Titel: White's Mühlsteine mit Ventilation.
Autor: White, Alex.
Fundstelle: 1856, Band 142, Nr. V. (S. 13–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/ar142005

V. Mühlsteine mit Ventilation, von Hrn. Alex. White zu Partick bei Glasgow.

Aus dem Practical Mechanic's Journal, Juni 1856, S. 57.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die Einführung eines kalten Luftstroms zwischen die beiden gegen einander arbeitenden Flächen der Mühlsteine ist eine der wichtigsten mechanischen Verbesserungen des Mühlwesens. Der kalte Luftstrom durchdringt nämlich die Getreideschicht von dem Augenblick an, wo dieselbe den Rumpf oder Aufschütter verläßt, bis sie durch die Steine vollständig in Mehl verwandelt worden ist. Jedes ganze und jedes zum Theil zerriebene Korn wird durch den Luftstrom von dem benachbarten getrennt, ihr Zusammenkleben und das Verstopfen der scharfen Haukanten, womit die Mühlsteine versehen sind, verhindert. Der Luftstrom führt ferner die durch die Reibung entstehende Hitze ab, welche auf die Erzeugung eines feinen und guten Mehles einen so nachtheiligen Einfluß hat; er vertheilt |14| das Mahlgut in allen Zuständen seines Zermahlens gleichförmig über die Mahlflächen, treibt die feineren zermahlenen Theilchen fort und hinterläßt die gröberen der Einwirkung der Steine. Endlich wird durch diese Ventilation auch das Ausbringen an Mehl vergrößert.

Die erste, systematisch durchgeführte Anwendung eines falten Luftstromes bei Mühlsteinen verdankt man dem Engländer Corcoran, sie wurde im Jahre 1843 bekannt. Er umgab den obern Stein oder Läufer mit einem eisernen Mantel, welcher über die obere Steinfläche bedeutend hervorragte und mittelst eines starken Bodens auf dem Steine stand. Auf diesem Gehäuse waren vier gerade Flügel angebracht, welche in der Richtung der Umdrehung vorwärts geneigt waren und von dem Umfange des Läuferauges nach dem Umfange des Läufers tangential ausliefen. An den untern Enden dieser Flügel waren kleine rechteckige Oeffnungen vorhanden, welche durch den Stein hindurchgingen, und die umgebende atmosphärische Luft wurde durch die Drehung der Flügel in diese Oeffnungen eingetrieben. Oben auf dem Stein waren gekrümmte Leitplatten angebracht, um die umgebende Luft in die Oeffnungen hineinzuleiten.1)

Die Corcoran'sche Vorrichtung eröffnete den Weg für zahlreiche Erfindungen dieser Art und es folgten derselben im Jahre 1844 diejenige des Hrn. Gordon in Stockport. Dieser Ingenieur ging von der richtigen Ansicht aus, daß man eine weit bessere Abkühlung des Mahlgutes durch die Luft erlange, wenn man den Strom aus einer gewissen Entfernung von außen her einführe, als wenn die schon erwärmte, in der Mühle befindliche Luft dazu verwendet wird. Er erzielte dieß dadurch, daß er ein abgesondertes Ventilatorgebläse anbrachte; die durch dasselbe verdichtete Luft wurde mittelst einer horizontalen Röhre unter jedes Mühlsteinpaar geleitet und von dort gelangte sie mittelst zweier senkrechten Röhren, durch das Auge des liegenden Steins, zwischen die Mahlflächen, indem die Röhren mit flachen, horizontalen Mundstücken zur Leitung dieser Ströme versehen waren. Diese Mundstücke der senkrechten Röhren lagen ungefähr 3/8 Zoll unter der obern Fläche des Bodensteins und erstreckten sich bis in die Nähe der Steinperipherie in radialer Richtung auswärts, so daß sie die kalte Luft gerade da zuführten, wo die Geschwindigkeit am größten ist.

|15|

Diese Vorrichtung ist als die Grundlage aller folgenden zu betrachten; es folgten ihr diejenigen von Taylor, Bovill, Pinel, Mac-Lellan, Banks, Goodier, Westrup, Spiller, Valck, Seely, Hurwood u.a. Manche von diesen Erfindungen waren nur Curiositäten ohne praktischen Werth, während andere anerkennenswerthe Beiträge zu den Verbesserungen des Mühlenwesens lieferten.

