohne Erfolg, denn die in Deutschland gewöhnlich vorkommenden Blätter- und Lias-Schiefer sind durch die Versuche, welche verschiedene Continental-Gas-Anstalten im Großen damit anstellen, als unbrauchbar erklärt, indem diese Schiefer zu viel Sauerstoff und Schwefel enthalten. Meine ferneren Forschungen entdeckten endlich doch in der Grube Georg bei Dierdorf, Kreis Neuwied, was ich zu finden hoffte, und wurde diese Grube von der Commandit-Gesellschaft für Bergbau, Mineralöl und Paraffinkerzen-Fabrication, Firma: Paul Wagenmann und Comp. angekauft. Das in der Grube Georg vorkommende Material ist ein schwefelarmes, sehr wasserstoff- und bitumenreiches Material.

Mehrere englische Gascompagnien und englische Gas-Ingenieure sprachen sich bei Ansicht und Untersuchung der Georgs-Kohle bei mir darüber aus, daß dieselbe |315| mit der Boghead-Kohle in ihren ausgezeichneten Eigenschaften viele Aehnlichkeit zeige.

Wenn in dem nachstehenden Berichte die Quantität und das specifische Gewicht des Gases etwas niedrig erscheint, so liegt es daran, daß bei der Probe noch zu viel der Kohle Nr. 1 beigemischt war, welche beim regelmäßigen Betriebe der Grube ganz verschwinden wird; diese Kohle Nr. 1 ist braunkohlenartig und enthält wenig Bitumen und glaube ich die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß sich die Qualität unserer Georgs-Kohle bei regelmäßiger Förderung so heraustellen wird, daß sie der Boghead-Kohle (Torbane) auch in Quantität und spec. Gewicht des Gases, welches sie liefert, gleichkommt.

Es steht so zu sagen schon fest, daß keine bis jetzt bekannte derartige Grube in Deutschland ein so vorzügliches Material fördert, wie das der Grube Georg, und ist demnach nicht zu zweifeln, daß dasselbe sich in kurzer Zeit Eingang auf den Weltmarkt verschaffen wird.

Ich stehe zu jeden näheren Aufschlüssen gerne bereit, und hoffe bald die Resultate der Versuche, welche augenblicklich in verschiedenen Londoner Gasfabriken gemacht werden, veröffentlichen zu können.

Bonn, Juli 1856.

Paul Wagenmann, Civilingenieur.

Nachdem ich die bituminöse Georgs-Kohle einer chemischen Untersuchung zur Bestimmung ihres Werthes für die Gaserzeugung unterworfen habe, kann ich folgenden Bericht darüber erstatten: Die Stücke haben sehr verschiedenes Ansehen und Structur, einige gleichen dem Torf, sind leicht zu brechen und können mit dem Messer geschnitten werden, andere sind viel härter und dunkler, lassen sich in dünne Lagen spalten und eben so leicht mit einem Messer schneiden und zeigen dann eine glänzende Oberfläche. Außerdem finden sich Stücke von blasser Farbe, gewissen Thonarten ähnlich, auch spaltbar, leicht schneidbar und eine glänzende Oberfläche zeigend; diese letzteren haben wenig Aehnlichkeit mit den ersteren; ich benenne die verschiedenen Sorten 1, 2, 3, übereinstimmend mit der ersten, zweiten und dritten Sorte. Das spec, Gewicht der verschiedenen Stücke variirt beträchtlich. Das von Nr. 1 variirt zwischen 940 und 1120, Wasser zu 1000 angenommen, das von Nr. 2 von 960 bis 1056, das von Nr. 3 von 816 bis 985. Die beiden ersten schwimmen auf dem Wasser, sinken aber leicht unter; Nr. 3 bleibt schwimmend. Die Stücke sind nicht sehr verschieden in den flüchtigen Bestandtheilen, welche sie liefern, aber die Zusammensetzung der Kohks differirt beträchtlich in Betreff ihres Gehaltes an Kohlenstoff und Asche. Folgendes sind die Resultate der Untersuchung:

