Titel: Die verschiedene Zusammensetzung der Kuhmilch bei öfterem Melken; vom Administrator Rohde in Eldena.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 6 (S. 75–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi01_6

Die verschiedene Zusammensetzung der Kuhmilch bei öfterem Melken; vom Administrator Rohde in Eldena.

Ueber diesen Gegenstand wurden bereits in dem Journal für Landwirthschaft, 1855 S. 415, einige Versuche mitgetheilt, die im Februar 1855 auf einem Gute in der Nähe von Göttingen angestellt worden sind. Dieselben haben das Resultat gegeben, daß die Milch reicher an festen Bestandtheilen und namentlich auch an Fett wird, wenn sie nicht zu lange im Euter des Thieres bleibt, also öfter abgemolken wird.

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In demselben Winter sind auch hier in Eldena Untersuchungen der zweimal und dreimal gemolkenen Milch gemacht worden. Der dazu angestellte Versuch erstreckte sich aber auch auf die Quantität der Milchabsonderung. Die dazu benützten beiden Kühe wurden ganz gleichmäßig gefüttert und das Futter ihnen genau zugewogen, damit während der Dauer des Versuches kein Unterschied in der Futteraufnahme stattfände. Die gewöhnliche Melkzeit ist hier dreimal am Tage, während des Winters am Morgen um 5 Uhr, am Mittag um 12 Uhr und des Abends um 7 Uhr; während des Sommers wird am Morgen und am Mittage eine Stunde früher und am Abend etwas später gemolken. Während des Versuches, der 24 Tage dauerte, wurden die Thiere in den ersten 12 Tagen in der gewohnten Weise dreimal und in den letzten 12 Tagen nur zweimal, nämlich Morgens und Abends um 6 Uhr, gemolken. Die Milch wurde genau gemessen und am sechsten Tage eines jeden Melkabschnittes auf ihre einzelnen Bestandtheile vom Professor Trommer untersucht. Zu diesem Zwecke wurde die beim jedesmaligen Melken gewonnene Milch von beiden Kühen gut mit einander vermengt und darnach eine Probe zur Untersuchung genommen.

Der Versuch gab folgendes Resultat.

I. Beim dreimaligen Melken.

Dieser Versuch dauerte vom 11. bis incl. 22. März, also 12 Tage, und in dieser Zeit wurden von beiden Kühen 161 Quart14) Milch oder an jedem Tage 13 5/12 Quart gewonnen. Die zu den verschiedenen Tageszeiten gemolkene Milch zeigte dann nachfolgenden Gehalt.

a. Die Morgenmilch:

Feste Bestandtheile 12,5 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 87,5 Theile
Butter 4,2 „
Käsestoff 4,6 „
Milchzucker und Salze 3,7
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

b. Die Mittagsmilch:

Feste Bestandtheile 13,2 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 86,8 Theile
Butter 4,2 „
Käsestoff 5,0 „
Milchzucker und Salze 4,0 „
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

c. Die Abendmilch:

Feste Bestandtheile 11,7 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 88,3 Theile
Butter 3,9 „
Käsestoff 4,0 „
Milchzucker und Salze 3,8
––––––––––––
Summa 100,00 Theile

Nach diesen Untersuchungen zeigt die dreimal gemolkene Milch folgende Bestandtheile:

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Feste Bestandtheile 12,4 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 87,6 Theile
Butter 4,1 „
Käsestoff 4,5 „
Milchzucker und Salze 3,8 „
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

II. Beim zweimaligen Melken.

Dieser Versuch dauerte vom 23. März bis incl. 3. April, also ebenfalls 12 Tage, und es wurden im Ganzen 139 Quart Milch oder an jedem Tage durchschnittlich 11 7/12 Quart gewonnen.

Die Milch enthielt folgende Bestandtheile

a. Die Morgenmilch:

Feste Bestandtheile 12,0 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 88,0 Theile
Butter 3,5 „
Käsestoff 4,3 „
Milchzucker und Salze 4,2 „
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

b. Die Abendmilch:

Feste Bestandtheile 12,2 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 87,8 Theile
Butter 3,5 „
Käsestoff 4,5 „
Milchzucker und Salze 4,2 „
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

Die zweimal gemolkene Milch zeigte hiernach im Durchschnitt folgende Bestandtheile:

Feste Bestandtheile 21,1 Proc.
In 100 Theilen
Wasser 87,9 Theile
Butter 3,5 „
Käsestoff 4,4 „
Milchzucker und Salze 4,2 „
––––––––––––
Summa 100,00 Theile.

Der Unterschied in dem Gehalte zwischen der dreimal und zweimal gemolkenen Milch ist hiernach kein unbedeutender. Gerade von den wichtigsten Bestandtheilen enthält die öfter abgemolkene Milch mehr, nämlich im Durchschnitte an

Butter 0,6 Procent
Käsestoff 0,1 „

dagegen zeigt die zweimal abgemolkene Milch mehr an

Wasser 0,3 Procent
Milchzucker und Salze 0,4 „

So gering auch der Vortheil des größeren Gehaltes von 6/10 Proc. an Butter im ersten Augenblick erscheint, so darf man denselben doch nicht unterschätzen. Derselbe beträgt auf jedes Quart Milch 1/2 Loth Butter, wodurch dasselbe bei einem Preise von 8 Sgr. für das Pfund Butter 1 1/2 Pfennige höher verwerthet wird. Wenn nach dem durchschnittlichen Fettgehalte zu 1 Pfund Butter von der zweimal gemolkenen Milch 16 Quart erforderlich sind, so genügen von der dreimal gemolkenen dazu schon 12 2/3 Quart. Wird der größere Gewinn an Milch bei dem dreimaligen |78| Melken noch dazu gerechnet, so erscheint dasselbe so vortheilhaft, daß es in allen Wirthschaften, wo es noch nicht stattfindet, eingeführt werden sollte.

Die Ansicht mancher Landwirthe, daß bei dem dreimaligen Melken die Milch zwar etwas reichlicher abgesondert, aber von schlechterer, wässeriger Beschaffenheit, als bei dem zweimaligen Melken werde, scheint durch die übereinstimmenden Resultate von zwei an verschiedenen Orten angestellten Versuchen hinreichend widerlegt zu seyn, (Eldenaer Archiv, 1856, I. II.)

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1 Quart preußisch = 1,145 Liter.

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