Titel: Ueber das Siccatif zumatique von E. Barruel in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 8 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_8

Ueber das Siccatif zumatique von E. Barruel in Paris.

Dieses in Frankreich patentirte Präparat wird in Paris zu 1 Fr. das Paket von 500 Grammen verkauft. Auf der Etiquette der Pakete heißt es über dieß Präparat: Die Schwierigkeit des Trocknens der Zinkweißölfarben war bisher immer das Haupthinderniß ihrer Anwendung. Das Siccatif zumatique, wofür ein Erfindungspatent genommen wurde, hat diesen Uebelstand gänzlich beseitigt, 2 1/2 Procent dieses Siccatif einer Zinkölfarbe zugesetzt, macht diese in 10–12 Stunden bei gewöhnlicher Temperatur ganz vollständig trocken. Es bietet den Vortheil, daß es ein zartes Pulver darstellt, dessen weiße Farbe weder das Zinkweiß noch Bleiweiß trübt, so daß es als Zusatz zu letzterem der Bleiglätte weit vorgezogen werden muß, obschon es keine Beimengung bleihaltiger Substanzen enthält. Es selbst deckt eben so gut als das Zinkweiß und vermehrt deßhalb durchaus nicht die Kosten des Zinkweißanstrichs.

Dieß Präparat wurde im technischen Laboratorium des schweizerischen Polytechnikums untersucht, und gefunden daß es der Hauptsache nach bestehe aus Zinkweiß mit kleinen Spuren von Blei, etwas Gyps, Quarztheilchen und einem Manganoxydulsalz, dessen Säure als Borsäure erkannt wurde. Beim Glühen zeigte sich ein ganz schwacher brenzlich acrolähnlicher Geruch, von einer organischen Substanz herrührend, die jedoch in so geringer Menge darin vorhanden ist, daß sie als zufällige Verunreinigung angesehen werden muß. Es ändert sich die Farbe des Pulvers beim Glühen in ein Helles Graubraun, und wird es nach dem Glühen mit Salzsäure übergossen, so entwickelt es in der Wärme Chlor. Diese beiden Erscheinungen rühren daher, daß das Manganoxydul in Oxydoxydul übergegangen ist.

Es ergab die quantitative Bestimmung des bei 100° C. getrockneten Pulvers

91,84 Proc. Zinkoxyd,
2,12 „ Manganoxydul,
4,20 „ Unlösliches in Salzsäure.
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Das zu 100 Fehlende ist der Hauptsache nach Borsäure, die nicht näher bestimmt wurde. Die Zusammensetzung des borsauren Manganoxyduls ist wie die anderer borsaurer, schwermetallischer Salze sehr unconstant, indem je nach den Umständen, unter welchen die Fällung geschieht, sich mehr oder weniger Manganoxydulhydrat beimengt. Hiernach läßt sich das Siccatif leicht zusammensetzen aus gewöhnlichem Zinkweiß (das im Großen dargestellt, wohl nie frei von den oben angeführten Verunreinigungen seyn wird) und borsaurem Manganoxydul, welches durch Fällen einer Lösung eines Manganoxydulsalzes mit Boraxlösung und Auswaschen erhalten wird. Vom Zinkweiß möchten 94–95 Proc., vom Manganfalz 5–6 Proc. die Mengen seyn, welche ein entsprechendes Gemisch liefern. Ueber die Wirksamkeit des ziemlich verbreiteten Präparates kann kein Zweifel seyn; auffallend aber ist, daß davon 2 1/2 Proc., wovon nur der 20igste Theil aus dem eigentlich wirksamen Manganoxydulsalz besteht, hinreichen, um das Trocknen von Oelanstrichen zu bewirken. Abgesehen von dem Preisunterschied zwischen diesem, größtentheils aus Zinkweiß bestehenden Pulver und dem eigentlichen Zinkweiß, möchte für uns beachtenswerth seyn, daß es unnöthig ist, die Fracht für das Zinkweiß von Paris zu tragen, da man mit entsprechend viel kleinern Mengen borsauren Manganoxyduls den gleichen Zweck erreichen kann. Dr. P. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1856, Heft 4.)

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