Nr. 1. Flüchtige Bestandtheile 62,4 Feuchtigkeit
Gasige Producte
20
42,4
Kohks 37,6 Kohle
Asche
30,6
7
Nr. 2. Flüchtige Bestandtheile 66,7 Feuchtigkeit
Gasige Producte
16,2
50,5
Kohks 33,3 Kohle
Asche
9,3
24
Nr. 3. Flüchtige Bestandtheile 71,4 Feuchtigkeit
Gasige Producte
19
52,1
Kohks 28,9 Kohle
Asche
10
18,9

Die Quantität des Schwefels überschreitet etwas diejenige, welche gewöhnlich in schottischer bituminöser Kohle vorhanden ist. Bei der Durchschnitts-Untersuchung sind annähernd 2 Proc. gefunden worden. Abgesehen von der verschiedenen Zusammensetzung der Stücke, sind die Resultate, welche in Beziehung auf die Bestimmung des Werthes dieses Artikels für die Gaserzeugung sich ergeben haben, sehr befriedigend. Die Versuche wurden bei Anwendung verschiedener Hitzegrade und unverändertem Gebrauch der verschiedenen Stücke gemacht. Bei einer Temperatur unter derjenigen, welche gewöhnlich in Gaswerken angewendet wird, war die Gasmenge zwischen 9 bis 10000 Kubikfuß per Tonne. Dasselbe war der Fall, wenn die Temperatur durchschnittlich höher war. Mit einer Hitze, welche gewöhnlich angewendet wird, um |316| schottische Cannelkohle zu verarbeiten, blieb sich die Quantität ziemlich gleich. Ein Gemisch der verschiedenen Stücke bei mehreren Versuchen gab im Durchschnitt 10563 Kubikfuß per Tonne (20 Cntr.). Nach der Reinigung auf dem gewöhnlichen Wege gab die Tonne 640 Pfd. Kohks. Das spec. Gewicht bei gewöhnlichem Druck und Temperatur war 516, die Luft gleich 1000 angenommen. Der Betrag des durch Chlor condensirten Gases war 12,75 in 100 Theilen.

Die Brennzeit des Gases, d.h. die Zeit, um einen Kubikfuß durch einen 1/33 Zoll breiten Brenner und mit einer 5 Zoll langen Flamme zu consumiren, war 61 Minuten 20 Secunden. Bei einem Argand'schen Brenner, welcher 4,6 Kubikfuß gewöhnliches Kohlengas per Stunde consumirt, zeigte sich eine bedeutend günstigere Brennzeit. Die Lichtstärke ist gleich 11,23 Wallrathkerzen, wovon jede per Stunde 120 Gran consumirt. Demnach ist das Licht, welches erzeugt wird durch Verbrennung von einem Kubikfuß Gas, gleich 1419,6 Gran Wallrath. Eine Tonne der bituminösen Georgskohle, welche 10563 Kubikfuß Gas liefert, würde, zu Gas verarbeitet, so viel Licht geben, wie 2140,7 Pfd. Wallrath. Folgendes ist eine tabellarische Uebersicht der Resultate:

Textabbildung Bd. 141, S. 316

Wenn man das Licht betrachtet, welches bei Verbrennung des aus einer Tonne dieser Georgs-Kohle erzeugten Gases entsteht, und das gleich 2140,7 Pfd. Wallrath ist, so findet man den Werth der Georgs-Kohle zur Erzeugung von Gas, verglichen mit den englischen Back- und englischen und schottischen bituminösen Kohlen, welche im Handel vorkommen, in folgender Tabelle, welche aus den Resultaten meiner Untersuchungen dieser Kohlen zusammengestellt ist.

Textabbildung Bd. 141, S. 316

Der Kohks der bituminösen Georgs-Kohle ist härter als der von Torban, brennt aber schneller im Ofen. Zu beachten und merkwürdig ist, daß die bituminöse Georgs-Kohle in ihrem spec. Gewichte und der Quantität Wasser, die sie enthält, von anderen abweicht. Zur Gaserzeugung ähnelt sie in ihrem Werthe der schottischen |317| Cannel-, vorzüglich der Torban-Kohle, welcher sie sehr nahe steht. Die Quantität des Gases ist weniger, die Qualität aber besser; ich trage daher kein Bedenken zu bestätigen, daß die Georgs-Kohle von sehr hohem Werthe für die Gaserzeugung ist, und bemerke noch, daß der Theer und das Ammoniak-Wasser nicht in Rechnung gebracht sind.

Dr. A. Fyfe,
Professor der Chemie zu Aberdeen.

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