Titel: Ueber den Gußstahl von Uchatius.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 3 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi01_3
|74|

Ueber den Gußstahl von Uchatius.

Mit Bezug auf den vorstehend Seite 34 über dieses Verfahren mitgetheilten Bericht geben wir nachträglich die Beschreibung des Patents, welches sich Hr. F. Uchatius am 1 October 1855 in England ertheilen ließ:

„Um Gußstahl mit geringeren Kosten zu fabriciren, als es bisher möglich war, schmilzt der Erfinder Roheisen reinster Qualität in einem Ofen und gießt das flüssige Metall in kaltes Wasser, um es zu granuliren; das Roheisen ist nun in dem geeigneten Zustande für den Proceß wodurch es in Gußstahl umgewandelt wird. Dieser Proceß gründet sich auf die bekannte Thatsache, daß das Gußeisen, wenn es mit oxydirten Substanzen umhüllt oder umgeben, der Cementirhitze ausgesetzt wird, einen Theil seines Kohlenstoffs abgibt, welcher sich mit dem aus den umhüllenden Substanzen frei gewordenen Sauerstoff zu Kohlenoxydgas oder kohlensaurem Gas verbindet. Wird die Operation vor Beendigung des Processes unterbrochen, so bekommt man ein theilweise entkohltes Eisen, dessen Oberfläche in ein reines Eisen umgewandelt ist, während die inneren Theile unverändert blieben; oder mit anderen Worten, der Fortschritt der entkohlenden Wirkung hängt von dem Betrag metallischer Fläche ab. die mit dem sauerstoffliefernden Material in Berührung kommt, mit welchem das Eisen umgeben ist. Um daher diese Operation zu beschleunigen, wird das Roheisen durch Granuliren in gehörig zertheilten Zustand versetzt. Um ferner Brennmaterial und Handarbeit zu ersparen, wird die Hitze, welche erforderlich ist um die Entkohlung des Eisens zu bewirken, auch angewendet um das Metall, nachdem es hinreichend entkohlt ist, in geschmolzenen Zustand überzuführen; so wird das granulirte Roheisen in einer und derselben Hitze in Gußstahl umgewandelt, welcher nur geschmiedet zu werden braucht, um Handelswaare zu seyn. – Das granulirte Roheisen wird mit beiläufig 20 Procent geröstetem und pulverisirtem Spatheisenstein und 4 Proc. feuerfesten Thon gemengt, und dann in Tiegeln von feuerfestem Thon in einem Ofen, wie sie in den Gußstahlfabriken gebräuchlich sind, der Schmelzhitze ausgesetzt; dabei bewirken die das Roheisen umhüllenden Oxyde zuerst eine theilweise Entkohlung desselben, welche mit der Größe der angewandten Körnchen im Verhältniß steht; in Folge des fortgesetzten Erhitzens schmilzt das Eisen, trennt sich von den (verschlackten) Uneinigkeiten womit es gemengt war, und reißt dabei einen Theil des im Spatheisenstein enthaltenen Eisens mit sich, wodurch das Ausbringen an Gußstahl um beiläufig 6 Procent erhöht wird. – Die Qualität des Stahls läßt sich bei diesem Verfahren beträchtlich modificiren. Je feiner das Roheisen granulirt worden ist, desto weicher wird der mit demselben erhaltene Stahl seyn. Die weicheren Sorten schweißbaren Gußstahls kann man erhalten, indem man dem oben erwähnten Gemenge gutes Stabeisen in kleinen Stücken zusetzte und die härteren Sorten durch einen Zusatz von Holzkohlenpulver.“ (Chemical Gazette, September 1856, Nr. 334.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: