Titel: Eigenthümliche Reactionen der ätherischen Oele in der Malerei; von Fr. Kuhlmann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 7 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_7

Eigenthümliche Reactionen der ätherischen Oele in der Malerei; von Fr. Kuhlmann.

Die ätherischen Oele äußern besonders unter dem Einflusse der Wärme und des Lichts ein reducirendes Vermögen, welches sich langsam auf Bleiweiß und die gefärbten Oxyde äußert. Die der Verharzung fähigen Oele besitzen aber auch vorübergehend eine andere entgegengesetzte Eigenschaft, welche Beachtung verdient in Bezug auf die Veränderungen, welche die Oelmalereien erleiden. Diese bestehen darin, daß sie an der Luft Sauerstoff absorbiren. Hieraus folgt, daß diese Oele im Augenblicke ihrer Anwendung eine oxydirende Einwirkung äußern können, vermöge deren sie die vegetabilischen Farben zerstören und gewisse Mineralfarben verändern können. Folgende Thatsachen mögen dieß beweisen.

Erhitzt man Bleiglätte (Bleioxyd) mit lufthaltigem Terpenthinöl, so bildet sich Bleisuperoxyd.

Schüttelt man bei gewöhnlicher Temperatur lufthaltiges Terpenthinöl mit den Oxydulhydraten von Eisen, Zinn oder Mangan, so gehen diese in eine höhere Oxydationsstufe über. Bei Anwendung einer Auflösung von schwefelsaurem Eisenoxydul bildet sich ein Niederschlag von basisch schwefelsaurem Eisenoxyd. Der durch Ferrocyankalium in einer Eisenoxydullösung entstandene weiße Niederschlag wird unter denselben Verhältnissen augenblicklich intensiv blau.

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Durch schweflige Säure entfärbte blaue und rothe Blumen färben sich wieder in Berührung mit lufthaltigem Terpenthinöl. Frisch destillirtes Terpenthinöl zeigt keine oxydirenden Eigenschaften.

Es ist also bei Mischung der verschiedenen in der Oelmalerei angewandten Farben außer der an und für sich dadurch bewirkten Farbenveränderung auch die durch den oxydirenden Einfluß des Terpenthinöls hervorgebrachte zu beachten. (Journal für praktische Chemie Bd. LXVIII S. 129.)

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