Titel: P. Rittinger's Versuche über die Leistung des Wassertrommelgebläses.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 1 (S. 71–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi01_1

P. Rittinger's Versuche über die Leistung des Wassertrommelgebläses.

Da über die Leistung des Wassertrommelgebläses bisher noch keine verläßlichen Versuche bekannt sind, und es daran gelegen ist, den Wirkungsgrad dieser äußerst einfachen Maschine genau zu kennen, so wurden auf Anordnung des hohen k. k. Finanzministeriums an mehreren Orten Siebenbürgens Versuche mit bereits im Gange befindlichen Wassertrommeln abgeführt, unter welchen namentlich jene des Hrn. Hammerverwalters Rieger zu Sebeshely hervorzuheben sind, doch erlaubten es die Localverhältnisse an diesem Orte nicht, die Messung der verbrauchten Wassermenge mit genügender Sicherheit vorzunehmen. Das hohe k. k. Finanzministerium ordnete daher die Aufstellung eines derartigen Gebläses auf dem Eisensteinbergbau Gollrag bei Mariazell an, um die gewünschten Daten mit Hülfe desselben erheben zu können. Das Gebläse ist nach Angabe des Hrn. Sectionsrathes Rittinger erbaut. Die Construction desselben ist so ziemlich den in Oesterreich, namentlich in Siebenbürgen an mehreren Orten bestehenden Vorrichtungen dieser Art angepaßt. Das ganze disponible Gefälle an dem Aufstellungsorte beträgt 20' 1''; am obern Ende des Einfallrohres welches vom Boden des obern Wasserreservoirs bis zum Windkasten reicht, wurden rundherum 24 Luftsaugeröhren von 3/4 Durchmesser, nach außen erweitert, angebracht, und ebenso im Boden des Sperrkegels, der das obere Ende der Einfallröhre verschließt und den Wasserzufluß regulirt, 5 Luftröhren |72| von 1'' unterem Durchmesser eingesetzt; der Durchmesser des Einfallrohres beträgt 10''. Der Windkasten ist ein gewöhnlicher umgestürzter Bottich, in dessen Boden das Einfallrohr mündet; seitwärts vom Einfallrohre wurden zwei aufwärts gerichtete Blechdüsen auf dem Boden des Windkastens befestigt, auf welche Aufsatzstücke von verschiedenem Durchmesser gesteckt werden konnten, um die Leistung des Gebläses auch bei verschiedenen Düsenquerschnitten zu ermitteln. Zur Bestimmung der Windpressung wurden in die Düsenmündungen Manometer, mit dem einen Schenkel dem Windstrome gerade entgegen, eingesetzt und außerdem am Boden des Windbottichs, dann in der Mitte und am obern Ende des Einfallrohres Manometer angebracht. Die Bestimmung der verbrauchten Wassermenge verdient um so größeres Vertrauen, als sie auf directe Weise durch Aichen des austretenden Quantums geschah. Zu dem Ende wurde der Windbottich nicht unmittelbar in das Unterwasser, sondern in einen viereckigen Wasserkasten auf ein Balkenkreuz gestellt, zwischen dessen Armen das Wasser unter dem Rande des Windbottichs in den Wasserkasten austrat. Aus Letzterem floß das Wasser über 6 in gleicher Höhe vom Boden befestigte Lutten ab und konnte durch das Aichgefäß bei jeder einzelnen Lutte aufgefangen werden. Diese Einrichtung ermöglichte eine vollkommen bequeme und sichere Aichung; denn war einmal der Sperrkegel einige Zeit in bestimmter Höhe festgestellt, daher der Wasserabfluß im Ganzen und über jede einzelne Lutte constant geworden, so brauchte man bloß die per Secunde über jede einzelne Lutte abfließende Menge zu messen und diese einzelnen Größen zu summiren, um die ganze Wassermenge per Secunde zu erhalten.

Der Wasserzufluß in die Einfallröhre geschah, wie schon erwähnt, nicht aus einem Fluder, sondern aus einem besondern Reservoir, welchem das Wasser durch eine Röhre zugeführt wurde, daher blieb auch der Wasserstand im Reservoir, folglich das Gefälle nicht ganz gleich, da bei Hebung des Sperrkegels der Wasserstand im Reservoir sank; doch dürfte dieser Umstand keinen erheblichen Einfluß auf die Versuchsresultate äußern.

Es wurden im Ganzen 9 Versuche bei Wassermengen von 1,108, 2,002 und 2,958 Kubikfuß pr. Secunde, welchen Gefälle von 18 1/3, 17 1/3 und 15 1/2 Fuß entsprachen, und Düsendurchmessern von 2, 1 1/2 und 1 Zoll abgeführt.

Die Resultate der Versuche sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt, in welcher die Manometerhöhen in Zollen Wassersäule angegeben sind:

Textabbildung Bd. 142, S. 72

Man ersieht aus den angegebenen Resultaten, daß die Manometerhöhen im Windkasten und an der Düsenmündung unter sich ziemlich gleich sind; oben am Einfallrohre negativ, da hier Luft gesaugt wird. In der Mitte des Rohres war der Manometerstand so starken Schwankungen um den Nullpunkt herum unterworfen, daß keine auch nur einigermaßen verläßliche Höhe abgenommen werden konnte. Bei |73| größerem Düsenquerschnitt nimmt, wie natürlich, die Pressung ab. Der Nutzeffect erreicht seine größte Höhe mit 5,9 Proc., ist also weit geringer, als man denselben gewöhnlich anzunehmen pflegt; so setzt Morin den Nutzeffect einer gut construirten Wassertrommel zu 1/10, also 10 Procent der Wasserkraft10); Flachat nimmt denselben im günstigsten Falle ebenfalls zu 10 Proc. an11).

Obwohl nun gewiß ist, daß der Kraftaufwand bei Wassertrommeln im Verhältniß zur erhaltenen Nußleistung unverhältnißmäßig groß ist, so spricht dennoch dort, wo die Wasserkraft nicht geschont zu werden braucht, die schnelle, durch jeden Zimmermann ausführbare und äußerst wohlfeile Herstellung, die Seltenheit der erforderlichen Reparaturen, die ausreichende Brauchbarkeit bis zu 16''' Quecksilber Pressung, für deren Verwendung bei Frisch- und besonders bei Ausheizfeuern der Streckwerke, namentlich in Gegenden, welche nicht zu sehr dem Froste unterliegen, welcher allerdings der größte Feind dieser Art von Gebläsen ist. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1856, Nr. 35.)

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Schwind, Vademecum des prakt. Mechanikers, S. 378.

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Traité de la fabrication du fer et de la fonte, I. pag. 357.

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