Titel: Ueber die Mittel, welche die Verflüchtigung des Ammoniaks aus dem Guano verhindern; von Dr. Heidepriem in Breslau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 8 (S. 317–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi04_8
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Ueber die Mittel, welche die Verflüchtigung des Ammoniaks aus dem Guano verhindern; von Dr. Heidepriem in Breslau.

Einem Jeden, welcher Gelegenheit gehabt hat Räume zu betreten, in denen sich Peru-Guano einige Zeit auf Lager befand, wird der eigenthümliche, pikante Geruch bekannt seyn, der dort herrscht. Durchdringend ist dieser Geruch, wenn das Aufbewahrungslocal eine feuchte Lage hat und kein oder nur ein geringer Luftwechsel stattfindet; auch ist hier der specifische Geruch des Ammoniaks gar nicht zu verkennen. Daß die Wirkung des Guano nach dem Aufbringen auf den Ackerboden sehr alterirt, ja bis auf ein Drittheil seiner vollen Kraft reducirt werden kann, sobald nach dem Aufbringen trockene Witterung anhaltend eintritt, ist durch die Erfahrung hinreichend constatirt, und es unterliegt keinem Zweifel, daß der Grund dieser Calamität in den meisten Fällen in dem Entweichen von Stickstoff in der Form von Ammoniak zu suchen ist. Also auch das Vermischen mit einer großen Menge Erdboden vermag den Guano nicht vor dem Verlust dieser seiner wirksamsten Bestandtheile zu schützen. Die Chemiker haben daher die Aufmerksamkeit der Landwirthe schon häufig auf diesen Uebelstand gelenkt, doch erst in neuester Zeit hat man, und zwar in England, auf Mittel gesonnen, demselben vorzubeugen und schließlich als das tauglichste eine Behandlung des Guano mit Schwefelsäure vorgeschlagen. Bei einem so präparirten Guano ist allerdings, wie ich mich überzeugt habe, der Verflüchtigung von Ammoniak vollständig vorgebeugt, andererseits ist aber auch nicht zu übersehen, daß die Ausführung dieser Methode sehr lästig und kostspielig ist. Lästig wegen der ätzenden Eigenschaften der Schwefelsäure, und kostspielig, da die Schwefelsäure zwar ein nothwendiger Pflanzennahrungsstoff ist, aber in andern Substanzen, wie Gyps, Salinenabfälle u. dergl. dem Erdboden, wenn es nöthig, billiger zugeführt werden kann. Es schien mir deßhalb von praktischem Interesse zu seyn, eine andere Substanz aufzufinden, mit welcher man denselben Zweck erreicht, deren Anwendung weniger umständlich ist und die zugleich als ein kräftiges und unentbehrliches Düngemittel betrachtet werden muß. Bevor ich die Versuche mit den dazu mir tauglich scheinenden Substanzen anstellte, überzeugte ich mich nochmals, daß der zu den Versuchen zu verwendende peruanische Guano sowohl für sich im trockenen und angefeuchteten Zustande, als auch mit einer großen Quantität milden Lehmbodens gemischt, an der Luft Ammoniak aushauchte. Zu dem Ende wurde der Guano, resp. die Mischung desselben mit Erdboden, in flachen Porzellanschalen unter tubulirten Glasglocken aufgestellt, welche einen vollständigen Abschluß gegen die äußere Luft gewährten und in denen Streifen von angefeuchtetem rothem Lackmuspapier aufgehängt waren. Darauf wurde beobachtet, ob und in welcher Zeit eine Veränderung des Lackmuspapieres eintrat. Die später angeführten Versuche sind in derselben Weise angestellt worden.

Zu jedem Versuche verwandte ich ein Quentchen Guano (nur bei den Mischungen mit Erdboden weniger), welcher vorher so weit pulverisirt war, wie man dieß durch Stampfen, Dreschen, Sieben etc. bei größeren Quantitäten leicht erreichen kann. Die vorkommenden Mischungen geschahen in einer der Ausführung im Großen möglichst entsprechenden Weise.

Bei dem mit Masser angefeuchteten Guano zeigte sich das Lackmuspapier nach fünf Minuten vollständig durch das entwichene Ammoniak gebläut; bei trockenem Guano trat diese Veränderung erst nach 20 Minuten ein. 10 Gran Guano mit 400 Gran etwas feuchtem Erdboden gemischt gaben bald eine, wenn auch nur sehr schwache, Reaction. Derselbe Erdboden bewirkte erst nach Verlauf mehrerer Stunden eine wahrnehmbare Veränderung des Lackmuspapieres.

Der mit 35 Procent seines Gewichtes Schwefelsäure vermischte Guano hatte, nachdem bereits acht Tage verflossen waren, das Lackmuspapier nicht verändert.

Die weiteren Versuche wurden nun mit Düngergyps, Knochenmehl und Kalksuperphosphat (mit Schwefelsäure präparirtes Knochenmehl) angestellt. Der Gyps vermochte durchaus nicht den Guano gegen Ammoniakverlust zu schützen, selbst wenn von demselben eine zwölfmal so große Menge, als die des Guano war, genommen wurde. Auch die mit Wasser zu einem Brei angefeuchteten Mischungen gaben kein anderes Resultat. Ebenso wenig war das reine Knochenmehl, obwohl dasselbe von der feinsten Beschaffenheit war, im Stande, das frei werdende Ammoniak des Guano zu binden. Anders verhielt es sich dagegen mit dem Kalksuperphosphat. Dieses, aus der Breslauer Dampf-Knochenmehl-Fabrik bezogen, war allerdings von vorzüglicher |319| Beschaffenheit; es stellte ein gleichmäßig feines, ganz trockenes, grauweißes Pulver dar und war durch Vermischen des reinen Knochenmehls mit einigen zwanzig Procenten Schwefelsäure bereitet worden. Nachdem ich anfänglich auf 1 Theil Guano 4 Theile des Superphosphats genommen, ging ich allmählich, da der Versuch günstig ausfiel, bis auf gleiche Theile von beiden zurück und hatte die Genugthuung, zu bemerken, daß auch dann noch selbst nach Verlauf mehrerer Wochen, eine Verflüchtigung von Ammoniak nicht stattgefunden hatte. Ein gleiches Resultat wurde erzielt, als die Mischung mit Wasser angefeuchtet worden und als sie, mit dem Zwanzigfachen ihres Gewichts Erdboden vermischt, unter die Glocke gebracht worden war.

Berücksichtigt man nun, daß in den meisten Fällen eine gleichzeitige Anwendung des Guano's und des schnell zur Wirkung kommenden Kalksuperphosphates sogar wünschenswerth erscheint, so kann der Landwirth nun sich gegen die aus der beregten Quelle herstammenden unsicheren Wirkungen des Guano's nicht besser, billiger und zweckmäßiger schützen, als wenn er den Guano vor seiner Anwendung mit der gleichen oder doppelten Menge von mit Schwefelsäure präparirtem Knochenmehl mischt. (Agronom. Zeitung.)

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