Titel: Ueber Absorption der bei der Soda- und Schwefelsäurefabrication entweichenden Säuredämpfe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 3 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi02_3
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Ueber Absorption der bei der Soda- und Schwefelsäurefabrication entweichenden Säuredämpfe.

Um die von dem Schornstein angesogenen Salzsäuredämpfe zurückzuhalten, werden dieselben jetzt in vielen französischen Sodafabriken durch gebrannten Kalk oder durch Kreide verdichtet; ersteres Verfahren ist noch für einige Zeit patentirt25); letzteres aber wird häufig angewendet wo der Kalkstein wenig kostet, und gelingt sehr gut.

Der bekannte technische Chemiker, Hr. Kuhlmann zu Lille, hat nun in seiner Fabrik bei Saint-Roch-lès-Amiens, in welcher Schwefelsäure, Salpetersäure und Salzsäure producirt werden, ein System der Condensation der abziehenden Säuredämpfe eingerichtet, welches nicht nur diesen Zweck vollständig erreichen läßt, sondern auch noch durch Erzeugung nutzbarer Producte ihm wesentlichen Vortheil bringt. Er condensirt nämlich die Säuredampfe durch natürlichen kohlensauren Baryt (Witherit). Dabei erhält er Chlorbaryum und salpetersauren Baryt, aus denen er die Säuren wieder gewinnen kann, indem er sie durch Schwefelsäure zersetzt, wobei anderseits schwefelsaurer Baryt, welcher mehr und mehr als weißer Farbstoff (blanc fixe, Permanentweiß) benutzt wird, als verwerthbares Product entsteht.

Um die bei der Zersetzung des Kochsalzes entweichende Salzsäure aufzufangen, läßt man jeden Zersetzungsofen mit einem doppelten System von Condensationsapparaten communiciren, die zusammen 160 große irdene Krüge (dames-jeannes) zählen, von denen bloß 30 kohlensauren Baryt enthalten. Aus dem Calcinirofen entweichen die Dämpfe durch zwei unterirdische Canäle von kleinem Querschnitt, welche außerhalb der Fabrik mit einem System von steinzeugenen Flaschen (touries) communiciren, von denen die letzten mit kohlensaurem Baryt gefüllt sind. Die in den Bleipfannen gebildeten Dämpfe strömen durch zwei Röhren in das andere, eine doppelte Reihe solcher Flaschen umfassende System von Condensationsapparaten und treffen ebenfalls mit kohlensaurem Baryt zusammen. Was von allen diesen Dämpfen übrig bleibt, gelangt endlich in einen unterirdischen Canal, welcher in einem mechanischen Waschapparat ausmündet. Letzterer besteht in einer großen, durch einen hölzernen Deckel verschlossenen Cisterne, in welcher ein mit Zellen versehener Rührer (agitateur à auges) angebracht ist, welcher in der Cisterne einen permanenten Regen von Wasser, worin kohlensaurer Baryt suspendirt ist, unterhält, wodurch den Gasen, bevor sie in die große Esse der Fabrik ziehen, die letzten Antheile von Säuredämpfen entzogen werden. – 100 Theile Kochsalz, welche 8 Proc. Wasser und Unreinigkeiten enthalten, liefern regelmäßig 140 Theile freie Salzsäure von 21 bis 22º Baumé, nebst 20 Theilen an Baryt gebundener Salzsäure.

Mit den Bleikammern hat Kuhlmann auch ein System von steinzeugenen Flaschen mit Condensation durch Baryt verbunden, in welchem sich salpetersaurer Baryt bildet Die Lösung von salpetersaurem Baryt in diesen Apparaten erhält die Stärke von 16º B.

Gegenwärtig beschäftigt sich Kuhlmann damit, den salpetersauren Baryt auch zur Fabrication von caustischem Baryt zu benutzen, welcher zur Abscheidung des krystallisirbaren Zuckers aus der Melasse und zu anderen technischen Zwecken immer mehr in Gebrauch kommen wird. Barreswil. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Juli 1856, S. 395.)

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Man s. polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 78.

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