Nach diesen kurzen geschichtlichen Bemerkungen über die Ventilation der Mühlsteine gehen wir zur neuesten Erfindung auf diesem Gebiete, derjenigen des Hrn. White über. Bei seinem Verfahren wird das Getreide, ehe es zwischen die Mahlflächen der Steine gelangt, auf eine eben so einfache als sinnreiche Weise durchgewalzt, und die Wirkung der Mühlsteine wird durch zweckmäßige Vertheilung kalter Luftströme innerhalb der Steine und zwischen denselben, so wie auch zwischen dem Mahlgute, wesentlich erhöht.

Wenn der obere Stein der Läufer ist, so befindet sich die Haue oder das Verbindungsstück zwischen dem Mühleisen und dem Steine oben und zwar der Art, daß sie zugleich als Fuß für die Quetschwalzen dient, mit denen das Mahlen vorbereitet wird. Unmittelbar über dieser Walzfläche sind zwei kleine Quetschwalzen angebracht, ähnlich denen, welche zur Zerkleinerung des Schießpulvers oder des Thons dienen; sie laufen lose auf Nägeln oder Achsen, die an einem darüber befindlichen Querbaume angebracht sind. Der Querbaum ruht mit seinen beiden Enden auf Säulen außerhalb des Mühlsteingehäuses und ist durch Schrauben der Höhe nach verstellbar. Der Rumpf liegt über diesem Querbaume, und das in jenem aufgeschüttete Getreide fällt durch eine Oeffnung in diesem auf die Walzfläche, welche vom Mühleisen umgetrieben wird. Die Umdrehung der flachen scheibenförmigen Walzenplatte dreht die beiden Quetschwalzen um ihre Achsen, so daß das aufgeschüttete Getreide unter den Walzen zerquetscht wird. Der ganze Walzapparat ist von dem obern Steine umschlossen und liegt in dessen großem Auge. Indem nun der Mahlproceß vorschreitet, fallen die zerquetschten Körner von der Walzplatte auf eine geriffelte Vertheilungsplatte, welche zu gleicher Zeit die kalte Luft den Mahlflächen zuführt. Der obere Theil des Vertheilers ist nach den Radien geriffelt, um die Vertheilung des gewalzten Getreides zu befördern, und ist so eingerichtet, daß er zur Hälfte in der Fläche eines jeden Steins eingelassen ist und sich, ohne den Bodenstein zu berühren, bewegen kann. Der Vertheiler ist hohl und für das Durchströmen der kalten Luft mit Abtheilungen versehen. Die Durchgänge für die Luft bestehen in fünf (auch mehr oder weniger) horizontalen gekrümmten Canälen, deren offene äußere Enden an der Linie der Mahlfläche endigen, wie es die |16| Vertiefungen in den Steinen zur Aufnahme des Vertheilers bedingen. Die andern Enden der Canäle öffnen sich in eine mittlere Oeffnung in der Vertheilungsscheibe; diese mittlere Oeffnung steht an der untern Seite mit niedergehenden, in Trompetenmundstücke auslaufenden Luftröhren, welche durch das Auge des Bodensteins hindurchgehen und zur Aufnahme der kalten Luft dienen, in Verbindung. Die Wirkung des mit Abtheilungen versehenen Luftvertheilungsapparates besteht darin, daß wenn sich der obere Stein dreht, er kalte Luft aus den aufstehenden Röhren ansaugt und sie durch die äußeren Mündungen der horizontalen Canäle an den Vertheiler abgibt, wobei die Luft mit einer gewissen Kraft gegen das Mahlgut strömt, und zwar gerade an dem Punkt, wo das eigentliche Mahlen beginnt. Auf diese Weise wird das Mahlen sehr schnell und gut bewerkstelligt und Getreide und Mehl werden völlig kalt und im guten Zustande erhalten.

Statt den Vertheiler unmittelbar mit dem Mühlstein zu verbinden, kann man ihn auch mit einer größern Geschwindigkeit als den letztern umtreiben, indem man zwischen dem Mühleisen und dem Vertheiler ein geeignetes Räderwerk anbringt.

