Titel: Ueber den Gußstahl von Uchatius.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142, Nr. IX. (S. 34–45)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/ar142009

IX. Ueber den Gußstahl von Uchatius.

Aus dem Journal des Mines, 1856, Nr. 29 und 30.

Ueber den von dem kaiserl. österreichischen Artillerie-Hauptmann Franz Uchatius, durch den in Paris anwesenden österreichischen Ingenieur Lentz, dem französischen Ministerium für Landwirthschaft, Handel und öffentliche Arbeiten vorgelegten Gußstahl haben die Generalbergwerks-Inspectoren Combes, Levallois und Thirria folgenden Bericht erstattet:

Nachdem Hr. Uchatius eilf Jahre lang viele Versuche gemacht hat, um einen guten Gußstahl zu niedrigem Preise herzustellen, ist es ihm endlich gelungen, diese schwierige Aufgabe zu lösen. Das von Hrn. Uchatius erfundene Verfahren zeichnet sich durch seine Einfachheit, durch die mäßigen Kosten die es veranlaßt und durch die trefflichen Eigenschaften des dadurch erlangten Stahls, welcher Gleichartigkeit mit Geschmeidigkeit, Zähigkeit und Elasticität vereinigt, sehr vortheilhaft aus. Er kostet bei der Fabrication im Großen, einschließlich des Ausstreckens zu Stäben, höchstens 400 Francs die 1000 Kilogr. (6 Thlr. 4 Sgr. der Zollcentner), während der Preis des gewöhnlichen Gußstahls 1000 Fr. (13 1/3 Thlr. der Centner) und des besten 2500 Fr. (33 1/3 Thlr. der Cntr.) beträgt. Das neue Verfahren gewährt übrigens den Vortheil, daß man durch Veränderungen des Gemenges der angewendeten Materialien, Stahl verschiedener Sorten, von den härtesten bis zu den weichsten, erzeugen kann.

Hr. Lentz hat das Verfahren der französischen Regierung gegen eine sehr mäßige Remuneration angeboten, welche für jede Tonne des erzeugten Stahls an ihn von Seite der Fabrikanten zu bezahlen wäre. Er bemerkt, daß die in Oesterreich bargestellten Sorten kürzlich in den Werkstätten der Nordbahn versucht und den besten englischen Sorten gleich befunden wurden. Neue Versuche sind im Februar und März 1856 in denselben Werkstätten im Beiseyn der oben erwähnten Kommission ausgeführt worden.

Das zur Erzeugung des Stahls in den erwähnten Werkstätten angewendete Roheisen war zu Bona in Algier aus Magneteisenerz mit Holzkohlen erblasen; es war sehr weiß und etwas strahlig im Bruch.

Die unter den Augen der Commission ausgeführten Arbeiten und Versuche waren folgende: die Granulirung des Roheisens; die Verwandlung |35| desselben in Gußstahl; das Ausstrecken des Gußstahls; das Schweißen desselben; seine Verarbeitung zu verschiedenen Werkzeugen; endlich die Proben mit dem Gußstahl in Beziehung auf seinen Widerstand gegen das Zerreißen und die Biegung.

Granulirung des Roheisens. – Man hat erst 20 Kilogr. und dann 35 Kilogr. von dem obigen Roheisen in einem Graphittiegel, in einem mit Kohks gefeuerten Windofen geschmolzen. Das Schmelzen erfolgte in respective 1 Stunde 45 Minuten und in 2 Stunden. Das flüssige Roheisen wurde auf einen Besen von Birkenruthen, welcher an der Oberfläche eines Gefäßes mit Wasser bewegt wurde, ausgegossen. Die auf diese Weise erlangten Roheisenkörner waren im Allgemeinen klein, etwa wie feineres Bleischrot; der Abgang beim Granuliren war sehr unbedeutend.

Verwandlung des Granulireisens in Gußstahl. – Das Princip des Verfahrens der HHrn. Uchatius und Lentz besteht in der Schmelzung des Granulireisens mit Pulver von Eisenerz und Mangansuperoxyd. Will man halbharten oder weichen Stahl darstellen, so setzt man diesem Gemenge etwas Stabeisen zu. Die Beschickungen für die drei Stahlsorten sind folgende:

Harter Stahl: Granulirtes Roheisen 1,000
Spatheisensteinpulver 0,250
Mangansuperoxyd (Braunstein) 0,015.
Halbharter Stahl: Granalien 1,000
Spatheisensteinpulver 0,250
Braunsteinpulver 0,015
Stabeisen 0,125.
Weicher Stahl: Granalien 1,000
Spatheisensteinpulver 0,250
Braunsteinpulver 0,015
Stabeisen 0,125.

Bei den unter den Augen der Commission angestellten Versuchen wurde das Roheisen aus Algier mit geröstetem und fein zerpochtem Spatheisenstein aus Steiermark, welchem etwas Mangansuperoxyd beigegeben war, beschickt. Die Schmelzung wurde in einem Graphittiegel bewirkt, welcher cylindrisch geformt 0,40 Met. hoch und 0,16 Met. weit war. Er stand in einem Windofen, dessen horizontaler Querschnitt ein Quadrat von 0,30 Met. Seite, und der 0,60 Met. tief ist.

Den harten Stahl erlangte man, indem man 11,58 Kilogr. granulirtes Roheisen mit 2,89 Kil. geröstetem Erz und Braunstein zusammenschmolz. |36| Nach 1 Stunde 45 Minuten war die Beschickung geschmolzen und man goß die flüssige Masse in einen Einguß aus. Der Stahl wog 12,40 Kil.; der Abgang betrug demnach auf 14,47 Kil. Material 2,07 Kil., d.h. 14 Proc. In Beziehung auf das angewendete Roheisen betrug die Gewichtszunahme des Products 2,89 Kil. oder 25 Proc. Der Stahl war auf dem Bruche körnig mit einer Neigung zum Fadigen, seine Farbe war aschgrau. Der obere Theil des Zains war allein blasig.

Um halbharten Stähl zu erzeugen, wurden 12 Kil. granulirtes Roheisen mit 3 Kil. geröstetem Eisenstein und Braunstein vermengt und 1,50 Kil. kleine Stabeisenstückchen von Châtillon im Goldküstendepartement zugesetzt. Der Proceß dauerte 2 Stunden 25 Minuten, der Abgang betrug auf 16,50 Kil. Beschickung 1,65 Kil. oder 10 Proc., und die Gewichtszunahme bezüglich des Roheisens 1,35 Kil. oder ebenfalls 10 Procent. Der erhaltene Stahl war, wie der harte, auf seinem Bruche körnig und etwas fadig, aber seine Farbe war ein helleres Grau; Blasen wurden in der Stahlmasse nicht wahrgenommen.

Zur Darstellung des weichen Stahls endlich wurden 10 Kil. Granalien mit 2,50 Kil. geröstetem Erz und Braunstein und mit 2 Kil. Stabeisenstückchen von Châtillon beschickt. Der Proceß dauerte 2 Stunden 8 Minuten; der Gußstahl wog 12,70 Kil. Der Abgang betrug daher auf 14,50 Kil. Material 1,80 Kilogr. oder 12 Proc. und das Product wog 0,70 Kil. oder 6 Proc. mehr als das angewendete Roh – und Stabeisen. Der Bruch dieses Stahls bot dieselben Kennzeichen dar wie derjenige der beiden andern Sorten, er war aber körniger und seine graue Farbe zog sich ins Bläuliche.

Bei den drei Processen zur Verwandlung des granulirten Roheisens in Gußstahl wurden auf 1 Kil. rohen Gußstahl beiläufig 2,30 Kilogr. Kohks verbraucht.

Das Ausrecken des Gußstahls. – Nachdem von den Zainen die Bärte abgeschliffen worden waren, wurden sie wiederholt in einem mit Steinkohlen gefeuerten Flammofen, oder in einer Schmiedesse mit Kohks gewärmt und nach jedem Glühen mittelst eines 800 Kil. schweren Stempelhammers oder mittelst eines Schwanzhammers ausgereckt. Alle drei Stahlsorten ließen sich gut bearbeiten, ohne im Geringsten auseinander zu gehen; die Stäbe blieben scharfkantig und nur hin und wieder fanden sich einige kurze Risse. Ebenso zeigten die Flächen nur wenige, nicht tief gehende Risse und Schiefern. Der Bruch war im Allgemeinen feinkörnig und regelmäßig, die Textur dicht und gleichförmig. Die Farbe endlich war hellgrau, jedoch mehr aschgrau als andere Gußstahlarten.

|37|

Das Schweißen. – Bekanntlich schweißt der Gußstahl nur sehr schwierig und stets unvollkommen. Nach der Schweißung zeigen die äußern Flächen und der Bruch fast stets Risse, welche den Verbindungsflächen der geschweißten Stellen entsprechen, und wenn man diese unganzen Stellen nicht sogleich wahrnehmen kann, so ist es hinreichend, den Stahl wiederholt zu wärmen und nach jeder Hitze in kaltem Wasser abzulöschen, um sie sichtbar zu machen. setzt man dann einen Meißel auf diese Verbindungsebenen und schlägt darauf, so trennt man die geschweißten Theile und man findet, daß zwischen denselben nie ein genauer Zusammenhang stattfindet, wie es bei dem zusammengeschweißten Eisen der Fall ist. Sollen daher die aus Gußstahl dargestellten Gegenstände eine große Festigkeit haben, so muß man das Schweißen vermeiden und den Stahl in so große Eingüsse ausgießen, daß ein einziger Zain durch das Schmieden so große Stücke geben kann.

Man stieß auf große Schwierigkeiten, um die drei, von der Commission dargestellten Stahlsorten, besonders den harten, schweißen zu können. Unerachtet der größten Vorsichtsmaßregeln, um dem Stahl nur denjenigen Temperaturgrad zu ertheilen, welcher verschiedenen Schweißpulvern entspricht, ist er unter dem Hammer fast stets auseinander gegangen oder in mehrere Stücke zerbrochen, die kaum wieder vereinigt werden konnten. Die Verbindungsebenen der zusammengeschweißten Theile waren gewöhnlich an der äußeren Oberfläche oder auf dem Bruche wahrnehmbar, und wenn man sie nicht sogleich bemerkte, so reichten wenige Hitzen und Ablöschungen im kalten Wasser hin, um sie sichtbar zu machen.

Zur Vergleichung versuchte man Gußstahl für Werkzeuge und für Federn aus der Fabrik von Jackson zu schweißen. Mit beiden Sorten, die von anerkannter trefflicher Beschaffenheit sind, gelang die Schweißung weit leichter und besser, als mit dem nach der Methode von Uchatius dargestellten, aber beim Erhitzen und Ablöschen zeigten sich die Schweißstellen ebenfalls.

Anfertigung von Werkzeugen und Proben mit denselben. – Man verfertigte aus dem unter den Augen der Commission erzeugten Gußstahl Drehmeißel verschiedener Art und Bohrer.

Drehmeißel. Werkzeuge dieser Art wurden von allen drei Stahlsorten angefertigt. Beim Angriff von auf die Drehbank gespanntem Eisen zerbrachen die Schärfen aus hartem Stahl nach einigen Schnitten, während die aus weichem Stahl gefertigten sich sogleich abnutzten.

Man verfertigte auch krumme Drehstähle oder Haken aus hartem Stahl, um damit Stangen von Eisen oder ungehärtetem Stahl auf der Drehbank abzudrehen, und diese Proben gelangen vollkommen. Man fand, |38| daß sich diese Haken eben so gut verhielten, wie die aus dem besten Jackson'schen Stahl angefertigten.

Aus weichem Stahl verfertigte Haken zerbrachen sehr bald, wenn sie gehärtet waren, oder nutzten sich ungehärtet sogleich ab.

Bohrer, die von der harten Stahlsorte angefertigt waren, zerbrachen nach wenigen Augenblicken und ohne das Eisen zu durchbohren; die Brüche zeigten kleine Schiefern.

Widerstand gegen das Zerbrechen und gegen die Biegung. – Die Versuche mit den unter den Augen der Commission erzeugten Stahlsorten gaben sehr genügende Resultate. Sie bewiesen, daß dieselben viel Körper (corps) haben und in Beziehung auf ihre Festigkeit weit über den besten Eisensorten stehen, welche in den Werkstätten der Nordbahn verwendet werden, und daß sie den Vergleich mit den Stahlsorten erster Qualität aus den Hütten von Jackson bestehen.

Widerstand gegen das Zerbrechen. Die Kommission ließ aus dem in ihrer Gegenwart dargestellten halbharten Stahl einen cylindrischen Stab von 0,77 Met. Länge und 0,044 Met. Durchmesser anfertigen, der polirt wurde. Er war vollkommen rein an der Oberfläche und zeigte nur wenige und kaum wahrnehmbare Mängel. Das eine Ende wurde als eine 0,11 Met. lange und 0,042 Met. starke Spindel vorgerichtet und der Stab selbst bis zu Anfang der Spindel in einen gußeisernen Muff eingelassen. Darauf schlug ein Arbeiter mit einem sehr großen Schmiedehammer auf die Spindel, zerbrach sie aber erst bei dem zweiten Schlage.

Man versuchte dann den Stab durch den Druck zu zerbrechen, indem man ihn der Einwirkung einer Wasserpresse aussetzte; die Unterlagen waren 0,205 Met. von einander entfernt und der Druck wirkte in der Mitte zwischen beiden auf den Stab ein, wobei sich zwischen demselben und dem Preßkolben ein halbcylindrischer Stempel von 0,065 Met. Länge befand. Der Bruch erfolgte bei dem Drucke von zwanzig Atmosphären, entsprechend einer unmittelbaren Belastung des Stabes mit 7800 Kilogr. Der Bruch zeigte gar keine Schiefern, seine Farbe war hellgrau, die Körner des Stahls waren fein und regelmäßig. Mit der Loupe betrachtet, zeigten sie eine abgerundete, fast kugelförmige Gestalt.

Derselben Probe unterzog man einen Stab von aus Blechabschnitzeln dargestelltem Eisen, welcher 0,041 Met. Durchmesser hatte; derselbe gab einem Drucke von zwölf Atmosphären oder einer Belastung von nur 4680 Kilogr. nach und bog sich um 0,30 Met. durch.

Nimmt man, wie gewöhnlich, an, daß die Widerstände gegen das Zerreißen mittelst Biegung, bei cylindrischen Körpern von gleicher Beschaffenheit und unter übrigens gleichen Umständen, sich wie die Kubikzahlen |39| der Durchmesser verhalten, so würde die Widerstandsfähigkeit einer Eisenstange von 0,044 Met. Durchmesser, in runder Zahl, nur 5700 Kil. betragen haben, folglich um mehr als ein Drittel weniger als diejenige der Gußstahlstange von gleichem Durchmesser.

Widerstand gegen die Biegung. Diese Versuche wurden mit der Maschine gemacht, deren man sich zum Probiren der Federn bedient. Man verwendete Stäbe von 8 Millimeter im Quadrat. Dieselben lagen auf zwei Keilen oder Messern, welche 0,25 Meter von einander entfernt waren, und die Belastung wurde in der Mitte angebracht, b. h. 0,125 Met. von den Stützpunkten, und zwar ebenfalls mittelst einer Schärfe.

Die Kommission stellte Versuche mit allen drei Stahlsorten an, die in ihrer Gegenwart fabricirt worden waren, wobei dieselben zuerst ungehärtet und dann gehärtet probirt wurden; es wurden auch vergleichende Versuche mit den besten, in den Werkstätten der Nordbahn angewendeten (sogenannten englischen) Stahlsorten, aus der Hütte der HHrn. Jackson zu St. Suerin-sur l'Isle im Gironde-Depart., gemacht. Auch ein gutes Eisen, welches zu Spurkränzen verwendet und auf den Werken der HHrn. Jackson, Petin und Gaudet, zu Rive-de-Gier im Loire-Depart. fabricirt wird, wurde probirt.

Die acht Tabellen A, B, C, D, E, F, G und H enthalten die Resultate dieser vergleichenden Versuche.

A. Harter, ungehärteter, in Gegenwart der Commission dargestellter Stahl.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0
5 1/2
10 1
20 2 schwach
30 3
50 3 1/2 Die Stützpunkte rutschten unter der
70 4 Belastung mit 200 Kilogr., weil der Stab
100 5 1/2 eine zu starke Biegung erlangt hatte. Der
5 1 1/2 1 gekrümmte Theil zeigte keinen Riß
120 8
159 12
5 5 4/2
170 18
5 9 8 1/2
200 14
|40|

Bemerkung. Dieser Stahl behält nach Wegnahme der Belastung von 200 Kilogr. nur eine Biegung von 14 Millim., während der engl. Stahl (siehe Tabelle D) 17 Millim. Biegung behält.

Derselbe Stab umgekehrt, so daß die Belastung auf seine Convexität einwirkt.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0 Die Stützpunkte rutschten unter
5 1/2 der Belastung mit 200 Kil. in Folge
50 4 1/2 der großen Krümmung des Stabes.
100 13 Der gekrümmte Theil zeigte keinen
150 24 Riß.
200 10

Bemerkung. Die bleibende Biegung betrug hier nur 10 Millim., beim engl. Stahl (Tabelle D) aber 15 Millim.

B. Harter, ungehärteter, in Gegenwart der Commission dargestellter Stahl.

0 0
5 1/2
50 3 Die Stützpunkte rutschten unter
70 4 der Belastung mit 170 Kil., weil der
100 5 3/4 Stab eine zu große Biegung erlangt
5 12 hatte.
150 20
5 12 1/2 12
170 17

Bemerkung. Dieser Stahl behielt nach Wegnahme der Belastung von 170 Kil. dieselbe Biegung, wie der Jackson'sche Stahl (s. Tabelle D) nach Wegnahme von 200 Kilogr.

Derselbe Stab umgekehrt, so daß die Belastung auf die convexe Seite einwirkte.

0 0
5 12
50 5 Der Stab trug die Belastung mit
70 7 1/2 170 Kil. nur einige Secunden, und
100 14 gab mit stets größerer Krümmung
5 9 1/1 9 nach.
150 26 1/2
170 35

Bemerkung. Der umgekehrte Stab ergab einen viel geringern Widerstand als der Jackson'sche Stahl unter gleichen Umständen (s. Tabelle D).

|41|

C. Weicher, ungehärteter, in Gegenwart der Commission dargestellter Stahl.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0
5 1/2
50 2
70 3 Die Stützpunkte rutschten bei der
100 4 1/2 Belastung mit 220 Kil. wegen der großen
5 1 1/2 Krümmung des Stabes. Der gekrümmte
150 8 Theil zeigte keinen Riß.
5 1 1/2 1
170 11
5 5 4 1/2
200 19
5 12 11 1/2
220 15

Bemerkung. Dieser Stahl, obgleich mit 220 Kil. belastet, behielt, nach dem Wegnehmen dieser Belastung, eine um 2 Millim. geringere Biegung als der Jackson'sche Stahl nach einer Belastung mit nur 200 Kil. (s. Tabelle D).

Derselbe Stab umgekehrt, so daß die Belastung auf seine Convexität einwirkt.

0 0
5 1/2
50 1 1/2
70 5 1/2
100 8 1/2 Der Stab konnte die Belastung
5 5 4 1/2 mit 220 Kil. nicht tragen und gab
150 17 nach wenigen Secunden nach.
5 11 10 1/2
170 21
5 15 14 1/2
200 30
5 22 21 1/2
220 41

Bemerkung. Der Stab trug umgekehrt, bei weitem weniger als der Jackson'sche Stahl unter denselben Umständen (s. Tab. D).

|42|

D. Werkzeug-Stahl, sogenannter englischer, ungehärteter Stahl aus der Jackson'schen Hütte.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0
5 1/4
10 1/2 Die Stützpunkte rutschten unter
50 1 3/4 der Belastung mit 200 Kil., weil der
70 2 1/4 Stab eine zu große Biegung annahm.
100 3 1/2 Der krumme Theil zeigte keinen Riß.
5 1/4
150 5 1/2 1 1/4
170 18 1/2
5 12 11 3/4
200 17

Derselbe Stab umgekehrt, so daß die Belastung auf die Convexität wirkt.

0 0
5 1/4 Die Stützpunkte rutschten bei der
50 4 1/2 Belastung mit 200 Kil. in Folge der
70 6 1/2 großen Krümmung des Stabes. Der
100 11 1/2 gekrümmte Theil zeigte keinen Riß.
5 8 7 3/4
150 22
170 26
200 15

E. Eisen aus den Hütten der HHrn. Petin und Gaudet.

0 0
5 1/2 Der Stab fing unter einer Belastung
20 1 mit 100 Kil. an sich zu biegen; bei 120
50 2 Kil. gab er ganz nach. Der krumme
70 3 Theil zeigte keinen Riß.
100 15 1/2
120 34

Derselbe Stab umgekehrt, so daß die Belastung auf die Convexität wirkt.

0 0
5 1/2 Die Stange fing unter einer Belastung
20 1 mit 120 Kil. an sich zu biegen und bei
50 2 1/2 130 Kil. war die Durchbiegung vollständig.
70 4 Einen Riß zeigte der gekrümmte Theil nicht.
100 9 1/2
120 22
130 38
|43|

F. Harter, gehärteter Stahl, welcher in Gegenwart der Commission dargestellt war.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0
5 1/2 Der Stab zerriß, nachdem er die
50 2 Belastung mit 160 Kil. einige
70 3 1/2 Secunden getragen hatte Der Bruch
100 5 zeigte mehrere kleine Schiefern.
5 1/2
120 6
140 6 3/4
160 7 1/4

Bemerkung. Dieser Stahl ist weit weniger fest, als der ebenfalls gehärtete, sogenannte engl. Stahl von Jackson. Er zerriß unter einer Belastung mit 160 Kil., nachdem er sich um 7 1/4 Millim. durchgebogen hatte, während der Jackson'sche Stahl sich unter derselben Belastung nur um 6 Millim. durchbog und erst bei einer Belastung mit 350 Kil. zerriß. (Siehe die Tabelle H.)

G. Weicher, gehärteter, in Gegenwart der Commission dargestellter Stahl.

0 0
5 1/4
50 2
70 3
100 4
5 1/4
120 5
140 5 3/4 Der Stab zerriß, nachdem er die
160 6 1/2 Belastung mit 260 Kil. einige Secunden
5 1/2 1/4 getragen hatte. Der Bruch zeigte ein
180 7 gleichförmiges Korn, ohne Schiefern.
200 8
5 1/2 1/4
220 1 1/2
240 9 1/5
5 1/2
260 10

Bemerkung. Dieser Stahl war fester als der gehärtete harte Stahl, weil er erst bei einer Belastung mit 260 Kil. zerriß; aber fester noch war der Jackson'sche Stahl (s. Tab. H), welcher erst bei 350 Kil. zerriß.

|44|

H. Werkzeugstahl, sogenannter englischer gehärteter aus dem Jackson'schen Stahlwerke.


Belastung in
Kilogrammen
Der Belastung
entsprechende
Biegung
in Millimetern
Bleibende
Biegung nach
Wegnahme
der Belastung

Bemerkungen
0 0
5 1/4
50 1 1/2
70 2 1/4
100 3 1/2
5 1 1/4
120 4 1/4
140 5 1/4
160 6 Er zerriß bei einer Belastung mit
5 1/4 370 Kilogr.; der Bruch zeigte einige
180 7 Schiefern.
5 1/4
200 8
5 1/4
220 9
240 10
5 1/4
260 10 1/2
280 11 174
5 1/4 stark wahrnehmbar
320 13 1/4
350 18 1/2
5 4
370 3 3/4

––––––––––

Die von der Kommission aus vorstehendem Bericht gezogenen Folgerungen haben wir bereits in Bd. CXLI S. 370 des polytechn. Journals mitgetheilt.

Die daselbst aus früherer Zeit aufgeführten historischen Nachweisungen, daß die Idee, Gußstahl direct aus Roheisen darzustellen, nicht neu ist, ergänzen wir durch folgende Belege aus neuerer Zeit. Vor beiläufig 25 Jahren nahm Alois Obersteiner zu Murau in Steiermark ein Patent auf dieses Verfahren5); er schmolz Spiegelroheisen mit Stabeisen zusammen; der so erzeugte Stahl war hart, aber nicht fest, und der Patentnehmer |45| ging von dem Verfahren wieder ab. – Der verewigte Karsten 6) ließ in den Jahren 1846 und 1847 durch den Ober-Hütteninspector Stengel Versuche über Gußstahlfabrication durch Zusammenschmelzen von Spiegeleisen mit reinem Stabeisen durchführen; der erhaltene Stahl ließ sich zu den feinsten schneidenden Werkzeugen recht gut verwenden; für alle Zwecke, welche durch plötzliche und starke Stöße erreicht werden müssen, besaß er aber nicht die gehörige Festigkeit; mit großer Härte war noch ein bedeutender Grad von Sprödigkeit verbunden.

Das wesentlich Neue bei dem Verfahren von Uchatius, dessen Tragweite noch gar nicht abzusehen ist, besteht in der vom Erfinder zuerst beobachteten Thatsache: daß die Kleinheit der verwendeten Roheisenstücke von entscheidendem Einfluß auf die Qualität des erzeugten Stahls ist.

Die Redact.

|44|

Tunner's berg- und hüttenmännisches Jahrbuch, 1853. Bd. III S. 309. Polytechn Journal Bd. CXXIX S. 107.

|45|

Karsten's und v. Dechen's Archiv Bd. XXV S. 218. Polytechn Journal Bd. CXXVII S. 187.

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