Titel: Ueber die Ursache der Färbung eines im April d. J. in der Militär-Proviantanstalt zu Paris gebackenen Commißbrodes; von Hrn. Poggiale.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 141/Miszelle 7 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj141/mi141mi06_7
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Ueber die Ursache der Färbung eines im April d. J. in der Militär-Proviantanstalt zu Paris gebackenen Commißbrodes; von Hrn. Poggiale.

Dieses Commißbrod, wovon in der Nacht vom 7. auf den 8. April 22000 Rationen gebacken wurden, war bläulichschwarz gefärbt und ich erhielt von der Kriegsverwaltung den Auftrag, dasselbe sowie mehrere Mehl- und Weizenproben zu untersuchen, um die Ursache dieser Färbung zu ermitteln. Dieß geschah auf mikroskopischem und chemischem Wege und es wurden auch mehrere Brodbereitungs-Versuche angestellt.

Fragliches Brod war aus einem Gemenge von Mehl aus hartem Weizen und spanischem zartem Weizen gebacken, wovon ersteres, wie die Versuche ergaben, die Färbung veranlaßt hatte, dasselbe war nämlich selbst zusammengesetzt aus ungefähr 600 Hektoliter Weizen von Salonichi und Smyrna, und 300 Hektol. algierischem, vom Kornwurm außerordentlich stark heimgesuchtem Weizen. Diese 900 Hektoliter Weizen waren auf der Mühle der Kriegsverwaltung zu Billy gemahlen worden.

Die Resultate meiner Untersuchung sind folgende:

1) das Mehl des spanischen zarten Weizens, welches zur Bereitung des fraglichen Brodes diente, ist von guter Qualität und gibt, allein verbacken, ein weißes Brod;

2) das Mehl des wurmstichigen afrikanischen harten Weizens, sowie des salonichischen und smyrnischen Weizens ist von geringerer Qualität und enthält einen etwas verdorbenen Kleber, was übrigens von einer ganz zufälligen Ursache herrührt;

3) die Färbung des Brodes ist diesen letzteren Mehlsorten, namentlich dem salonichischen zuzuschreiben;

4) diese Färbung zeigt sich erst nach der Brodgährung, nach dem Backen und vorzüglich nach dem Erkalten des Brodes;

5) das mit denselben Mehlsorten ohne Hefe bereitete Biscuit ist weiß;

6) das gefärbte Brod enthält eine ungeheure Menge Infusorien;

7) diese Thierchen findet man im Mehle und im Biscuit nicht;

8) die Entwickelung der Infusorien und die Veränderung welche der Kleber unter dem Einfluß der Gährung und des Backens erleidet, sind die Ursachen der Färbung des Brodes.

Obwohl dieses Brod nichts Schädliches enthielt, wollte die Kriegsverwaltung es zur Nahrung für die Truppen doch nicht verwenden lassen. (Journal de Pharmacie, August 1856, S. 96.)

Wir verweisen auf Payen's Untersuchungen über die rothen Brodpilze, im polytechn. Journal Bd. XCI S. 200, Bd. XCII S. 466 und Bd. CX S. 429. Die Redaction.

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