Fig. 23 ist ein Aufriß und Fig. 24 ein senkrechter Durchschnitt von einem Mühlsteinpaare, welches mit den erwähnten Verbesserungen versehen ist. Fig. 25 ist der Grundriß des untern Steins; er zeigt den obern Theil des Luftvertheilers, die Haue und die geriffelte Quetschoberfläche; Fig. 26 ist dagegen der Grundriß von dem untern Steine, mit dem Luftvertheiler im horizontalen Durchschnitt. Fig. 27 ist ein senkrechter Durchschnitt von einem Mühlsteinpaare mit ihrem Zugehör, welcher die erwähnten Verbesserungen mit einigen Abänderungen zeigt. Fig. 28 ist ein entsprechender Grundriß des oberen Steins, aber mit seiner untern Fläche nach oben gerichtet; er zeigt eine Betriebsart des Luftvertheilers. Fig. 29 ist ein Grundriß der obern Seite des Korn- und Luftvertheilers, entsprechend Fig. 27, und Fig. 30 ist ein Grundriß der Haue, und der obern Walze oder Quetschfläche in umgekehrter Lage. Fig. 31 ist ein Aufriß der einfachsten Form des Luftvertheilers, und Fig. 32 ein Aufriß eines Luftvertheilers, der mit einer größern Geschwindigkeit als die Steine umgetrieben werden soll, weßhalb er mit einem Räderwerk versehen ist.

In Fig. 23, 24, 25 und 26 ist der obere Stein A der Läufer, während der untere Stein, wie gewöhnlich, von einem gußeisernen Gehäuse C umschlossen ist. Der obere Stein A ist von dem gewöhnlichen hölzernen Mantel D umgeben und an entgegengesetzten äußern Punkten dieses Mantels sind zwei gußeiserne Ständer E angebracht, welche den ebenfalls |17| gußeisernen Balken F tragen. Letzterer hat in der Mitte eine cylindrische Büchse G, welche das Getreide von dem Schuh H des Rumpfes erhält. Die Büchse G ist oben so groß wie das Auge J des obern Steins A, und gestattet dem letztern sich frei zu bewegen. An den Boden der Büchse G sind Lappen angegossen, in denen ein Paar Walzen K liegt, von denen man eine in Fig. 24 sieht. Diese Walzen werden durch die Drehung der unter ihnen liegenden und auf der Haue M befestigten Metallscheibe L in Umdrehung um ihre Achse Gesetzt. Die Scheibe L ist, wie Fig. 25 zeigt, radial geriffelt und ihre Wirkung, so wie diejenige der Walzen K besteht darin, daß sie das Getreide zerquetschen, wodurch der nachfolgende Mahlproceß wesentlich erleichtert wird. Das Auge J ist größer als gewöhnlich, weil es die Walzen und den Quetschapparat aufnehmen und dem Getreide und der Luft gestatten muß, an der äußern Seite der Scheibe L niederzugehen. Die Büchse G ist mit Leitcanälen N versehen, welche das Getreide unter die Walzen K leiten. Die Haue M ist wie gewöhnlich am Mühleisen O befestigt, aber unmittelbar unter derselben ist eine radial geriffelte Platte P, welche das gewalzte oder zerquetschte Getreide mit sich herumführt, ihm eine gewisse Centrifugalkraft ertheilt und es zwischen den Steinen ausbreitet, wodurch eine Trennung der Hülsen oder der Kleie von dem Mehle eingeleitet wird. Die Platte P bildet den obern Theil des Luftvertheilers, welcher aus dieser Platte und einer untern Q besteht; der Raum zwischen beiden ist durch gekrümmte Schaufeln B, Fig. 26, in Abtheilungen gebracht. In diesem Falle wird der Vertheiler so auf dem Mühleisen O befestigt, daß er an der Drehung des Läufers theilnimmt, und wirkt als ein Ventilator welcher die Luft zwischen die Mahlflächen treibt. Er läuft auf drei Walzen T, von denen jedoch in Fig. 24 nur eine zu sehen ist. Diese Walzen sitzen auf stellbaren Spindeln und sind in besonderen Vertiefungen in den Bodenstein B eingelassen.

