Titel: Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Selbstentzündung von mit Oel getränkten Gegenständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 9 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi05_9
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Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Selbstentzündung von mit Oel getränkten Gegenständen.

Wenn Wolle und Wollgarn, Baumwolle und Baumwollgarn, Leinwand, Lumpen, Werg, Bastmatten, Moos, Hobelspäne, Stroh, Sägmehl und ähnliche Stoffe mit fetten Oelen, namentlich solchen, die an der Luft von selbst eintrocknen, wie Mohnöl, Leinöl, Hanföl u.s.w., getränkt, nachher auf irgend eine Weise, z.B. durch die Sonnenstrahlen erwärmt, sodann fest zusammengepackt wurden und vor Abkühlung geschützt waren, so haben sie sich nach mehrfachen Erfahrungen selbst entzündet, indem eine rasche Oxydation mit lebhafter Wärme-Entwickelung stattfand. Bei Stroh, Moos, Bastmatten, worauf Oelfässer gelegen hatten und die nachher von der Sonne beschienen worden waren, bei Woll- und Baumwollabgängen aus Spinnereien, auch Wachsleinwand, hat man Selbstentzündung beobachtet; ein frisch geöltes Planwagentuch, das der Sonne ausgesetzt war und nachher zusammengepackt in einem Wagenschuppen über Nacht lag, ist in Brand gerathen; zusammengedrehtes und frisch gefirnißtes Baumwollgarn – sogenannte Hälften – zum Ausbessern von Webgeschirren bestimmt, wurden in einen Bund zusammengepackt und nachher brennend heiß gefunden. Zu Verhütung solcher Selbst-Entzündung sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu beobachten.

Man bringe niemals geölte (gefirnißte) lockere Gegenstände in Masse zusammen, sondern breite dieselben dünn aus, damit nicht die durch den Oxydationsproceß entwickelte Wärme sich steigern könne, da die Masse des Materials die Intensität des chemischen Processes fördert.

Man vermeide jede starke Erwärmung sowohl durch Aussetzen der Gegenstände an die Sonne, oder vermittelst Ofenwärme, vermeide das Zusammenpacken, Aufeinanderhäusen, Zusammenschnüren) man breite dagegen die Gegenstände möglichst aus, wodurch die Ausstrahlung entwickelter Wärme befördert und dadurch einer Temperatur-Erhöhung kräftig vorgebeugt wird.

Wenn in gewerblichen Anstalten, wie z.B. in Wollspinnereien, Tuchfabriken, größere Mengen von geölten Wollabfällen sich aufsammeln, ist es durchaus nöthig, dieselben in einen feuerfesten Raum zu bringen und daselbst ausgebreitet aufzubewahren, was auch die Feuerversicherungs-Gesellschaften gewöhnlich den Wollspinnereien zur Bedingung machen. (Preuß. Staatsanzeiger, Nr. 184.)

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