Titel: Ueber die Ausdehnung der mechanischen Spinnerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 1 (S. 391–392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_1

Ueber die Ausdehnung der mechanischen Spinnerei.

Es sind wenig über 80 Jahre, seit die mechanische Spinnerei erfunden wurde und die Maschinen den ersten Anfang machten, der menschlichen Hand die Lieferung des Garns für die Bekleidungsstoffe abzunehmen. Ueberblickt man die ungeheure Ausdehnung, welche seither die mechanische Spinnerei erlangt hat, so muß man erkennen, daß allein hiedurch eine große Veränderung in den Erwerbsverhältnissen der neueren Zeit gegenüber von früheren Jahrhunderten stattfand, und darum auch Einrichtungen und Gesetzgebungen sich ändern müssen, welche auf die früheren Zustände berechnet waren, jetzt aber an Ausbeutung der neueren Erwerbsverhältnisse hindern, daß dagegen andere Einrichtungen an die Stelle treten müssen, welche, den jetzigen Umständen entsprechend, den früheren Zwecken zu dienen geeignet sind. Die wesentlichen Zwecke, welche man mit den früheren Einrichtungen anstrebte, bleiben für alle Zeiten sich gleich, der Erwerb soll gefördert, ein sittlicher Halt soll den Einzelnen geboten und so ein allgemeiner Wohlstand herbeigeführt werden. Nur die Mittel zu Erreichung dieser Zwecke müssen sich ändern, wenn das Fortschreiten der Industrie die Art der Erwerbsthätigkeit umgestaltet. Noch jetzt wird allerdings Garn durch Handspinnerei erzeugt, allein als Erwerbszweig hat diese zu bestehen fast aufgehört, |392| dagegen ist allenthalben die mechanische Spinnerei in steter Ausdehnung begriffen. Man schätzte nach den Berichten über die Londoner und Pariser Ausstellung die Zahl der mechanischen Spindeln auf etwa 40 Millionen für Baumwolle, nahezu 3 Millionen für Leinen. 8 Millionen für Wolle. Hievon kommen in runden Zahlen auf:

Textabbildung Bd. 141, S. 392

Nach dem Berichte der Zollvereins-Commission über die Pariser Ausstellung zeigten die Vorbereitungs-, Spinn-, Webe- und Appretur-Maschinen aus England, Frankreich, Deutschland, Belgien etc., überhaupt aller industrieller Länder, eine überraschende Uebereinstimmung, so daß man wohl sagen kann: die Zeit der Fabrikgeheimnisse ist vorbei! Die sogenannten nationalen Fabrications-Methoden mit den zugehörigen Maschinen eigenthümlicher (Construction, scheinen zur Zeit, das lehrte Paris, in allen großen Industrien einem gemischten Systeme, gegenseitigem Austausch entsprungen, Platz gemacht zu haben, wozu außer dem lebhaften internationalen Verkehre und der daraus entsprungenen gegenseitigen Bekämpfung auf gemeinschaftlichen Märkten die großen Industrie-Ausstellungen der letzten Jahre nicht wenig beigetragen haben mögen. (Württemberg. Gewerbeblatt, 1856, Nr. 35.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: