Titel: Ueber die Gewinnung des Rohsalpeters in einigen Gegenden der westlichen Schweiz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 5 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_5

Ueber die Gewinnung des Rohsalpeters in einigen Gegenden der westlichen Schweiz.

Die nachfolgende Notiz, die wir Hrn. Apotheker Behrens in Château d'Oeux verdanken, mag als Berichtigung und theilweise Ergänzung dessen dienen, was über die Salpetergewinnung in der Schweiz fast in sämmtlichen Lehrbüchern der technischen Chemie angegeben ist. Die Salpetersieder nehmen in den leerstehenden Sommerstallungen die Bodenbreter ab, und füllen mit der darunter befindlichen Erde einige Zuber an, in welchen dieselbe so lange ausgelaugt wird, bis die Lauge nicht mehr salzig schmeckt. Die Lauge wird in einer höchst ärmlichen Hütte, in welcher ein Kessel in einem in die Erde gegrabenen Herde eingesenkt ist, versotten. Die ausgelaugte Erde kommt in die Ställe zurück. Erst nach 7 Jahren soll es sich lohnen, aus dem gleichen Stall den Salpeter zu gewinnen. Trocken gelegene Ställe liefern viel mehr als feuchte; an nassen Orten soll oft gar kein Salpeter gefunden werden. Ein einziger Stall kann 50–200 Pfd. Rohsalpeter liefern. Die Lauge wird mit Asche und Aetzkalk versetzt, vom entstehenden Bodensatz abgezogen, in der bezeichneten Siedehütte eingedampft und der Krystallisation überlassen. Die Krystalle läßt man in Körben abtropfen, verpackt sie in Säcke und versendet sie an die Raffiniranstalten der Pulvermühlen. Ein Mann, der mit zwei Knaben von 12–15 Jahren das Geschäft betreibt, macht in der guten Jahreszeit wöchentlich 1 Ctr. Salpeter, den man ihm durchschnittlich mit 45 Fr. an Ort und |397| Stelle genommen bezahlt. Es soll das nöthige Holz sich auf 15 Fr. belaufen und dem Stalleigenthümer ist eine kleine Vergütung zu entrichten.

Der Rohsalpeter besteht aus feuchten, braungelb gefärbten säulenförmigen gestreiften Krystallen bis zur Länge eines Zolles und der Dicke eines Strohhalmes. Die Krystalle sind meist hohl. Sie enthalten im Durchschnitt 90 Procent reinen Salpeter, 2 1/2 Proc. salpetersauren Kalk und 7 Proc. Feuchtigkeit, die meist in dem hohlen Raum der Krystalle sich befindet. (Chlorverbindungen? Die Red)

Hr. Behrens ist der Meinung, das Raffiniren sollte von den Salpetersammlern selbst vorgenommen werden. Diese bestreiten wir als unstatthaft, und meinen, ein nächster Fortschritt sollte in zweckmäßigern Anlagen zur Gewinnung des Rohsalpeters bestehen. Die Pulvermühlen müssen überall ihren Salpeter selbst raffiniren und so auch hier. Der Beschluß einer neu zu errichtenden Raffinerie wurzelt auch in der Ueberzeugung von dieser Nothwendigkeit. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1856, Heft 4.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: