Titel: Fuchs, über das Wasserglas.
Autor: Fuchs, Johann Nepomuk
Fundstelle: 1856, Band 142, Nr. LXXXIV. (S. 365–392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/ar142084

LXXXIV. Ueber Bereitung, Eigenschaften und Nutzanwendung des Wasserglases mit Einschluß der Stereochromie; von Dr. Johann Nepomuk v. Fuchs, Professor der Mineralogie und Akademiker in München.

Aus den Abhandlungen der naturwissenschaftlich-technischen Commission bei der königl. bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.65)

Das Wasserglas, welches schon im Jahre 1825 von mir bekannt gemacht wurde, und mithin 30 Jahre alt ist, hat anfangs die Aufnahme |366| nicht gefunden, welche man hätte erwarten sollen. Es wurde sogar die Behauptung aufgestellt, daß es von der allbekannten Kieselfeuchtigkeit nicht verschieden, mithin auch nichts Neues sey. Es erhoben sich zwar einzelne Stimmen dafür und prophezeiten ihm eine gute Zukunft, auch einige auf seine Nutzanwendung abzielende Versuche wurden gemacht; allein da diese nicht immer nach Wunsch ausfielen, indem man nicht mit der nöthigen Sachkenntniß zu Werke ging, oft mehr von ihm erwartete, als es seiner Natur nach zu leisten vermag, nicht die geeigneten Zuschläge anwendete und überhaupt nicht zweckdienlich manipulirte, ging man wieder mit Mißachtung davon ab und hat dadurch dieser Sache mehr geschadet als genützt.

Mit solchen Personen, die keinen Begriff vom Experimentiren haben, ist nichts durchzusetzen; denn wenn der erste Versuch nicht gelingt, so ist auch aller Credit weg, wie ich leider öfter als einmal erfahren mußte.

Die Vorliebe für das Altherkömmliche und die Macht der Gewohnheit übten auch hier, wie fast bei allem Neuen, ihren feindlichen Einfluß aus. Es ist überhaupt das Schicksal von fast Allem, was neu ist, daß es eine Zeit lang angefeindet werden muß, bis es zur Geltung kommen kann.

Seit einigen Jahren hat es sich etwas geändert und man hat angefangen einzusehen, daß das Wasserglas nicht zu den überflüssigen Dingen gehört, sondern so mannichfaltige Nutzanwendungen gestattet, wie es dergleichen nicht sehr viele gibt; ich habe mich selbst bei einigen Vorschlägen und Versuchen mehr oder weniger betheiligt, um dieser Sache Vorschub zu leisten. Zu diesem Zweck finde ich mich vor meinem Hintritt bewogen, diese Abhandlung zu schreiben, damit die von mir und zum Theil auch von Andern auf meine Veranlassung gemachten Erfahrungen nicht verloren gehen.

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Obwohl ich die Bereitung und Eigenschaften dieses Productes in Kastner's Archiv66) ausführlich beschrieben habe, so glaube ich doch, daß es den Lesern dieser Blätter erwünscht seyn werde, das Wesentlichste aus jener Abhandlung auch hier zu finden; und ich fühle mich zu dieser Angabe um so mehr bewogen, da Einiges eine Verbesserung, Anderes, was nur kurz angedeutet worden, eine weitere Ausführung erlangte.

Erster Abschnitt.

Verschiedene Arten von Wasserglas und ihre Bereitung.

Es sind vier Arten von Wasserglas zu unterscheiden:

a) Kali-Wasserglas,

b) Natrum-Wasserglas,

c) Doppel-Wasserglas,

d) Fixirungs-Wasserglas.67)

Anfangs und die längste Zeit nachher beschäftigte ich mich bloß mit dem Kali-Wasserglas68) und da fast alle Versuche, welche im Nachfolgenden zur Sprache kommen werden, mit Kali-Wasserglas gemacht wurden, so will ich bemerken, daß, wenn vom Wasserglas schlechthin die Rede seyn wird, stets das Kali-Wasserglas gemeint ist.

Bereitung des Kali-Wasserglases.

Zur Bereitung des Kali-Wasserglases werden genommen:

15 Theile pulverisirter Quarz, oder reiner Quarzsand;

10 Theile gut gereinigte Potasche;

1 Theil Holzkohlenpulver.

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Zu einem Sah im Großen können genommen werden:

45 Pfund Quarz;

30 Pfund Potasche;

3 Pfund Holzkohlenpulver.

Diese Ingredienzen werden gut gemengt und in einem feuerfesten Glashafen bei starkem Feuer fünf bis sechs Stunden lang geschmolzen, bis Alles in gleichförmigen und ruhigen Fluß gekommen ist, wozu keine geringere Hitze erfordert wird, als zum Schmelzen des gewöhnlichen Glases. Die geschmolzene Masse wird dann mit eisernen Löffeln ausgeschöpft und der Hafen sogleich wieder mit einem neuen Satze gefüllt.

Das so erhaltene Glas wird pulverisirt und in ungefähr fünf Theilen siedenden Wassers in einem eisernen Kessel allmählich und unter beständigem Umrühren eingetragen und unter öfterem Zusatz von heißem Wasser, um das verdampfende zu ersetzen, so lange (drei bis vier Stunden) ununterbrochen im Sieden erhalten, bis Alles, mit Ausnahme eines schlammigen Bodensatzes, aufgelöst ist, und auf der Oberfläche eine zähe und fadenziehende Haut sich bildet. Diese Haut zeigt an, daß die Auflösung dem Zustande der Concentration sich nähert; sie verschwindet aber wieder, wenn sie untergetaucht wird, worauf das Sieden noch kurze Zeit fortzusetzen ist, um den gehörigen Concentrationszustand der Auflösung herbeizuführen, in welchem sie ein specifisches Gewicht von 1,24 bis 1,25 hat. Bei dieser Stärke ist es noch ziemlich dünnflüssig und in vielen Fällen geradezu brauchbar; zu gewissen Zwecken muß es aber mit mehr oder weniger Wasser verdünnt werden. Es kann noch weiter bis zur dünnen Syrupsconsistenz eingekocht werden, ist aber dann nur in seltenen Fällen mit Vortheil anzuwenden.

Da, wie es nicht selten der Fall ist, etwas Schwefelkalium darin vorhanden ist, so wird beim Kochen zuletzt, um dieses zu zerstören, etwas Kupferoxyd oder Kupferhammerschlag zugesetzt, wobei ein kleiner Theil Kali frei wird, welcher aber zu den meisten technischen Zwecken nicht nur nicht schadet, sondern zu manchen sogar vortheilhaft ist. Will man jedoch mit Kieselerde vollkommen gesättigtes Wasserglas haben, so muß man es mit frisch präcipitirter Kieselerde so lange kochen, bis sich von dieser nichts mehr auflöst.

Beiläufig bemerke ich, daß überhaupt die frisch präcipitirte und schleimartige Kieselerde das beste und leichteste Mittel ist, sich zu überzeugen, ob dieses oder jenes Wasserglas mit Kieselerde vollkommen gesättigt ist oder nicht; man darf nämlich nur ein kleines Quantum der zu prüfenden Auflösung zum Sieden bringen und nach und nach in kleinen Portionen von |369| reiner Kieselerde eintragen, wovon die nicht gesättigte Auflösung mehr oder weniger aufnehmen und die gesättigte aber ohne Wirkung bleiben wird.

Statt des Kupferoxyds kann man sich auch der Bleiglätte bedienen, um das Schwefelkalium zu zerstören, was aber mit Vorsicht geschehen muß, weil ein Ueberfluß von Bleioxyd das Wasserglas zum Gerinnen bringen würde.

Wenn die Auflösung abgekühlt ist und durch ruhiges Stehen im gut zugedeckten Kessel sich geklärt hat, wird sie vom Bodensatze (der ein gutes Düngungsmittel abgibt) in gläserne und gut zu verschließende Flaschen oder Ballons gefüllt und unter der Aufschrift „Kali-Wasserglas“ zum Gebrauche aufbewahrt.

Zum leichteren Transport kann es unter beständigem Umrühren zu einer festweichen Masse eingedampft und am besten in einem Gefäß von verzinntem Eisenblech verpackt werden. Ein besseres und leichteres Mittel, es in festem Zustande darzustellen, gibt der Weingeist an die Hand. Wird nämlich die concentrirte Auflösung mit 1/4 Volumen rectificirtem Weingeist versetzt, so entsteht ein gallertartiger Niederschlag, welcher im Verlauf von ein paar Tagen sich stark zusammenzieht und fest an dem Boden des Gefäßes sich anlegt. Wird die über demselben stehende Flüssigkeit, welche nicht selten nebst etwas kohlensaurem Kali Spuren von Chlorkalium, Chlornatrium und Schwefelkalium enthält, abgegossen, der Niederschlag mit kaltem Wasser abgewaschen und etwas ausgepreßt, so bekommt man das Wasserglas im festen und sehr reinen und vollkommen mit Kieselerde gesättigten Zustande.

Im Wasser ist es wieder leicht und vollkommen auflöslich.

Bereitung des Natrum-Wasserglases.

Das Natrum-Wasserglas wird ebenso bereitet wie das Kali-Wasserglas; da aber das Natrum eine größere Sättigungscapacität hat als das Kali, so versteht es sich von selbst, daß verhältnißmäßig auf dieselbe Menge Quarz weniger kohlensaures Natrum kommt und zwar zu einem großen Satze:

45 Pfund Quarz,
23 wasserfreies, kohlensaures Natrum,
3 Holzkohlenpulver.

Dieses Gemeng ist etwas leichter schmelzbar als das Kali-Wasserglas. Am wohlfeilsten aber kann es, wie Professor Buchner sich überzeugt hat, mittelst Glaubersalz bereitet werden, wozu zu nehmen sind:

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100 Theile Quarz,
60 „ wasserfreies Glaubersalz,
15–20 Theile Kohle.

Das mit Kieselerde vollkommen gesättigte Product gibt mit Wasser eine etwas opalisirendere Auflösung als das mit Kali bereitete bei gleichem Zustande der Concentration.

Vom rectificirten Weingeist wird es nicht sogleich vollständig präcipitirt wie das Kali-Wasserglas, sondern nur in eine schleimartige Masse verwandelt; wenn es nicht vollkommen mit Kieselerde gesättigt und etwas verdünnt worden, so gibt es gar keinen Niederschlag oder erst nach einiger Zeit, wodurch es leicht erkannt und von dem Kali-Wasserglas unterschieden werden kann.

Bereitung des Doppel-Wasserglases.

Kali- und Natrum-Wasserglas lassen sich in allen Verhältnissen mit einander mischen; aber als normales Doppel-Wasserglas dürfte nur dasjenige zu betrachten seyn, was gleiche Aequivalente von Kali und Natrum enthält und ganz sicher mit Seignettesalz und der erforderlichen Quantität von Quarz (auf 100 Theile Quarz 121 Seignettesalz) erhalten werden kann. Allein dieses ist für technische Zwecke zu kostspielig und es kann weit billiger mit gleichen Aequivalenten von Kali- und Natrumsalpeter oder auch mit gereinigtem Weinstein und Natrumsalpeter und der entsprechenden Menge Quarz von zu technischen Zwecken genügender Qualität hergestellt werden. Man kann es auch durch unmittelbares Zusammenschmelzen von Quarz, kohlensaurem Kali und kohlensaurem Natrum nach folgender Vorschrift darstellen:

100 Theile Quarz,
28 gereinigte Potasche,
22 neutrales wasserfreies kohlensaures Natrum,
6 Holzkohlenpulver.

Es ist merklich leichter schmelzbar als jedes der vorhergehenden.

Da es beim technischen Gebrauche auf ein genaues quantitatives Verhältniß nicht ankommt, so fehlt man nicht viel, wenn man zu drei Maaßtheilen concentrirtem Kali-Wasserglas zwei Maaßtheile concentrirtes Natrum-Wasserglas mischt, um ein Doppel-Wasserglas zu erhalten, was zu allen technischen Zwecken, für welche man es überhaupt geeignet findet, brauchbar ist.

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Fixirungs-Wasserglas und Darstellung desselben.

Lange Zeit war ich der Meinung, daß das gewöhnliche mit Kieselerde vollkommen gesättigte Wasserglas das beste und zu allen Zwecken das brauchbarste sey; allein in der Stereochromie hat es sich bei der letzten Operation, dem Fixiren der Färben nämlich, sehr nachtheilig gezeigt und das Fortschreiten dieser Malerei sehr gehemmt, bis ich das Fehlerhafte dabei erkannte; was eben darin besteht, daß dieses Wasserglas wegen seiner schnell eintretenden theilweisen Zersetzung die Bilder gewöhnlich unrein und fleckig macht, wie es später noch näher dargethan werden wird. Nachdem ich dieses eingesehen hatte, wurde dem Uebel, was Hrn. v. Kaulbach und mir viel Sorge machte, bald abgeholfen, indem ich auf den Gedanken kam, daß das Wasserglas zu diesem Zwecke nicht vollkommen mit Kieselerde gesättigt seyn darf. Wenige Versuche bestätigten diese Vermuthung und bestimmten mich nach genauer Erwägung aller Umstände dahin, dem gewöhnlichen und mit Kieselerde vollkommen gesättigten Wasserglas eine Portion Natrumkieselfeuchtigkeit beizugeben, was sich auch ganz zweckdienlich erwies. Dieses Gemisch will ich Fixirungs-Wasserglas nennen.

Zur Darstellung der dazu verwendeten Natrumkiefelfeuchtigkeit werden drei Theile reines wasserfreies kohlensaures Natrum mit zwei Theilen Quarzpulver zusammengeschmolzen, mit dem dadurch erhaltenen Producte eine concentrirte Auflösung gemacht und davon, da es auf ein genaues quantitatives Verhältniß nicht ankommt, ein Maaßtheil zu vier bis fünf Maaßtheilen von dem concentrirten und mit Kieselerde vollkommen gesättigten Kali-Wasserglas beigemischt, wodurch es nebst einem Zuwachs von Kieselerde einen größern Alkaligehalt bekommt, welcher hinreicht, die schnelle Zersetzung zu verhindern, ohne daß seine übrigen Eigenschaften merklich alterirt werden. Das vorher trübe oder opalisirende Wasserglas wird dadurch vollkommen wasserklar und etwas dünnflüssiger. Beim Gebrauche dieses Gemisches beschränkt man sich nicht auf die Stereochromie allein, sondern es kann auch zu manchen andern Zwecken mit Vortheil benützt werden.

Eigenschaften des Wasserglases und sein Verhalten zu andern Körpern.

Es ist sehr viel daran gelegen, dieses Verhalten so genau als möglich kennen zu lernen, weil sonst in der Praxis leicht Fehler begangen oder aus gewissen Vorgängen und Erscheinungen falsche Schlüsse gezogen werden könnten.

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Im siedenden Wasser löst sich das feste oder geschmolzene Wasserglas, das, wenn es rein ist, das Ansehen des gewöhnlichen Glases hat, allgemach und ohne Rückstand auf; im kalten geht aber die Auflösung so langsam von Statten, daß man fast glauben möchte, es sey darin ganz unauflöslich. Ganz unauflöslich wird es aber nur dann, wenn noch eine viel größere Menge Kieselerde damit in Verbindung gesetzt, oder ihm ein Theil Kali entzogen wird, oder auch wenn andere Körper, Erden, Metalloxyde etc. hinzukommen, welche sich damit zu dreifachen oder doppelsalzartigen Verbindungen vereinigen, wie wir dergleichen viele im Mineralreiche antreffen und wie auch das gemeine Glas ist. Beiläufig muß ich die Bemerkung machen, daß die Kieselerde sich überhaupt lieber mit zwei Salzbasen als nur mit einer verbindet.

Die Säuren, selbst die Kohlensäure nicht ausgenommen, zersetzen die Auflösung und scheiden die Kieselerde daraus im schleimartigen Zustande ab. Auf das feste Wasserglas wirken sie, auch wenn sie verdünnt sind, stärker und schneller ein und scheiden daraus die Kieselerde in Pulverform ab.

Die Salze mit alkalischen Basen, vorzüglich die kohlensauren und salzsauren, bringen kleisterartige Niederschlage hervor, welche bei nicht zu Stärker Verdünnung sogleich erfolgen und die ganze Flüssigkeit zum Gerinnen bringen, sonst aber nur allmählich zum Vorschein kommen. Besonders wirksam zeigt sich in dieser Hinsicht der Salmiak, welcher auch in sehr verdünnter Auflösung unter Entwicklung von Ammoniak einen flockigen Niederschlag erzeugt, der nach längerem Auswaschen mit durch Salpetersäure angesäuertem Wasser reine Kieselerde hinterläßt.

Die alkalischen Erden machen, wenn sie mit der Auflösung zusammenkommen, mehr oder weniger Kali daraus frei und vereinigen sich mit der Kieselerde und dem übrigen Kali zu doppel-dreifachen Verbindungen, die im Wasser völlig unauflöslich sind.

Die Thonerde verbindet sich damit ebenfalls zu einem im Wasserunauflöslichen Producte, weßhalb darauf zu sehen ist, daß der Quarzsand, welcher zur Bereitung des Wasserglases verwendet wird, keine thonigen Theile mit sich führe. Der beim Auflösen des geschmolzenen Glases entstehende unauflösliche Schlamm rührt wohl hauptsächlich von der Thonerde her, welche das Glas aus dem Glashafen aufgenommen hat. Wird das Wasserglas im gelösten Zustande in offenen Gefäßen der Luft ausgesetzt, so zieht es Kohlensäure daraus an und erleidet dadurch eine Zersetzung, so daß es bald schneller, bald langsamer zum Gerinnen kommt und nach und nach ein schleimartiger Bodensatz sich bildet, welcher nach Hrn. Prof. Buchners Untersuchung kalihaltig ist.

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In der Wärme geht diese Veränderung weit rascher vor sich, als bei der gewöhnlichen Temperatur; und dampft man die Auflösung in einer Schale im Abdampfofen allmählich ein und gibt zuletzt noch eine stärkere Hitze, um es wasserfrei zu machen, wobei es sich stark zu einer bimssteinartigen Masse aufbläht, so findet man es nachher großentheils zersetzt und im Wasser unauflöslich und mit Säuren stark brausend. Durch gelindes Glühen wird es aber wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt, so daß es sich im Wasser wieder vollkommen auflöst.

Daraus ist zu ersehen, daß, wenn man aufgelöstes Wasserglas durch Eindampfen im festen Zustande darstellen will, man es beständig im Sieden erhalten muß, wobei durch den Wasserdampf das Eindringen der Kohlensäure verhindert wird. Dasselbe hat man zu beobachten beim Auflösen des rohen geschmolzenen Glases; weßhalb man, um das verdampfende Wasser zu ersetzen, nicht kaltes anwenden darf, weil sonst das Sieden unterbrochen und der Kohlensäure der Zutritt gestattet würde.

Wenn man festes und pulverisirtes Wasserglas eine Zeit lang der Luft aussetzt, so erleidet es dieselben Veränderungen wie beim Abdampfen; es brauset nämlich stark mit Sauren und löst sich nur noch zum Theil im Wasser auf mit Hinterlassung eines Stärken Schlammes. Wird aber das Pulver ausgeglüht, so löst es sich dann wieder vollkommen auf. Läßt man Tropfen davon auf den Tisch oder Boden fallen, so verlieren sie bald ihre Durchsichtigkeit und werden weiß in Folge von einer theilweisen Zersetzung. Dasselbe geschieht, wenn man es aus einem gläsernen Gefäß ausgießt, wobei oft etwas an der äußern Wand herunterläuft und daran hängen bleibt; es erscheint dann beim Austrocknen bald in weißen Streifen, die sich nicht leicht wieder vertilgen lassen. Bewahrt man es in einer gläsernen Flasche auf, die damit nicht ganz angefüllt und nicht gut verschlossen ist, so entsteht mit der Zeit ein weißer Ring, der sich so fest anlegt, daß er selbst mit Säuren nicht ganz entfernt werden kann. Zugleich bildet sich auf dem Boden des Gefäßes ein mehr oder weniger Stärker Niederschlag. Alles dieses ist, wie schon gesagt, Folge einer theilweisen Zersetzung des Wasserglases, was ich früher aus Mangel hinreichender Beobachtungen und Erfahrungen nicht erkannt habe. Ich sagte nämlich in der oben citirten Abhandlung S. 396: „Das ausgetrocknete reine Wasserglas erleidet an der Luft keine merkliche Veränderung und zieht daraus weder Wasser noch Kohlensäure an. Auch auf die concentrirte Auflösung äußert die Kohlensäure der Luft keine bemerkbare Wirkung, wiewohl sie zersetzt und in eine steife Gallerte verwandelt wird, wenn man Kohlensäuregas durch sie strömen läßt. Die verdünnte Auflösung |374| wird an der Luft mit der Zeit trübe und zersetzt sich nach und nach ganz.“

Diesen Irrthum will ich hiemit getilgt haben.

Wird concentrirtes Wasserglas auf eine feste Unterlage, die es wenig oder nicht einsaugt, z.B. Glas, Marmor, dickes Papier, gestrichen, so trocknet es bald aus und bildet einen glänzenden und durchsichtigen Firniß, der sich aber nicht sehr lange in diesem Zustande hält, sondern allmählich matt, trübe und mitunter kluftig wird und zuletzt einen zarten staubartigen Anflug bekommt. Diese Veränderung gründet sich darauf, daß das lufttrockene Wasserglas noch viel Wasser (ungefähr 12 Proc.) enthält, was es nur sehr langsam verliert, wobei es sich immer mehr und mehr zusammenzieht und eine nicht unbedeutende Härte annimmt.

Eine der vorzüglichsten und zu technischen Zwecken wichtigsten Eigenschaften des Wasserglases ist die, zu binden und zu kleben; es dient daher, lockeren Massen Dichtigkeit und stärkeren Zusammenhalt zu geben, getrennte Theile von Körpern zu vereinigen, kleine Stücke zu einem größeren Ganzen zu verbinden, Spalten und Klüfte auszufüllen u.s.w., in welcher Beziehung man noch lange nicht die vielseitige Anwendung gemacht hat, die sich davon machen läßt. Es läßt sich in dieser Hinsicht mit dem Leim vergleichen und man könnte es einen mineralischen Leim nennen.

Seine Wirksamkeit zeigt sich augenfällig, wenn es festen und porösen Körpern, die es einsaugen, incorporirt wird, und wenn es mit pulverförmigen, staub- oder sandartigen, oder zwischen den Fingern zerreiblichen Körpern zusammengebracht wird, die dadurch in steinartige Massen verwandelt werden, wobei zugleich das Wasserglas im Wasser unauflöslich wird.

Diese Wirkungen hängen dem Grade nach von der Natur der Substanzen ab, mit welchen das Wasserglas in Contact gebracht wird, indem es nämlich einige stärker, andere schwächer anziehen und binden. Hiebei findet der wesentliche Unterschied statt, daß bei einigen, z.B. Bittererde und Zinkoxyd, mit dem Wasserglas eine chemische Verbindung erfolgt, bei andern nur die Adhäsionskraft ohne alle chemische Reaction wirksam ist.

Bei jenen sind die Wirkungen, das Erhärten und Unauflöslichwerden nämlich, leicht zu begreifen, indem durch die Aufnahme einer zweiten Salzbasis ein unauflösliches Product entsteht; bei diesen ist es nicht so leicht, den Vorgang einzusehen, zumal da das Verhalten des Wasserglases zu verschiedenartigen Körpern nicht unbedeutend verschieden sich zeigt, weßhalb es auch nichts weniger als gleichgültig ist, diesen oder jenen Körper |375| zu wählen, wenn man ein inniges, festes und dem Wasser widerstehendes Gemenge darstellen will. So z.B. gibt das Wasserglas zum Marmorpulver eine weit größere Adhäsionsneigung zu erkennen als zum Quarzpulver. Daß die Kohlensäure der Luft zur Consolidirung des Wasserglases sehr viel beiträgt, geht schon aus dem hervor, was oben über die theilweise Zersetzung desselben unter der Einwirkung der Luft gesagt worden; dieses scheint jedoch nicht zu genügen, die auffallende Veränderung, welche oft schon nach wenigen Tagen wahrnehmbar ist, zu erklären. Die Kohlensäure lockert allerdings, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, das ohnehin schwache Band zwischen Kieselerde (Kieselsäure) und Alkali auf, allein dazu kommt noch und muß meines Erachtens noch kommen, daß diese Erde sich nicht passiv verhält, sondern ihrer ganz eigenthümlichen Natur nach freiwillig verschiedene Cohärenzzustände annimmt, selbst activ dabei mitwirkt, sich so zu sagen in sich selbst zurückzieht, und sich dabei so fest an die mit ihr im Contact befindlichen Körpertheile, wozu sie Adhäsionsneigung hat, anschließt, daß das Ganze dadurch gleichsam petrificirt wird. – Wenn man es mit einem Gemenge zu thun hat, was nicht nach Wunsch bindet, so braucht man ihm nur einen Zuschlag von einem solchen Materiale zu geben, welches mit Wasserglas eine chemische Verbindung eingeht; dann erreicht man sicher den erwünschten Zweck.

Ein gut bindendes Gemenge von pulverförmigen oder sandartigen Körpern mit Wasserglas nenne ich Wasserglasmörtel. Er kann in vielen Fällen, wie wir weiter unten noch näher hören werden, statt des gewöhnlichen Kalkmörtels mit großem Vortheil gebraucht werden.

Den porösen Körpern, von welchen das Wasserglas eingesogen wird, theilt es eine außerordentliche Festigkeit mit. Dazu gehören fast alle Gegenstände von gebranntem Thon, als: Thonplatten, Backsteine, Dachziegel, Ofenplatten, Töpferwaaren etc., so wie auch lockere Kalk- und Sandsteine und Holzwerke.

Da, wie vorhin gesagt, das Wasserglas nicht mit allen festen Körpern gleich stark bindet, so muß es interessiren, diejenigen näher kennen zu lernen, welche mehr oder weniger geeignet sind, dem erwünschten Zwecke zu entsprechen. Ich will daher die, welche zum technischen Gebrauche verwendbar sind und die über das Verhalten gemachten Versuche anführen und die dabei gemachten Erfahrungen nebst den dazu nöthigen Bemerkungen im Nachfolgenden mittheilen.

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a) Kohlensaurer Kalk.
(Kreide, Kalksand, Marmorpulver.)

Wird Kreidepulver mit Wasser zu einem Teige angemacht, und, nachdem es gut getrocknet, mit Wasserglas getränkt, so gibt es eine sehr compacte Masse. Wird nach Buchner ein Stück Kreide in mäßig concentrirtes Wasserglas getaucht und ungefähr zwei Tage darin gelassen, dann herausgenommen um es zu trocknen und hierauf wieder eine Zeit lang in etwas mehr verdünntes Wasserglas gelegt, so wird es ganz von Wasserglas durchdrungen und bekommt beim Austrocknen durch und durch eine Härte, welche der des Marmors sehr nahe steht; es nimmt eine gute Politur an und erweicht im Wasser nicht im mindesten, was davon nur schwache alkalische Reaction annimmt. Es hat dann auch eine bedeutende Dichtigkeit erlangt. Hr. Baron v. Liebig und Professor Buchner haben sich jüngst von diesem merkwürdigen Verhalten des Wasserglases durch eigene Versuche überzeugt. Die Kreide gibt demnach einen vortrefflichen Zuschlag zum Wasserglas ab, um es fest zu binden und im Wasser unauflösbar zu machen.

Es dringt sich hierbei die Frage auf: worauf beruht diese merkwürdige Veränderung des sonst leicht auflöslichen Wasserglases? Ist sie die Folge eines chemischen Processes, d. i. findet eine Umsetzung der Bestandtheile des kohlensauren Kalks und Wasserglases statt, so daß einerseits kieselsaurer Kalk, andererseits kohlensaures Kali entsteht?

Diese auffallende Veränderung des Wasserglases ist allerdings von der Art und trägt so sehr den Charakter einer chemischen Veränderung an sich, daß man es Hrn. Professor Kuhlmann nicht sehr übel nehmen darf, wenn er annimmt, daß sie auf einem chemischen Processe beruhe.

Allein so verhält sich die Sache nicht, wie ich mich schon früher überzeugt hatte, indem ich in meiner citirten Abhandlung S. 400 schrieb: „Einige unauflösliche Salze wie der kohlensaure und phosphorsaure Kalk, welche das Wasserglas nicht zu zersetzen vermögen, ziehen es so an, daß, wenn es damit eingetrocknet wird, es seine Auflöslichkeit im Wasser ganz oder größtentheils verliert.“

Neuerlich haben Hr. Baron v. Liebig und Hr. Professor Pettenkofer, welche genaue und sorgfältige Versuche in dieser Hinsicht machten, es außer allen Zweifel gesetzt, daß hiebei keine chemische Wechselwirkung stattfindet, ja nicht einmal eine theilweise Zersetzung des Wasserglases erfolgt.

Ist also diese sonderbare Erscheinung bloß Wirkung der Adhäsionskraft? – Ich halte noch einen andern Vorgang für möglich, daß nämlich |377| das Wasserglas und der kohlensaure Kalk sich direct, d. i. ohne sich gegenseitig zu zersetzen, eine schwache chemische Verbindung mit einander eingehen, wie wir ein unter dem Namen „Cancrinit“ bekanntes Mineral kennen, welches sich als eine Verbindung von Nephelin (Natrum-Thonerde-Silicat) mit kohlensaurem Kalk betrachten läßt. Ein ähnliches hat Professor Schafhäutl in Tyrol aufgefunden und es mit dem Namen „Didymit“ belegt.

Uebrigens sind auch Fälle von unbezweifelter Adhäsionswirkung bekannt, die in ihrem Effecte den chemischen wenig oder gar nicht viel nachstehen. Ich will hier nur an den Eisenkiesel erinnern, der offenbar ein Gemenge von Eisenoxyd und Quarz ist, dem aber ersteres so stark anhängt, daß es, wenn er fein pulverisirt worden, durch die stärkste Salzsäure in der Siedhitze nicht ganz entzogen werden kann, wie aus den Versuchen hervorgeht, die Buchholz damit gemacht hat.69)

Wie die Kreide, so verhält sich auch der zu Pulver zerstoßene Marmor zum Wasserglas und gibt damit eine sehr compacte Masse, insbesondere einen sehr guten Wasserglasmörtel. Dieser Mörtel, welcher beliebig von verschiedenem Korn hergestellt werden kann, wird sowie auch die im Wesen damit indentische Masse von Kreide und Wasserglas zu manchen technischen Zwecken mit Vortheil sich gebrauchen lassen, zumal da er nicht nur auf Stein, sondern auch auf Holz sehr gut haftet.

b) Der Dolomit,

eine aus kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Bittererde bestehende Gebirgsart – scheint nach den in der jüngsten Zeit damit gemachten Versuchen hinsichtlich der bindenden Kraft den Kalkstein noch etwas zu übertreffen; und da er merklich härter ist als der Kalkstein, so bekommt schon dadurch die mit seinem Pulver und Wasserglas gebildete Masse eine größere Widerstandsfähigkeit gegen äußere, mechanische sowohl als chemische Einwirkung. Jedenfalls gehört er zu den besten Mitteln, das Wasserglas zu binden und unauflöslich im Wasser zu machen; und da er sehr häufig in der Natur vorkommt und weit verbreitet ist, so wird man sich ihn, wenn man davon Gebrauch machen will, fast überall ohne große Kosten verschaffen können.

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c) Phosphorsaurer Kalk.
(Knochenerde.)

Der phosphorsaure Kalk gibt auch mit Wasserglas eine sehr compacte Masse, die in der Consistenz kaum verschieden ist von der, welche der kohlensaure Kalk damit bildet, so viel man darüber bisher in Erfahrung gebracht hat, ohne daß eine chemische Wirkung oder Umsetzung der Bestandtheile dabei statt hat. Obwohl man davon wenig Gebrauch machen wird, so interessirt es doch, dieses Verhalten zu kennen, weil er manchmal bei gewissen Operationen aus Phosphorsäure und Kalt erzeugt und dann mit Wasserglas zusammengebracht wird, wie wir weiter unten noch hören werden.

d) Aetzkalk.
(Gelöschter Kalk.)

Mit gelöschtem Kalk zusammengerieben, kommt das Wasserglas schnell zum Stocken (Gerinnen), und trocknet dann langsam zu einer ziemlich harten Masse aus. Es entsteht hier eine chemische Verbindung des Kalks mit Wasserglas und es wird Kali ausgeschieden, wenn hinreichend Wasserglas vorhanden ist. Daß diesem Product das Wasser nichts anhaben kann, versteht sich wohl von selbst. Er wird mit gutem Erfolg als Zuschlag zu andern nicht gut anziehenden Massen vielfach gebraucht werden können; man darf aber diesen doch nur wenig zusetzen, weil sonst wegen Gerinnung das Eindringen des Wasserglases verhindert würde.

e) An der Luft zerfallener Kalk.
(Halbkohlensaurer Kalk.)

Dieser verträgt sich ganz gut mit Wasserglas, wenn er damit zusammengerieben wird; er stockt (gerinnt) nicht und trocknet allmählich zu einer festen Masse ein, welche ein chemisches Product ist, bestehend aus kieselsaurem Kali und kieselsaurem Kalk. Als Zuschlag zu andern Massen kann er gute Dienste leisten. Und da der Aetzkalk in der Luft durch die Einwirkung der Kohlensäure bald in halbkohlensauren Kalk übergeht, so kann man z.B. mit Kalkmörtel hergestellte Mauerwände ohne Bedenken nach einiger Zeit mit Wasserglas tränken, um sie besser zu befestigen.

f) Quarzpulver.

Das Quarzpulver, wenn es auch noch so fein ist, zeigt keine große Adhäsionsneigung zum Wasserglas, was man kaum glauben möchte. Macht man damit eine mörtelartige Masse an und trägt sie auf eine |379| vorher mit Wasserglas getränkte Dachziegelplatte auf, so trocknet sie zwar nach mehreren Tagen zu einer festen Masse aus, widersteht auch dem Regen und wird auf der Oberfläche steinhart. Allein wenn man diese Oberfläche durchsticht und das Innere untersucht, so findet man es ganz mürbe und von Wasserglas verlassen, was sich an die Oberfläche hin gezogen hat. Nur durch öfteres Tränken mit Wasserglas kann ihm eine durchaus gleiche Consistenz ertheilt werden.

Anders verhält es sich, wenn das Pulver vorher mit etwas an der Luft zerfallenem Kalk gemengt und hierauf mit Wasserglas behandelt und noch ein paarmal mit Wasserglas imprägnirt wird. Das Gemenge wird auf diese Weise so compact, daß kaum etwas zu wünschen übrig bleibt.

Dasselbe findet mit dem Kalkmörtel, zu dem Quarzsand genommen worden, statt, wenn, nachdem er gut ausgetrocknet worden, Wasserglas beigefügt wird.

g) Gebrannter Thon und gebrannte Porzellanerde.

Diese beiden Körper gehören auch nicht zu denjenigen, mit welchen das Wasserglas stark bindet. Es tritt dabei auch die Erscheinung ein, daß sich wie beim Quarz das Wasserglas gegen die Oberfläche hinzieht und inwendig ein lockeres Pulver zurückläßt, was nur durch öfteren Zusatz von Wasserglas gebunden werden kann.

Auffallend verschieden verhalten sich Gegenstände von verschiedenen Thonsorten, wenn sie gebrannt worden und, wie es gewöhnlich der Fall ist, porös sind, so daß sie das Wasserglas einsaugen. Wird z.B. eine gebrannte Platte von Töpferthon, die keine besondere Festigkeit besitzt und leicht zerbrochen werden kann, mit mäßig concentrirtem Wasserglas getränkt und dieses nach jedesmaligem Trocknen wiederholt, so zeigt sie sich so fest, daß sie chemischen und mechanischen Kräften hartnäckigen Widerstand zu leisten vermag. Hrn. Professor Kaiser dient eine so zubereitete, aus sogenanntem Kapselthon verfertigte, nicht viel über einen halben Zoll dicke und so mürbe Platte, daß sie vor dem Tränken mit Wasserglas beim geringsten Druck in Stücke aus einander fiel, als Deckplatte in seinem Abdampfofen, worin Dämpfe von verschiedener Art über sie hinstreichen, die ihr aber bis jetzt in einem Zeitraum von ungefähr zwölf Jahren nichts anhaben konnten. So wie die Thonplatten, so können Gegenstände der Töpferei fast von aller Art durch Wasserglas solid und dauerhaft gemacht werden, wenn sie nämlich dasselbe gut einsaugen.

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h) Zinkoxyd (Zinkweiß) und Bittererde (Magnesia).

Diese beiden Körper wirken vorzüglich energisch auf das Wasserglas, und es zeigt sich auch hiebei ihre Analogie, welche sie in manchen andern natürlichen sowohl als künstlichen chemischen Verbindungen zu erkennen geben.

Das Zinkoxyd läßt sich mit Wasserglas zusammenreiben, ohne daß eine Stockung eintritt. Diese Masse, etwas dick auf eine feste Unterlage aufgetragen, die vorher mit Wasserglas getränkt worden, zieht langsam an und erhärtet allmählich, wobei sie sehr viele Sprünge bekommt und in viele kleine harte von der Unterlage sich ablösende Stücke zerfällt, die im Wasser sich nicht zertheilen, welches nur eine schwache alkalische Reaction annimmt, und ihre Härte beibehalten. Daraus ist zu schließen, daß das Zinkoxyd mit dem Wasserglas eine innige chemische Verbindung eingeht.

Wird das Gemisch von Zinkoxyd und Wasserglas nur dünn auf eine Unterlage aufgestrichen, so bleibt es fest daran haftend und gibt einen guten Ueberzug ab, dem beliebig auch eine Farbe beigesetzt worden kann.

Da dieses Oxyd eine so Stärke bindende Kraft besitzt und das Product derselben mit Wasserglas der Einwirkung des Wassers so vollkommen Widerstand leistet, so ist es nothwendig solchen Massen, die nicht genugsam binden, eine kleine Quantität beizugeben und damit gut zu mengen, ehevor das Wasserglas zugesetzt wird. Auch gut bindenden Massen kann ein kleiner Zuschlag von demselben nicht nur nicht schaden, sondern muß die Festigkeit vergrößern und jedenfalls das Hervordringen des Wasserglases zur Oberfläche vermindern.

Die reine Bittererde, nach der gewöhnlichen Art ihrer Darstellung, nämlich durch Ausglühen der reinen kohlensauren Bittererde, Magnesia usta genannt, mit concentrirtem Wasserglas zu einer teigartigen Masse zusammengerieben, zieht' schneller an als die mit Zinkoxyd, und erhärtet beim Austrocknen sehr stark, bekommt aber, wenn sie auf einer festen Unterlage etwas dicker als ein Kartenblatt aufgetragen wird, häufige Sprünge und macht sich größtentheils davon los. Die abgesprungenen Stückchen lassen beim Zerreiben eine bedeutende Härte wahrnehmen. Das dabei dienende Wasser reagirt alkalisch, gibt aber mit Salmiak keine Trübung zum Beweise, daß sich bloß etwas Kali, aber keine Kieselerde auflöst, oder höchstens eine Spur.70)

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Demnach unterliegt es keinem Zweifel, daß die Bittererde wie das Zinkoxyd sich mit Wasserglas chemisch verbindet, und wie dieses als Zuschlag zu andern wenig anziehenden Massen vortheilhaft benützt werden kann.

Ueber das Verhalten der kohlensauren Bittererde zum Wasserglas sind nur mit derjenigen Art, welche unter dem Namen Magnesia alba bekannt ist, Versuche gemacht worden, die alle befriedigende Resultate gaben. Die mit concentrirtem Wasserglas zu einem Teig angemachte und auf eine Glasplatte aufgetragene Masse zog bald an und bekam nach einigen Tagen eine solche Festigkeit, daß sie auf der Platte so stark Haftete, daß sie nur schwer mittelst eines Messers davon losgemacht werden konnte. Einige Stückchen davon wurden in Wasser gebracht und eine Zeit lang digerirt, wobei sich, ohne daß die Consistenz sich merklich änderte, etwas kohlensaures Kali auflöste ohne Kieselerde, indem Salmiak keine Trübung verursachte. Ein Theil wurde pulverisirt und mit Wasser ausgekocht, worin sich auch nun etwas kohlensaures Kali auflöste. Ein Theil wurde mit verdünnter Schwefelsäure übergossen, wodurch allmählich ein schwaches Brausen entstand, Bittererde nebst dem noch vorhandenen Kali sich auflöste und Kieselerde als ein rauhes Pulver zurückgelassen wurde, was sich leicht und vollkommen in Kalilauge auflöste.

Magnesia alba und Wasserglas wirken demnach offenbar chemisch auf einander, indem sich die Kieselerde nebst einem Antheil Kali mit der Magnesia verbindet und zugleich etwas kohlensaures Kali gebildet wird. Die Magnesia alba gehört mithin zu den vorzüglichsten Bindemitteln des Wasserglases.

i) Gyps.
(Wasserhaltiger schwefelsaurer Kalk.)

Der Gyps mit Wasserglas zusammengerieben, kommt sogleich zum Stocken und beim Austrocknen wittert sehr bald viel schwefelsaures Kali oder Glaubersalz aus, je nachdem man zu dem Versuche Kali- oder Natrum-Wasserglas genommen hat. Nach dem Austrocknen zeigt sich die Masse kaum merklich fester als der gewöhnliche Gyps. Eine chemische Wechselwirkung ist hier nicht zu verkennen. Aus diesem Verhalten ergibt sich, daß man aus Gyps verfertigte Gegenstände mit Wasserglas nicht imprägniren kann, um sie luftbeständiger und fester zu machen, indem es wegen des Stockens in dieselben nicht eindringen kann. Auch können wir, wie sich von selbst versteht, zu unserm Zweck keinen Gebrauch von diesem Körper machen, und es muß vermieden werden, daß sich bei irgend |382| einer Operation, die mit Wasserglas und den mit ihm zu vermengenden Körpern vorgenommen wird, Gyps bilden könne, und noch mehr, daß in diesen schon gebildeter vorhanden sey.

Ein besseres Resultat verspricht der Anhydrit (wasserfreier schwefelsaurer Kalk) und der ihm nach meiner Ansicht gleichkommende starkgebrannte Gyps; jedoch kann ich darüber noch keinen bestimmten Ausspruch thun, weil die damit begonnenen Versuche noch nicht beendigt sind. Diese und noch manche andere mit verschiedenen Körpern in Hinsicht ihres Verhaltens zum Wasserglas, als:

Schwerspath, Flußspath, Eisenoxyd, basische Eisensalze, Bleiglätte, Bleiweiß u.s.w. sollen später nachgetragen werden; die hier nebst ihrem Verhalten zum Wasserglas angeführten sind zu unserm Zweck genügend.

Bei diesen Versuchen, so wie vorzüglich in der Praxis ist es nicht gleichgültig, in welchem Concentrationszustande das in Anwendung kommende Wasserglas ist.

1 Maaßtheil concentrirtes Wasserglas zu 2 Maaßtheilen Wasser soll das Maximum und 1 Maaßtheil desselben Wasserglases zu 1/2 Maaßtheil Wasser dürfte das Minimum der Verdünnung seyn, bisweilen auch noch etwas darunter – je nach Umständen.

Ist es zu concentrirt oder zu verdünnt, so leistet es in manchen Fällen die Dienste nicht, die man von ihm verlangt. Ist es sehr concentrirt, so dringt es nicht leicht und tief genug in Körper ein, welche man damit imprägniren will, und ist es stark verdünnt und mit pulverförmigen Körpern zu einer teigartigen Masse angemacht, so kann diese zwar Anfangs nach dem Trocknen hinlänglich cohärent erscheinen, allein nach einigen Tagen findet man sie mehr oder weniger locker und mürbe, und kann nur durch öfteres Nachtragen von Wasserglas die erwünschte Festigkeit bekommen. Durch das verdünnte Wasserglas werden nämlich Körpertheile zu weit aus einander gehalten, so daß, wenn sich das Wasserglas zusammengezogen hat, unzählige kleine Zwischenräume entstehen, die den Zusammenhalt unterbrechen. Es kommt hiebei darauf an, wie weit man mit der Sättigung solcher Körper mit Wasserglas gehen will: ob bis dahin, daß sie gar kein Wasserglas mehr aufnehmen und ganz geschlossen sind, oder nur so weit, daß sie noch bis auf einen gewissen Punkt offen und demselben zugänglich bleiben sollen. Im ersten Falle wird die größtmögliche Festigkeit erzielt; im zweiten erlangt man den Vortheil, daß man später Färben und Anstriche auftragen und mit Wasserglas befestigen kann. Hiebei das gehörige Maaß zu halten, muß denen anheim gestellt bleiben, welche sich die Erreichung eines bestimmten Zweckes zur Aufgabe gemacht haben. Nur das will ich noch bemerken daß wenn |383| ein Körper ganz mit Wasserglas gesättigt und dadurch geschlossen ist, er wieder etwas geöffnet werden kann, wenn er erwärmt wird, oder, was sich leichter bewerkstelligen läßt, wenn man Weingeist ein- oder höchstens zweimal darüber abbrennen läßt.

Im Laufe der Zeit öffnen sich die Poren von selbst etwas, besonders wenn sie öfters dem Regen ausgesetzt werden, wodurch etwas Alkali fortgeführt wird und die Kieselerde immer mehr die Oberhand gewinnt, so daß zuletzt eine völlige Petrification bewirkt und das Endziel dieses Processes erreicht wird.

––––––––––

Man möchte vielleicht die Frage aufwerfen, welche von den Wasserglasarten die beste und zu den technischen Zwecken geeignetste, sey. Darüber läßt sich aber gegenwärtig noch nicht bestimmt entscheiden. Das Kali-Wasserglas, welches mit den damit gemengten pulverförmigen Körpern etwas schneller erhärtet als das Natrum-Wasserglas, mag vielleicht auch denselben eine etwas größere Festigkeit geben, als das Natrum-Wasserglas; aber der Unterschied ist auf keinen Fall bedeutend. Aber das Natrum-Wasserglas hat jedenfalls einen Vorzug vor jenem darin, daß es eine größere Liquidität besitzt, und daher viel leichter als das etwas klebrige und zähflüssige Kali-Wasserglas in die kleinsten Zwischenräume, Poren und Klüfte eindringt, was für den Steinarbeiter und Bildhauer nicht ohne Interesse ist.71) Da das Natrum die Kieselerde nicht so stark bindet, wie das Kali, und ein großes Bestreben hat, mit der Kohlensäure sich vereinigend auszuwittern, so möchte vielleicht darin ein Vorzug für das Natrum-Wasserglas liegen, weil hiedurch die Kieselerde leichter in Freiheit gesetzt und die Verkieselung der Masse schneller erzielt wird, was ich übrigens noch weiteren Erfahrungen überlassen will.

Das Doppelwasserglas scheint die Eigenschaften der beiden vorhergehenden zu vereinigen, und möchte vielleicht überhaupt vor diesen den Vorzug verdienen und zwar aus dem Grunde, weil es zwei Basen (Kali und Natrum) enthält, womit die Kieselerde, die es so zu sagen liebt doppelsalzartige Verbindungen einzugehen, sich kräftiger vereinigt.

|384|

Das Fixirungs-Wasserglas hat, wie oben schon gesagt worden, seine eigene Bestimmung, ist aber auch zu mancherlei andern Zwecken, besonders in der Malerei anwendbar.

Die drei ersten Wasserglasarten sind, wenn sie vollkommen mit Kieselerde gesättigt sind, immer mehr oder weniger trübe oder opalisirend, was von nicht vollkommen aufgelöster und höchst fein zertheilter Kieselerde herrührt.

Um ihnen dieses zu benehmen, was sogar öfters rathsam seyn möchte, darf man ihnen nur etwas Natrumkieselfeuchtigkeit zusetzen und sie ungefähr einen Tag lang unter öfterm Umrühren stehen lassen. Dadurch wird das Opalisiren völlig zum Verschwinden gebracht, und wie auch oben schon berührt worden, die Flüssigkeit ganz wasserklar hergestellt, wenn sie nicht zufällig durch eine andere (organische) Substanz gefärbt ist.

––––––––––

Schließlich muß hier angeführt werden, daß sich auf den Körpern, welche mit Wasserglas imprägnirt werden, bald früher bald später ein staubartiger Anflug, manchmal auch eine schwach krystallinische Auswitterung (Efflorescenz) zeigt. Diese Erscheinung hat manchen erschreckt und das Wasserglas als Bindemittel verdächtig gemacht. Allein diese Erscheinung ist nichts weniger als schädlich, sondern beweist vielmehr, daß der Erhärtungsproceß einen guten Fortgang nimmt, indem nämlich dadurch etwas Alkali ausgeschieden wird und die Kieselerde, welche denn doch das Hauptbindungsmittel ist, freier auf die zu bindenden Körper zu wirken vermag.

Wenn man diesen Anflug mit einem nassen Schwamm wegwischt, so findet man den Körper, auf welchem er zum Vorschein gekommen ist, nicht nur nicht beschädigt, sondern noch merklich fester als er vorher war.72)

|385|

Dieses Auswitterungsproduct habe ich anfangs für doppeltkohlensaures Kali gehalten, weil es aus Kali-Wasserglas kam, weßhalb ich mich nicht wenig verwunderte, als es durch genaue Untersuchung, welcher es Hr. Feichtinger, Assistent im chemischen Laboratorium des Hrn. Professor Pettenkofer, unterwarf, sich ergab, daß es nichts als kohlensaures Natrum und nicht mit einer Spur Kali vermischt ist. Da jede Potasche, welche aus Pflanzenasche gezogen wird und womit dieses Wasserglas war bereitet worden, stets mehr oder weniger kohlensaures Natrum enthält, so erklärt sich von selbst die unerwartete Erscheinung.

Zweiter Abschnitt.

Specielle Anwendung des Wasserglases.

Die Anwendung des Wasserglases geht aus seinen Eigenschaften hervor, wie schon im Vorhergehenden hin und wieder angedeutet wurde. Wenn man diese Eigenschaften immer gehörig berücksichtiget, so wird man auch bei der speciellen Anwendung keinen bedeutenden Schwierigkeiten begegnen und sich überall leicht zurechtfinden.

Zu den vorzüglichsten Nutzanwendungen des Wasserglases gehört unstreitig die zu malen, da es vorzüglich geeignet ist, die Färben gut zu binden und den Gemälden, so wie auch allen Anstrichen große Dauerhaftigkeit zu geben. Ich nenne diese Malart Stereochromie (von στεϱεός, fest, dauerhaft, und χϱωμα Farbe), indem ich darunter diejenige Methode zu malen verstehe, bei welcher das Wasserglas das Bindemittel der Färben und ihrer Unterlagen bildet, wodurch sich die Stereochromie von allen übrigen Malarten wesentlich unterscheidet.

Sie tritt als monumentale Malart mit der Frescomalerei in Concurrenz, über welche sie ohne Zweifel den Sieg erringen und noch ein weiteres Feld erobern wird. Im Königreiche Preußen ist, wie mir Hr. Echter jüngst sagte, die Frescomalerei schon mehrfach aufgegeben und Wandgemälde, die dort im Werke sind, werden in der stereochromischen |386| Technik ausgeführt. In England findet, wie ich höre, diese Methode auch großen Beifall.

Die sogenannte Enkaustik kann damit gar nicht in Vergleich kommen.73)

In München, der Metropole der aufblühenden deutschen Kunst, hat sie noch keinen Eingang finden können, so daß man beinahe sagen möchte, weil sie hier erfunden und von mir, vielleicht nicht dem rechten Manne, ausgegangen ist.

Indem ich nun zur Ausführung stereochromischer Malereien übergehe, finde ich mich bemüßiget, noch ein paar Vorbemerkungen zu machen.

Veranlassung zu diesem Unternehmen gaben mir die öfteren Klagen, welche ich über die Unvollkommenheit der Frescomalerei und insbesondere darüber hörte, daß sie in unserem Klima nicht aushalte. Dieses brachte mich auf den Gedanken, ob nicht vielleicht durch das Wasserglas die Färben auf den Mauerwänden besser und dauerhafter gebunden werden könnten, als durch den Kalk. Dieser Gedanke führte zu Versuchen, deren Resultate meine Ansicht bald bestätigten, bald verneinten. Es war auch nicht leicht über die Schwierigkeiten, welche sich bei der Ausführung zeigten, hinwegzukommen. Wäre ich selbst des Malens kundig, so würde viel unnöthige Arbeit vermieden worden seyn; allein da ich dieses nicht bin und immer fremdem Urtheile folgen mußte, so ging viel Zeit verloren, so daß beinahe fünf Jahre verflossen, bis man durch den Wirrwarr von zahlreichen, zum Theil fruchtlosen und mitunter kostspieligen Versuchen hindurch endlich unter lebhafter Theilnahme und unverdrossener Mitwirkung des Hrn. v. Kaulbach zu dem ersehnten Ziele gelangte.

|387|

Wer dieses liest, wird sich vielleicht wundern, daß so viel Zeit und Mühe nöthig gewesen zu einer Sache, die, wie sich im Nachfolgenden zeigen wird, höchst einfach ist.

Im Laufe dieser Arbeiten hat sich von selbst ergeben, daß die Stereochromie nicht bloß auf Mauerwände anwendbar sey, sondern auch auf mancherlei andern Unterlagen sich vortheilhaft anbringen lasse und auch Staffeleigemälde von einem nicht sehr großen Umfange hergestellt werden können; ferner, daß man auf gewisse Unterlagen auch unmittelbar, d. i. ohne Mörtelgrund stereochromische Gemälde und Anstriche anbringen könne. Zuerst von der

Wand- oder Monumentalmalerei auf Mörtelgrund.

Wenn man auf einer Mauerwand ein stereochromisches Bild schön und dauerhaft anbringen will, so hat man vorzüglich auf das Fundament des Kunstwerkes, nämlich auf den Mörtelgrund, Untergrund und Obergrund, Bedacht zu nehmen. Fehler, die dabei begangen werden, können das Malen erschweren und der Schönheit der Gemälde Eintrag thun. Die Hauptaufgabe dabei ist, dem Grund durch und durch gleiche steinartige Festigkeit zu geben und ihn gleichsam mit der Mauer zu verschmelzen, zugleich aber auch dabei zu erzielen, daß er das Wasserglas gut und an allen Stellen gleichmäßig einsaugt. Der erste Bewurf oder Untergrund wird mit gewöhnlichem Kalkmörtel gemacht, so daß die Unebenheiten an der Mauer ausgeglichen und das Gestein gut gedeckt wird. Der Sand dazu soll von mittlerem Korn, weder zu grob, noch zu fein seyn; es ist übrigens ziemlich gleichglütig, ob es Kalk- oder Quarzsand ist; jeder muß aber vor dem Gebrauche gut gewaschen werden. Der gehörig gelöschte Kalk muß sparsam angewendet werden, damit der Mörtel, welcher mit destillirtem oder Regenwasser anzumachen ist, mehr mager als fett ausfällt. Zu fetter Mörtel würde das darauf folgende Wasserglas nur schwer eindringen lassen und auch hin und wieder Sprünge bekommen, die wohl zu vermeiden sind.

Den so hergestellten Bewurf muß man nicht nur gut austrocknen, sondern auch mehrere Tage der Luft ausgesetzt lassen, daß er daraus Kohlensäure anziehen und sich in halbkohlensauren Kalk verwandeln kann. Denn wäre der Kalk in diesem Mörtel noch ganz ätzend, so würde das nachfolgende Wasserglas dadurch zersetzt werden und könnte nicht bis zur Mauer eindringen, was höchst nothwendig ist, wenn eine gute Bindung dadurch bewirkt werden soll.

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Um die Anschwängerung des Kalks mit Kohlensäure zu beschleunigen, kann man sich einer Auflösung von kohlensaurem Ammoniak bedienen, wodurch der Mörtel schon eine bedeutendere Festigkeit bekommt, wenn er damit ein paarmal benetzt wird. Ist er wieder ganz trocken geworden und das Ammoniak verdampft, so kommt, um ihn zu befestigen und an der Mauer haftend zu machen, das Wasserglas in Anwendung, womit er wiederholter Malen nach jedesmaligem Austrocknen (fast bis zur Sättigung) gut getränkt werden soll. Das hiebei zu gebrauchende Wasserglas soll Natrum- oder Doppel-Wasserglas seyn, versetzt mit so viel Natrumkieselfeuchtigkeit, daß es nicht opalisirend, sondern ganz klar ist.

Das Natrum- oder Doppel-Wasserglas ist dem Kali-Wasserglas vorzuziehen, weil es besser absorbirt wird als dieses. Keines ist im concentrirten Zustande anzuwenden, sondern jedes ist mit gleichen Theilen Wasser dem Volumen nach zu verdünnen, weil sonst zu befürchten wäre, daß es nicht bis zur Mauer eindränge. Da der Bewurf, der Unebenheiten der Mauer wegen, nicht an allen Stellen gleich dick seyn kann und die dicken mehr Wasserglas verlangen als die dünnen, und daher jene noch einsaugen, während diese schon gesättigt sind, so muß man jene mit einem nassen Pinsel aufsuchen und mit so viel Wasserglas tränken, bis sie den übrigen gleich geworden sind.

Ist der Untergrund auf diese Weise befestigt, so kann bald nachher der Obergrund, welcher das Bild aufnehmen soll, angebracht werden. Auf die gehörige Beschaffenheit desselben kommt, ich wiederhole es, sehr viel an, wenn das erwünschte Ziel mit Sicherheit und ohne Schwierigkeit erreicht werden soll.

Zu diesem Zwecke soll der Obergrund, der im Wesentlichen nicht verschieden ist von dem Untergrund, mit destillirtem oder Regenwasser und gut gewaschenem Sande (Kalk- oder Quarzsand) von einem bestimmten, eine gewisse Größe nicht übersteigenden Korn hergestellt und ziemlich mager geholten werden, damit er keine Sprünge bekommt und gut einsaugen kann. Um dem Sand das gehörige Korn zu geben, muß er durch ein Sieb geschlagen werden, und zwar durch dasjenige, was hier (in München) mit Nr. 9 bezeichnet wird und dessen Maschen 5 Punkt rheinisch weit sind.

Was die Qualität des Kalksandes anbelangt, so bin ich der Meinung, daß künstlicher, d. i. durch Zerstoßen von Marmor oder Dolomit erhaltener, dem natürlichen vorzuziehen sey, weil dieser aus rundlichen, gleichsam abgeschliffenen Körnern besteht, welche weniger gut binden als die schärferen und mit frischer und rauher Oberfläche versehenen Körner |389| des künstlichen Sandes. Das ganz feine Pulver aber, was zwar zu einer guten Bindung sehr vortheilhaft ist, muß entweder durch Schlämmen oder durch ein feines Sieb entfernt werden, weil sonst die Masse zu compact und nicht mehr gut einsaugend gemacht würde.

Die Beschaffenheit der Oberfläche des Malgrundes ist hauptsächlich von der Größe der Körner des Sandes abhängig; je gröber diese sind, desto rauher wird sie ausfallen, was bis zu einem gewissen Grade beim Malen gut zu statten kommt, soweit daran die bloß mit Wasser aufzutragenden Färben hinlänglich haften, bis das Wasserglas hinzukommt.

Auf keinen Fall darf die Oberfläche glatt oder abgeschliffen seyn, weil sie die Färben ohne Bindemittel nur wenig oder gar nicht annimmt. Die Oberfläche muß, wie v. Kaulbach sich ausdrückt, ähnlich anzufühlen seyn wie eine Feile. Es ist hier auch ein Unterschied zu machen zwischen den Bildern, welche in der Nähe angesehen werden und denjenigen, welche in einiger Entfernung zur Anschauung kommen; bei diesen kann das Korn der Oberfläche merklich gröber seyn, als bei jenen, weßhalb zu jenen ein etwas feinerer Sand in Anwendung zu bringen ist.

Dieser Grund oder Mörtel wird ungefähr eine Linie dick auf dem Untergrunde möglichst eben aufgetragen und wenn er trocken geworden, mit einem scharfen Sandsteine (in Berlin geschieht dieses mit einem eisernen Lineal) abgerieben, um die dünne Lage von kohlensaurem Kalk, welche sich beim Austrocknen gebildet hat und das Einsaugen des Wasserglases hemmen würde, wegzunehmen und zugleich der Oberfläche die gehörige Rauhheit zu geben.

Ich bin jedoch mit diesem Verfahren nicht einverstanden, und halte es für weit besser durch ein einfaches chemisches und schon erprobtes Mittel die besagte Kalkkruste zu zerstören; nämlich durch verdünnte Phosphorsäure (auf einen Theil concentrirte Säure sechs Theile Wasser). Ein mit dieser Flüssigkeit getränkter Schwamm oder ein damit genetzter Pinsel, womit die Oberfläche überfahren wird, leistet dabei den nöthigen Dienst. Da der hierbei entstehende phosphorsaure Kalk mit Wasserglas gut bindet, so geht dadurch der Mörtelmasse nicht der mindeste Nachtheil zu, und es wird dadurch zugleich verhindert, daß kleine Stücke beim mechanischen Abreiben herausspringen und sich kleine Vertiefungen bilden, die dann erst wieder ausgebessert werden müssen.

Wenn der Grund so weit fertig und gut ausgetrocknet ist, so wird er mit Wasserglas imprägnirt, um ihm gehörige Consistenz zu geben und ihn mit dem Untergrunde gehörig zu verschmelzen. Dazu kann mit Natrumkieselfeuchtigkeit klar gemachtes Doppel-Wasserglas, mit gleichen Theilen Wasser verdünnt, vortheilhaft angewendet werden. Meist wird es |390| genügen, diese Operation nach jedesmaligem Austrocknen der Masse zweimal zu machen; denn es ist hiebei Ziel und Maaß zu halten, daß durch zu vieles Wasserglas die Poren nicht verschlossen werden, wodurch das Malen bedeutend erschwert würde. Ist in dieser Beziehung ein Uebersehen gemacht worden, so kann, wenn man den Mörtel nicht wegnehmen will, nur dadurch dem Uebel abgeholfen werden, daß man eine Zeit lang mit dem Malen wartet, bis sich durch weitere Zusammenziehung des Wasserglases der Grund von selbst wieder öffnet. Durch Wärme würde dieses sehr beschleunigt werden, und dieses könnte am leichtesten dadurch geschehen, daß man Weingeist darüber abbrennen ließe.

Hierauf, nachdem der Obergrund entweder durch Abreiben oder Phosphorsäure vorbereitet worden und am besten mit Doppel-Wasserglas, dem etwas Natrumkieselfeuchtigkeit zugesetzt worden, befestigt worden ist, in der Art, daß dieses gleichmäßig auf der Oberfläche vertheilt worden und der Grund auf allen Punkten sich gut und gleichmäßig einsaugend zeigt, kann das Malen beginnen. Es hat aber damit keine Eile, ja es ist sogar gut, wenn eine Zeit lang gewartet wird, weil inzwischen der Grund mehr austrocknet und dadurch die Fähigkeit einzusaugen, was zum Malen unumgänglich nothwendig ist, gesteigert wird.

Ist die gehörige Vorbereitung getroffen worden, so hat das Malen für einen gewandten Künstler gar keine Schwierigkeit, und es ist keine besondere Instruction dazu nöthig, die ich auch nicht geben könnte, da ich kein Maler bin. Indessen kann sich Jeder durch einige im Kleinen vorzunehmende Proben leicht von selbst einüben und das Malen an kleinen Staffeleibildern versuchen.

Wollte einer das Besagte bezweifeln und Bedenken tragen, ein größeres Werk zu unternehmen, so könnte er sich am besten bei den HHrn. v. Kaulbach und Echter Raths erholen, die ihm, ich bin es überzeugt, bereitwilligst die gewünschten Anweisungen geben würden. Die Färben werden bloß mit reinem Wasser kunstmäßig aufgetragen unter öfterm Anspritzen der Mauer mit reinem Wasser, um die Luft aus den Poren zu verdrängen und das Anhaften der Färben zu befördern. Dieses Anspritzen soll aber mäßig seyn, nur so viel als nöthig ist und dabei möglichst verhindert werden, daß die angränzenden schon gemalten Partien nicht zu sehr davon getroffen werden, weil sonst, wie Hr. Echter bemerkt, die Färben etwas an Lebhaftigkeit verlieren würden; was, wie es scheint seinen Grund darin hat, daß durch zu vieles Anspritzen mit Wasser die feinsten und am wenigsten kräftigen Farbentheile auf die Oberfläche geschlämmt und so von den übrigen kräftigem getrennt werden. Diese unerwünschliche Erscheinung kommt besonders an denjenigen |391| Stellen vor, welche öfter übermalt und dabei immer benetzt werden müssen. Hr. Echter hat aber auch das Mittel gefunden, diesen Uebelstand dadurch vollkommen zu heben, daß nach dem Trocknen und vor dem Fixiren diese matten Farbentheile mittelst eines sehr feinen Pinsels abgebürstet wurden, wornach dann die Farben wieder in ihrer ursprünglichen Reinheit zum Vorschein kommen.

Es ist dann nichts weiter mehr übrig, als die Farben gehörig zu fixiren, wozu das Fixirungs-Wasserglas, was oben schon besonders zu diesem Zwecke bezeichnet wurde, bestimmt ist. Es genügt dasselbe mit 1/2 Theil Wasser zu verdünnen.

Da aber die Farben nur sehr schwach haften und den Gebrauch des Pinsels nicht gestatten, so muß das Wasserglas in Form eines feinen Regens oder Nebels auf das Gemälde hingespritzt werden, und zwar anfangs sehr behutsam, damit die Farben nicht aus ihrer Lage kommen und in einander fließen. Zu diesem Zwecke hat Hr. Professor Schlotthauer, der sich viel mit stereochromischen Versuchen beschäftigte, und diesen sehr viel geopfert hat, eine Spritze erfunden, welche kaum etwas zu wünschen übrig läßt und wofür man ihm Dank schuldig ist. In der neuern Zeit soll sie noch bedeutend von ihm verbessert worden seyn. Diese Operation wird unter abwechselndem Anspritzen und Austrocknen so lange fortgesetzt, bis die Farben so fest haften, daß, wenn man darüber mit dem Finger hinfährt, nichts abgeht. Wenn durch starkes Reiben weiße Taschentücher, die man bisweilen dazu nimmt, beschmutzt werden, so beweist dieses nichts gegen die Haltbarkeit der Farben, weil beim Reiben unter starkem Druck Sandkörner los werden, welche die Farben angreifen, was aber nicht die Taschentücher unmittelbar für sich thun. Dasselbe kann man auch bei Frescogemälden erfahren.

Beim Probiren der Farben hinsichtlich deren Haltbarkeit und Festigkeit findet bisweilen ein Unterschied darin statt, daß, während einige hinreichend fixirt sind, andere noch mehr oder weniger locker sich zeigen und die Finger beschmutzen. Zu diesen gehören die sogenannten magern Farben, z.B. Schwarz. Diese verlangen noch mehr Wasserglas, was ihnen mittelst eines feinen Pinsels beigebracht werden muß, bis sie gleich den übrigen fest haften, v. Kaulbach sagte mir aber jüngst, daß dieser Fall nur noch äußerst selten vorkomme, weil durch gehörige Mischung der Farben vorgebeugt werden kann.

Dieses ist im Wesentlichsten das Verfahren, nach welchem Hr. Director v. Kaulbach, unterstützt von dem vortrefflichen Maler Hrn. Echter, im neuen kgl. Museum zu |392| Berlin 4 große stereochromische Wandgemälde mit gesteigerter Vollkommenheit ausgeführt hat, worüber, besonders über das letzte, nur eine Stimme des Beifalls herrscht, und welche alle unparteyischen Künstler und Kunstfreunde für einen tatsächlichen Fortschritt in der Monumentalmalerei anerkennen.

(Der Schluß folgt im nächsten Heft.)

An der k. bayer. Akademie der Wissenschaften in München wurde im März 1852 eine Commission gebildet, deren Aufgabe es ist, durch wissenschaftliche Untersuchung und Bearbeitung in der gewerblichen Technik und in der Landwirthschaft Dunkles aufzuhellen, Zweifelhaftes zu entscheiden, Neues weiter zu verfolgen; dieser naturwissenschaftlich-technischen Commission haben Seine Königliche Majestät aus Ihrer Cabinetscasse eine jährliche Summe zur Verfügung zu stellen geruht. Die Commission hat seit ihrer Gründung theils wissenschaftlich-technische Arbeiten veranlaßt, theils eine Reihe von Anfragen beantwortet, technische Leistungen geprüft und durch Unterstützung ermuntert, sodann sind von ihren Mitgliedern selbst mehrere Arbeiten unternommen worden, deren Resultat in einzelnen Heften veröffentlicht werden wird.

Das kürzlich (in der Literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung in München) erschienene erste Heft enthält außer obiger Abhandlung und der bereits in andere Zeitschriften übergegangenen von Prof. v. Liebig über Versilberung und Vergoldung des Glases, noch folgende: 1) über eine Kohlensäure-Presse, von Fr. v. Kobell; 2) Untersuchungen über den Werth des englischen Patentfleisches, von Prof. Dr. E. Harleß; 3) über das Hämatinon der Alten und über Aventuringlas, von Dr. Max Pettenkofer; 4) über das Verhalten des Zinks in der Atmosphäre, von Demselben; 5) über ein einfaches Verfahren, die Dicke einer Verzinkung auf Eisen zu schätzen, von Demselben; 6) über die Bereitung und Anwendung des Natron-Wasserglases, von Prof. A. Buchner; 7) über die Beziehungen des ozonisirten Sauerstoffes zur praktischen Chemie, von Prof. C. F. Schönbein; 8) über die Theorie der Fehler, mit welchen die durch optische Instrumente gesehenen Bilder behaftet sind, und über die mathematischen Bedingungen ihrer Aufhebung, von Prof. Ludwig Seidel.

A. d. Red.

|367|

Siehe Kastner's Archiv für die gesammte Naturlehre, Jahrgang 1825, Bd. V S. 385 (polytechn. Journal Bd. XVII S. 465). Ein besonderer Abdruck davon erschien bei Leonhard Schrag in Nürnberg unter dem Titel: Ueber ein neues Product aus Kieselerde und Kali; von Dr. Joh. Nep. Fuchs, Professor der Mineralogie und Akademiker in München.

|367|

Der Name „Wasserglas“ bezeichnet eigentlich ein Genus, wovon es gegenwärtig die eben genannten vier Specien (Arten) gibt. Ob sich auch ein Lithion-Wasserglas darstellen läßt, weiß ich nicht. Vielleicht gäbe es ein gutes Product, wenn beim Kali-Wasserglas ein Theil des Kalis durch Lithion ersetzt würde; und dazu könnten diese beiden Alkalien, welche aus dem Lithion-Glimmer (Lepidolith) auszuscheiden wären, benützt werden. Dieses Doppel-Wasserglas würde zwar hoch zu stehen kommen, allein es könnten Fälle vorkommen, wobei man die Unkosten nicht zu sehr zu scheuen hätte.

|367|

Hr. Friedrich Fikentscher, chemischer Fabrikant in Zwickau, der es zuerst im Großen bereitete, versah Jedermann, der davon Gebrauch machen wollte, nur mit dieser Art, und es ist stets bei ihm von bester Qualität zu haben. Auf Verlangen wird er gewiß bereit seyn, auch die andern Arten, besonders das Natrum-Wasserglas, in gleich guter Qualität und für den billigsten Preis zu liefern.

|377|

Zu den Adhäsions-Verbindungen gehören höchst wahrscheinlich, auch mehrere Mineralien, worin zwei oder mehrere Specien in Verbindung sich befinden, die noch immer von den Mineralogen als eigene Specien betrachtet werden. – Hieher gehören ohne Zweifel auch mehrere Metall-Gemische. Siehe Journal für die Chemie, Physik und Mineralogie von Gehlen, achter Jahrgang, Bd. VI S. 153.

|380|

Man darf sich nicht wundern, daß sich beim Zerreiben dieser und anderer ähnlicher Massen mit Wasser etwas Kali auflöst, da ja dieses auch beim gewöhnlichen Glas der Fall ist, wenn es eine Zeit lang in einer Achatschale mit Wasser gerieben wird, und durch länger fortgesetztes Sieden des Wassers in einer gläsernen Retorte das Glas angegriffen wird, wie bereits Scheele dargethan hat.

|383|

Der verstorbene Professor und Bildhauer Maier sagte mir, daß wenn er einige Tropfen Natrum-Wasserglas in die feinsten Klüfte eines Steines einlaufen ließ, er nach Verlauf von zwei Tagen so darüber hinarbeiten konnte, wie wenn gar kein Fehler im Steine vorhanden gewesen. Diesen Vortheil gewährte ihm das Kali-Wasserglas durchaus nicht, weil es nämlich nicht so dünnflüssig ist und daher nicht gehörig in die Klüfte eindringt.

|384|

Diese Auswitterung ist ja nicht zu verwechseln mit derjenigen lästigen, welche so oft an feuchten Mauern entsteht, den Mörtel auflockert und zuletzt auch wohl ganz abstoßt und nicht mit Unrecht Mauerfraß genannt wird. Dieser kommt von Salzen her, welche gleich anfänglich mit dem Materiale in das Gebäude kommen, welches zur Herstellung der Mauern verwendet wird, und dazu trägt gewöhnlich am meisten das salzhaltige Quellwasser bei, welches zum Anmachen des Mörtels gebraucht wird. Oefters findet nebenbei auch Salpeterbildung statt. (Hier in München wittert meist Bittersalz auf den Mauern aus.) Dieses Uebel kann sich allmählich verlieren, wenn alles darin befindliche Salz ausgetreten ist. Es gibt aber auch noch eine andere Quelle des Mauerfraßes, die unversiegbar ist, wenn nämlich die Mauern in einem feuchten und salzhaltigen Boden stehen, woraus ohne |385| Unterlaß die Salze von den Mauern aufgesogen werden. Gibt man auch der Mauer nach Wegschaffung alles verdorbenen Mörtels einen frischen Bewurf, so kommt er doch über kurz oder lang wieder zum Vorschein. Nur ein Bewurf von Wasserglas-Mörtel, nachdem die beschädigte Stelle gehörig gereinigt und mit concentrirtem Wasserglas imprägnirt worden, könnte auf längere Zeit diesem Uebel abhelfen.

|386|

Die in Pompeji ausgegrabenen Gemälde wurden früher immer für enkaustische gehalten, und man mühte sich viel ab sie nachzuahmen, was aber ganz fruchtlos blieb, da sie das nicht sind, wofür man sie hielt, sondern Fresken, wie Hr. Professor Schafhäutl bis zur Evidenz erwies. (Siehe Augsburger Allgem. Zeitung vom 6. und 7. Januar 1845, Beilage S. 42 und polytechn. Journal Bd. XCV S. 76.)

Gleichwohl wurde man hier bestimmt, große und kostspielige Gemälde nach einer gewissen enkaustischen Art herstellen zu lassen. – Ein großer Rückschritt in der monumentalen Malerei!

Die in Pompeji zu Tage gebrachten Gemälde halten sich nicht lange unversehrt, sondern gehen allmählich zu Grunde. Um sie davor zu schützen, hat man sie mit Wachs getränkt und mit Sandarac (Harzfirniß) überzogen, wodurch sie aber sehr viel an ihrer ursprünglichen Schönheit verloren. Wäre es nicht weit besser, sie mit Wasserglas (Fixirungs-Wasserglas) zu imprägniren, wodurch sie gewiß sehr dauerhaft werden und an ihrer Schönheit nichts einbüßen würden? Das hiebei vielleicht auswitternde kohlensaure Natrum dürfte man nur mit einem nassen Schwamm wegwischen, wornach das Bild unbedenklich mit destillirtem Wasser abgewaschen werden kann.

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