Die Luftcanäle im Vertheiler können verschiedenartig geformt seyn. Bei der in Fig. 26 dargestellten Construction wird die Luft rings herum am Umfange des Vertheilers abgegeben, indem sich die Canäle von innen nach außen erweitern. Man kann aber auch den Canälen auf ihre ganze Länge von der Mitte bis zum Umfange gleichen Querschnitt geben oder sie sogar nach außen verengen, so daß die Luft nur an gewissen Punkten des Umfanges austritt. Es ist durchaus erforderlich, daß der Vertheiler beträchtlich größer ist als das Auge der gewöhnlichen Mühlsteine. In unsern Abbildungen haben wir seinen Durchmesser halb so groß gemacht, als es der Durchmesser der Steine ist; dieses Verhältniß kann man aber, |18| je nach der Geschwindigkeit die man ihm geben will, oder nach der Art des Mahlgutes, abändern. Sollte die Geschwindigkeit des Steins einen hinreichenden Luftstrom mittelst des Vertheilers nicht hervorbringen, so gibt man dem letztern eine größere Geschwindigkeit als den Steinen, indem man zwischen dem Mühleisen und Vertheiler ein Räderwerk anbringt. Ein solches ist in Fig. 27 und 28 dargestellt; der Luftvertheiler P, Q läuft hier lose auf dem Mühleisen 0, und unten ist ein Stirnrad U an ihm befestigt, welches in ein anderes V eingreift; Letzteres sitzt an einer schwachen senkrechten Spindel W, welche durch das Auge des Bodensteins hindurchgeht; am unteren Ende dieser Spindel ist ein Getriebe angebracht, welches in ein Stirnrad am Mühleisen O greift.

Fig. 32 zeigt eine andere Einrichtung des Räderwerks, um dem Luftvertheiler die gewünschte größere Geschwindigkeit zu verschaffen. Die Räder U, V und X liegen hier dicht unter dem Luftvertheiler und dienen gleichzeitig zu seiner Unterstützung. – Man kann aber statt des Räderwerks auch Riemenscheiben anwenden. – Der Luftvertheiler wird bei der beschriebenen Construction von unten, durch das Auge des Bodensteins gespeist; man kann aber die Luft auch durch das Auge des obern Steins oder durch die Augen beider Steine einströmen lassen.

Fig. 27, 29 und 30 zeigen eine andere Construction des Apparates zum vorbereitenden Zerquetschen des Getreides. An der Schüttelwelle Y ist ein geriffelter Kegel Z angebracht, der sich im Innern eines hohlen und inwendig ebenfalls geriffelten Kegels a dreht. Dieser hohle Kegel a bildet den untern Theil eines Trichters b, aus welchem das Getreide zwischen die geriffelten Flächen gelangt. Der Körper a, b ist mit dem Deckel c des Gehäuses D durch Stellschrauben verbunden, so daß man den Raum zwischen den Kegeln Z und a beliebig vergrößern und verkleinern kann. Die Haue M ist an eine Platte d befestigt, und unter diese wird das theilweise zermalmte Getreide durch einen Trichter e geführt, welcher über dem Mittlern Theile der Haue liegt und das Getreide durch den Mittlern Theil der Platte hindurchfallen läßt. Die untere Fläche der Platte d ist radial geriffelt, wie Fig. 30 zeigt; diese Platte arbeitet in Berührung mit der obern Platte P des Vertheilers oder wenigstens ganz in dessen Nähe. Die Platte P ist, wie Fig. 29 zeigt, an ihrer obern Fläche, also an der neben der untern Fläche der Platte d liegenden, radial geriffelt. Da der Vertheiler sich hier schneller bewegt als der Stein A und die Platte d, so reiben sich die Platten d und P gegenseitig und üben dadurch eine zweite quetschende Wirkung auf das Getreide aus, wobei zu gleicher Zeit die durch die Drehung veranlaßte Centrifugalkraft die Körner zwischen den Steinen vertheilt.

|19|

Mit der in Fig. 27 dargestellten Construction ist eine verbesserte Methode, das Mahlgut auszutragen, verbunden. Statt, wie bei den gewöhnlichen Mühlen, das Mehl zwischen dem Gehäuse C und dem Bodenstein B frei niederfallen zu lassen, ist das Gehäuse C fast rings herum mit Oeffnungen f versehen, durch welche das Mahlgut in dünnen Strahlen austritt; von hier aus fällt es dann, an den Seitenwänden des kegelförmig geformten äußern Gehäuses g nieder und ist auf diesem Wege den günstigen Einwirkungen des nach dem Vertheiler aufwärts ziehenden Luftstroms ausgesetzt.

|14|

Nach Armengaud's Angabe in seiner Publication industrielle, t. V p. 265 rührt die Erfindung das Mahlgut abzukühlen, von dem Franzosen Damy her, der seine Vorrichtung im Jahr 1842 construirte.

A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: