Titel: Die Fabrication des Stärkezuckers innerhalb des Zollvereins
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 10 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi02_10

Die Fabrication des Stärkezuckers innerhalb des Zollvereins

wird nur im Königreich Preußen und Großherzogthum Hessen betrieben. Die beiden belangreichsten preußischen Fabriken, welche sich mit der Darstellung von festem Zucker aus Kartoffeln befassen, befinden sich in Neuwied. Außerdem bestehen in den östlichen preußischen Provinzen, insbesondere in der Provinz Sachsen und in dem Regierungsbezirk Frankfurt a. d. O., vier Etablissements, in welchen die Darstellung von festem Stärkezucker, und gegen zwanzig, in denen die Gewinnung von Stärkezuckersyrup betrieben wird. Der Umfang der Fabrication ist im Allgemeinen nicht belangreich und wechselt sehr mit dem Ausfall der Kartoffelernte, beziehungsweise der Güte der Weinjahre. Neben dem Stärkezuckersyrup kommt in der Provinz Sachsen auch die Gewinnung eines zuckerhaltigen syrupartigen Saftes aus Mohrrüben und andern zuckerhaltigen Wurzelgewächsen vor, welcher zum Versüßen der Speisen benutzt oder als Surrogat der Butter verwendet wird. Im Großherzogthum Hessen bestehen gegen acht Stärkezuckerfabriken, von denen die Fabricate von Deiß und Lehn in Uffstein bei Worms, Hofmann und Philippi in Ingenheim bei der Pariser Industrie-Ausstellung neben der „ehrenvollen Erwähnung“ eine wohlverdiente Anerkennung gefunden haben.

Wie bei den preußischen, so ist auch bei den in dem Großherzogthum Hessen bestehenden Fabriken von Stärkezucker der Umfang des Betriebs sehr wechselnd, wozu in den letzten Jahren das Verbot des Ankaufs von Kartoffeln zur Stärkefabrication wesentlich beigetragen hat. In Folge dessen ist die Production an Zucker weit hinter der Quantität zurückgeblieben, zu welcher sowohl die Einrichtung der betreffenden Fabriken, als auch die in den hohen Preisen des Colonialzuckers und dem schlechten Ausfall der Weinernte begründete günstige Conjunctur für den Absatz des Stärkezuckers die Möglichkeit gegeben haben würde. Mehrere Fabrikanten mußten, da ihnen der Ankauf von Kartoffeln untersagt war, deren Umwandlung in Stärke im Auslande bewirken lassen, wodurch dieser Hülfsstoff für sie wesentlich vertheuert wurde, ohne daß der Zweck des erwähnten Verbots, die Kartoffeln für die Consumtion als Nahrungsmittel zu erhalten, in dem beabsichtigten Umfange erreicht worden |160| wäre. Die Richtigkeit des Grundsatzes, daß durch die mehrfach getroffenen Maßregeln gegen die Theuerung der Nahrungsmittel und die damit verbundenen Hemmungen einzelner landwirthschaftlicher Productionszweige kein, die Nachtheile der letzteren auch nur einigermaßen aufwiegender, Vortheil zu erzielen sey, dürfte wohl nicht schlagender dargethan werden können, als durch das Verfahren jener Stärkezuckerfabrikanten, welche die ihnen zur Disposition stehenden Kartoffeln durch Ausländer aufkaufen und in Stärke umwandeln ließen, sodann aber die fertige Stärke ungehindert bezogen und, wenn auch auf einem Umwege, gerade so weit gelangten, als wenn ihnen der Ankauf der Kartoffeln zur Stärkezuckerfabrication von vornherein freigestanden hätte. (Polytechn. Centralhalle, 1856, Nr. 41.)

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