Titel: Ueber Chenot's Verfahren zur Darstellung von Metallen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 2 (S. 73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi01_2

Ueber Chenot's Verfahren zur Darstellung von Metallen.

Chenot zu Clichy brachte in der vorjährigen Pariser Industrie-Ausstellung sein neues Verfahren, Metalle aus ihren Erzen darzustellen, zur Anschauung, und zwar in Anwendung auf die Darstellung des Eisens oder vielmehr des Stahls.12) Diese Methode besteht darin, das Metall in Form von Metallschwamm zu reduciren, den Schwamm zu concentriren, zu comprimiren und zu schmelzen. Die gerösteten Erze werden in nach und nach steigender Hitze reducirt, ohne zu schmelzen, selbst ohne zusammenzusintern, und müssen beinahe kalt aus dem Ofen gezogen werden, weil sie sich sonst augenblicklich wieder oxydiren. Sie bilden eine poröse, einem Metallschwamm nicht unähnliche Masse. So werden sie mit einer harzigen oder fetten Substanz, etwa Theer, getränkt, dann ausgeglüht, um nur den nöthigen Antheil von Kohle darin zu lassen. Die Destillationsproducte, welche sich bilden, werden benutzt. So wird die Masse gestampft und in Formen stark zusammengedrückt, damit sie einen kleineren Raum einnimmt und weniger oxydirbar wird. Diese Stücke werden zerschlagen und im Schmelztiegel geschmolzen. Die Schlacke schwimmt über dem Metall, wird durch einige Kunstgriffe entfernt, und das Metall ist, wie die Versuche der Jury nachgewiesen, sehr guter Gußstahl. Wenn dieser Proceß nun auch noch nicht in einem großen Maaßstabe angewendet wird, so wird derselbe doch in fortlaufender industrieller Weise ausgeübt.

Die Urtheile competenter Richter über dieses Verfahren sind ungemein verschieden gewesen. Die Jury der XV. Classe – für Stahl und Stahlwaaren – hat sich gar nicht damit beschäftigen wollen, weil nach den ihr zugekommenen Notizen sich dasselbe auf Versuche beschränkt und ihr die Ausführung im Großen zweifelhaft erschien. Die Jury der I. Classe (für Bergbau- und Hütten-Erzeugnisse) hingegen hat diesem Verfahren eine so große Wichtigkeit beigemessen, daß sie dem Aussteller Chenot einstimmig die Ehrenmedaille zuerkannt hat. Die Erfahrung und die Zeit wird richten! Es möge hier nur bemerkt werden, daß alle oft wiederholten neueren Versuche, die Darstellung des Eisens auf ihren Urzustand, d.h. auf die Umgehung der Production von Roheisen (eines Eisencarburets) zurückzuführen, bisher gescheitert sind. (Amtlicher Bericht über die Allgemeine Pariser Ausstellung von Erzeugnissen der Landwirthschaft, des Gewerbfleißes und der schönen Kunst im Jahre 1855. Erstattet unter Mitwirkung der Preisrichter und Berichterstatter der deutschen Staatsregierungen durch Dr. G. von Viebahn und Dr. E. L. Schubarth. Berlin, 1856. Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei.)

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Man sehe die Beschreibung seines Patents im polytechn. Journal Bd. CXXXVIII S. 209.

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