Titel: Gray's, sphärische Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142, Nr. LVII. (S. 241–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/ar142057

LVII. Sphärische Dampfmaschine; von Hrn. Gray zu Limehouse bei London.

Aus Armengaud's Génie industriel, Juli 1856, S. 15.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die Maschine welche wir hier beschreiben wollen, war im J. 1855 zu Paris ausgestellt, wo sie im großen Annex unter den englischen Maschinen im Betriebe stand. Sie gehört zu den sogenannten halbrotirenden Maschinen.

Fig. 29 ist eine äußere Längenansicht,

Fig. 30 ein Querdurchschnitt dieser Maschine.

Der Cylinder der gewöhnlichen Dampfmaschinen ist durch eine hohle Kugel A mit Mantel A' ersetzt, in welcher ein Kolben B mit Liederung D angebracht ist, dessen Stange C sich in der Richtung des horizontalen Kugeldurchmessers befindet und als Achse dient.

Das Innere des sphärischen Raumes A ist mit zwei Scheidern E versehen, deren Kanten Liederungen haben, welche gegen eine Verstärkung oder Hülse b des Kolbens treten, durch den die Achse C geht. Dadurch ist der Raum A in zwei nahezu halbkugelförmige Abtheilungen getheilt, die nicht in directer Verbindung mit einander stehen und wovon jede eine Hälfte des Kolbens enthält. Der Dampf wird mittelst der Röhre V in die Vertheilungsbüchse S geführt, von wo aus er mittelst eines gewöhnlichen Schieberventils R abwechselnd in die Canäle c und d vertheilt wird. Der Canal c läßt den Dampf in die beiden Abtheilungen des Raumes A durch die beiden einander diametral gegenüberstehenden Oeffnungen 1 und 2 strömen, so daß er auf der einen Seite über, auf der andern unter dem Kolben gleichzeitig wirken kann. Daraus folgt, daß der Kolben eine |242| drehende Bewegung um seine Achse C annehmen muß, welche jedoch durch die Scheider E begränzt wird.

Der Schieber läßt alsdann den Dampf in den Canal d gelangen, von wo aus er mittelst der Oeffnungen 3 und 4 in den Raum A strömt, wodurch der Kolben eine der vorigen entgegengesetzte Bewegung macht, während der Dampf aus der andern Hälfte durch die Oeffnungen 1, 2 und c, so wie durch den Schieber ausströmt, um durch die Röhre T in die Atmosphäre zu gelangen.

Der Kolben erhält demnach eine wiederkehrend-kreisförmige Bewegung, welche seine Achse C mittelst der Kurbel W einer Kurbel von kleinerm Halbmesser J mittheilt und dadurch auf die Triebwelle I überträgt. Das Verhältniß beider Kurbeln ist ein solches, daß die auf letztere J mittelst der Bleuelstange O übertragene Bewegung eine ununterbrochen rotirende ist.

Das Maschinengerüst besteht aus einem gußeisernen Rahmen Y, auf welchem zwei Ständer N befestigt sind. Dieselben sind mit Zapfenlagern versehen, in denen sich die Achse I dreht. Letztere ist mit einem Schwungrad K versehen, mit einer Triebrolle L, einem Winkelrad welches den Regulator M bewegt, und endlich mit einer Excentrikstange X, welche mittelst des Winkelhebels P den Schieber R bewegt.

Der Erfinder bemerkt über seine Maschine Folgendes:

Die hauptsächlichsten Vortheile derselben sind: fast unmerkliche Reibung, Brennmaterial-Ersparung, sehr langsame Abnutzung, Raumersparung, directe Wirkung.

Der innere Durchmesser der Kugel beträgt 37 Centimet. Der Kolben hat den gleichen Durchmesser, seine Liederung ist kreisförmig und er ist nur mit zwei Federn versehen; er bewegt sich in einem Raum, welcher die Form eines doppelten Keils hat, dessen Volum 15 bis 16 Kubikdecimeter beträgt; der übrige Theil der Kugel ist luftdicht verschlossen, damit kein Dampf entweichen kann. Der mit Dampf anzufüllende Raum in einem gewöhnlichen Maschinencylinder von gleichem Durchmesser und Spiel ist zweimal größer als der besprochene Raum, folglich bedarf er bei gleicher Schubhöhe einer doppelten Dampfmenge.

Die Reibung dieser Maschine übersteigt nicht 1/4 Kil. Druck, und wenn sie neu ist, kaum die Hälfte mehr.

Der Erfinder hat eine Maschine von den angegebenen Dimensionen seit dem Monat August 1854 in eigenem Gebrauch. Sie ist von Morgens 6 Uhr bis Abends 8 Uhr im Betriebe und bewegt acht Drehbänke und eine Bohrmaschine.

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Die Ausgabe für Brennmaterial beträgt täglich 1,85 bis 2,15 Fr., indem 1000 Kil. 13 bis 20 Fr. kosten. Die Maschine verbraucht täglich, je nach der Leistung, 40 bis 60 Liter Wasser. Während jenes ganzen Zeitraums hat die Maschine gar keine Reparaturkosten verursacht. Der Kolben schwimmt gewissermaßen in dem ihn umgebenden Dampf, wodurch Reibung und Abnutzung vermieden werden.

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