Titel: Charon's Apparat zum Fortleiten des Mahlgutes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142, Nr. IV. (S. 11–13)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/ar142004

IV. Apparat zum Fortleiten oder Vertheilen des Mahlgutes; von Hrn. Charon, Müller zu Gironville im franz. Depart. der Seine und Oise.

Aus Armengaud's Génie industriel, April 1856, S. 179.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Der Zweck, welchen der Erfinder mit dieser Maschine zu erreichen gesucht hat, läßt sich auf folgende Weise zusammenfassen:

1) es soll dadurch jede Verdunstung beim Uebergange des Mehls von dem Rechen zum Beutelwerk vermieden werden;

2) das Mehl soll regelmäßig in dem Beutelwerke vertheilt werden;

3) das Geräusch des Sperrrades soll vermieden und der Aufwand für die Laufriemen, welche den Schuh am Mühlrumpf in Bewegung setzen, sehr vermindert werden;

4) es sollen die Beutel gegen spitze und schwere Körper geschützt werden, die sie beim alten System oft schon nach einigen Stunden beschädigen, obgleich der Mühlrumpf mit einem Gitter versehen ist.

Der Erfinder nennt seinen Apparat, welcher die erwähnten Vortheile wirklich gewährt, Fortleiter oder Vertheiler (transvaseur ou distributeur), weil er den Zweck hat, das Mehl oder Mahlgut aus einem Raum in einen andern zu schaffen, und, außer andern Benutzungen, die Apparate zu ersetzen, welche man Mühlrumpfe (augets) nennt und die jetzt die Beutelwerke einer Mühle, mit oder ohne Rechen, bedienen.

Fig. 16 stellt im senkrechten Durchschnitt den Kopf eines Beutelwerks dar, an welchem der Vertheiler angebracht ist.

Fig. 17 und 18 zeigen im Quer- und Längendurchschnitt und nach einem größern Maaßstabe, den Vertheiler allein.

Dieser Apparat besteht aus einer Walze A, die in einem Kasten B angebracht ist; Letzterer steht durch eine Röhre C mit der Haube D aus Drahtgaze in Verbindung, welche das Mehl in dem Beutelwerk E vertheilt. Dieses dreht sich um die Zapfen der Welle F und theilt mittelst der Rollen a seine Bewegung dem Vertheiler A mit.

Auf der Walze A sind zwei oder vier Stäbe bin diametral entgegengesetzter Richtung und so angebracht, daß sie auf der Walze um einige Millimeter hervorstehen und die Wände des Kastens berühren, sobald der Durchmesser, auf welchem sie angebracht sind, senkrecht auf den Wänden |12| des Kastens steht. Die Anzahl der Stäbe ist keine bestimmte; parallel mit der Achse der Walze oder schwach gewunden, kann man natürlich eine größere Anzahl von Stäben anbringen, jedoch sollen es nicht zu viele seyn, weil sie sonst enge Furchen bilden würden, in denen das Mehl anbackt.

Statt dieser Walze kann man auch eine cylindrische Bürste anwenden, welche einen um einige Millimeter größeren Durchmesser hat, als die Entfernung der Wände des Kastens von der Cylinderachse beträgt. In diesem sowie in dem vorhergehenden Fall berühren die Wände des Kastens, wenn sie zur Achse des Cylinders senkrecht stehen, diesen auf solche Weise, daß das Mehl nicht durch diese Theile geht.

ES ist hiernach einleuchtend, daß, wenn man die Walze oder die cylindrische Bürste mehr oder weniger schnell umdreht, auch mehr oder weniger Mehl oder Mahlgut fortgeleitet wird.

Der Vertheiler kann überall angebracht werden, selbst an den engsten Orten, wo die Aufstellung eines Mühlrumpfes unmöglich ist. Die Aufstellung des Vertheilers ist sehr einfach, sie kann von jedem Arbeiter ausgeführt werden und erfordert keine besondere Sorgfalt; bei seinem leichten Gang, der von gar keinen Stößen begleitet ist, nutzt er sich fast gar nicht ab. Wegen seiner großen Leichtigkeit erfordert er nur eine geringe Triebkraft, ein besonders vortheilhafter Umstand, wenn die verfügbare Triebkraft sich vermindert, z.B. bei niedrigem Wasserstand.

In der Mühle zu Gironville sind vier solche Vertheiler länger als ein Jahr, Tag und Nacht, im Betrieb gewesen, ohne daß sie eine Reparatur erfordert hätten, während sie alle Dienste geleistet haben, die man sich davon versprochen hat. Seitdem sind mehr als 150 solche Apparate an verschiedenen Orten aufgestellt worden und haben überall gute Resultate gegeben.

Ein sehr wichtiger Punkt ist das gänzliche Aufhören der Verdunstung oder des Verfliegens von Mehl bei Benutzung dieses Apparates. Der Mehlverlust durch das Verfliegen beläuft sich bei den gewöhnlichen Rumpfapparaten auf 2 bis 4 Pfd. täglich, was jährlich einen bedeutenden Geldbetrag macht; der luftdicht verschlossene Vertheiler läßt dagegen keine Mehltheilchen entweichen.

Hinsichtlich der regelmäßigen Vertheilung des Mahlgutes in dem Beutelwerk brauchen wir uns nur auf eine jedem Müller bekannte Thatsache zu beziehen: da nämlich der Rumpf gewöhnlich durch einen von dem Beutelwerk unabhängigen Riemen bewegt wird, so muß Letzterer Apparat, welcher stets mehr belastet ist als der erstere, gleiten sobald sich der Riemen ausgedehnt hat; da nun der Rumpf fortwährend eine gleiche Menge Mahlgut aufschüttet, so füllt dasselbe das Beutelwerk und verstopft das seidene |13| Beuteltuch. Der von dem Beutelwerk selbst bewegte Vertheiler führt hingegen demselben nur soviel Mahlgut zu, als es verarbeiten kann.

Endlich fällt auch das unangenehme Geräusch des Klapperwerks weg, welches wegen der stoßweisen Bewegung die gewöhnlich sehr langen Treibriemen bald abnutzt. Beim Vertheiler ist nur ein kurzer und schmaler Laufriemen erforderlich, welcher sich um so weniger abnutzt, da die Rolle nur 25 Umgänge in der Minute macht.

Die Schonung der Beutelwerke durch den Vertheiler ist eine Folge seiner innern Einrichtung; er ist mit einem Drahtcylinder versehen, der sorgfältig mit ihm verbunden ist; dieser Drahtcylinder ersetzt das Sieb oder Gitter des Rumpfes, welches so viele Nachtheile hat, denn es verstopft sich sehr häufig durch Mehlklümpchen und durch Hanf, der von der Abnutzung der Säcke herrührt, worauf das Mahlgut herausfällt; die Siebe müssen daher stets sorgfältig gereinigt werden, und wenn dieß nicht geschieht und ein Nagel oder ein anderer spitzer Körper hindurchfällt, so kann das Beutelwerk leicht verdorben werden. Bei der hier beschriebenen Einrichtung ist dieß aber nicht möglich, denn das Cylindersieb des Vertheilers kann durchaus nicht verstopft werden und Spitze Körper können nicht durchfallen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: