Titel: Entzündung von Bohrlöchern durch den elektrischen Funken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 3 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_3

Entzündung von Bohrlöchern durch den elektrischen Funken.

Hr. Ritter v. Zepharovich hatte, einer Einladung des Hrn. A. Magistris folgend, dessen Kalksteinbrüche am Hundskogel in der Hinteren Brühl nächst Mödling besucht, und war daselbst Zeuge der großartigen Wirkung der durch Hrn. Magistris hier zuerst in Anwendung gebrachten Sprengungsmethode, nämlich der Entzündung einer großen Reihe von Minen zu gleicher Zeit durch den elektrischen Funken. Die Tiefe der Bohrlöcher beträgt bei einem Durchmesser von 2 Zoll 6 Fuß, die Pulverladung beiläufig 1 Pfd. im Gewichte. Unmittelbar auf letztere wird der Zünder mittelst einer Stange eingeführt. Derselbe besteht aus einer Hülse von starker Pappe, mit einem leicht entzündbaren Stoffe gefüllt, in welche von beiden Seiten Drähte derart eingebracht werden, daß sie durch die Füllung unterbrochen sind. Schlägt der elektrische Funke hindurch, so wirkt der Zünder nach abwärts in die Pulverkammer. Auf den Zünder wird noch etwas Pulver aufgeladen, dann die Einführungsstange herausgezogen und das Bohrloch, während zwei Arbeiter die Drähte so halten, daß sie diametral gegenüber an der Wand des Bohrloches anliegen, fest mit Letten verstaucht. Sind alle Bohrlöcher auf diese Weise vorbereitet, so werden sie durch die Drahtenden der Zünder unter sich verbunden und der Draht von der ersten Mine durch die Erde, von der letzten frei über Stangen zu dem elektrischen Apparate geleitet. Als solcher dient eine von Hrn. Carl Winter eigens für solche Zwecke construirte, äußerst zweckmäßige Elektrisirmaschine. Durch Ladung der mit ihr verbundenen, auf dem Princip der Leidner Flasche beruhenden Verstärkung mit 1 Quadratfuß Belegung, wird ein Funke bis 2 Zoll lang hervorgebracht, welcher vollkommen hinreicht, um eine große Zahl von Minen in einem Augenblicke zu entzünden. Der ganze Apparat ist in einem Holzkästchen von 1' im Quadrat und 3 Zoll |396| Tiefe eingeschlossen und kann so ungemein leicht und sicher transportirt werden. Die Wirkung der auf die angegebene Weise bewirkten Explosion war überraschend.

Die Steinbrüche sind am südwestlichen Abhange des Hundskogels angelegt; der den Kössener Schichten angehörige dunkelgraue Kalkstein steht daselbst massig an und enthält nach der im Laboratorium der k. k. geolog. Reichsanstalt vorgenommenen Untersuchung 95 bis 98 Proc. kohlensaure Kalkerde. Bei so großer Reinheit des Steines ist auch der gebrannte Kalk ein vorzüglicher und erfreut sich eines großen Absatzes. Hr. Magistris hatte bisher zwei Kalk-Schachtöfen nach preußischem Muster mit Holzfeuerung im Betriebe; gegenwärtig wird der eine für Feuerung mit Steinkohle eingerichtet. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1856, Nr. 34.)

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