Titel: Datisca cannabina, eine indische Farbdrogue.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 7 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi02_7

Datisca cannabina, eine indische Farbdrogue.

Dieselbe wurde von Dr. Stenhouse untersucht. Die Wurzeln von Datisca cannabina werden in Lahore benutzt um Seide stark gelb zu färben. Die in 6–8 Zoll lange und 1/2–3/4 Zoll dicke Stücke zerschnittene Wurzel hat eine tief gelbe Farbe. In den Blättern der Pflanze entdeckte Braconnot 1816 einen krystallisirbaren Stoff, das Datiscin, dessen Ansehen und Eigenschaften er richtig angibt. Durch eine sonderbare Verwirrung ist aber der Name Datiscin als Synonom von Inulin in fast alle Lehrbücher übergegangen.

Die im Mohr'schen Apparat durch Holzgeist extrahirte zerquetschte Wurzel gab eine dunkelbraune Flüssigkeit, aus welcher nach hinreichender Concentration zu Syrupdicke sich eine harzige Materie nebst Spuren von einer krystallinischen Substanz absetzte. Durch Zusatz eines halben Volums heißen Wassers schied sich der größte Theil des braunen Harzes schnell aus und das Filtrat gab beim freiwilligen Verdampfen eine undeutlich kristallinische Substanz, Datiscin mit harzartigem Stoff. Durch Behandlung mit Leimlösung (zur Entfernung von Gerbstoff) und wiederholtes Krystallisiren aus schwachem Weingeist ließ sich das Datiscin rein gewinnen.

In diesem Zustand hat es folgende Eigenschaften: farblos, in jedem Verhältniß in siedendem Alkohol, sehr leicht auch in kaltem löslich, aus dieser Lösung in seidenglänzenden Nadeln krystallisirend; in kaltem Wasser wenig, in heißem ziemlich löslich, daraus in glänzenden Schuppen sich absetzend. In Aether nicht bedeutend |158| löslich liefert doch diese Lösung die größten Krystalle. Wird eine nicht zu concentrirte alkoholische Lösung mit Wasser vermischt, so scheidet sich anfangs nichts aus, später aber sehr reine, schwach gelbliche Krystalle. Ungefähr bei 180º C. schmilzt Datiscin, bei höherer Temperatur verbrennt es mit Caramelgeruch und Hinterlassung einer voluminösen Kohle. Es ist in trocknem Luftstrom kaum ein wenig sublimirbar. Seine Lösungen schmecken stark bitter und reagiren neutral, wiewohl sich Datiscin als schwache Säure verhält, denn es löst sich in Alkalien, Kalk- und Barytwasser und wird daraus durch Säuren wieder gefällt. Die wässerige Datiscinlösung wird durch Zinnsalz, wie durch neutrales und basisch essigsaures Bleioxyd hellgelb, durch Kupfersalze grünlich, durch Eisenoxydsalze bräunlich grün gefällt. Die Bleisalze sind gelatinös.

Datiscetin. Wenn wässerige Datiscinlösung wenige Minuten mit sehr verdünnter Schwefelsäure gekocht wird, so scheidet sich eine krystallinische Substanz, Datiscetin, ab und in der Lösung ist Traubenzucker. Das Datiscin gehört also zur Gruppe der Glucoside.

Datiscetin ähnelt äußerlich und in seinem Verhalten gegen Bleizucker sehr dem Datiscin, es bildet fast farblose Nadeln, die leicht in Alkohol löslich und in Wasser fast unlöslich sind; es unterscheidet sich aber vom Datiscin durch seine bedeutende Löslichkeit in Aether, durch Geschmacklosigkeit, höhern Schmelzpunkt und durch Verbrennen ohne Caramelgeruch. Es löst sich in Alkalien und wird daraus durch Säuren wieder gefällt. Der aus alkoholischen Lösungen erhaltene gelbe Bleiniederschlag, durch Alkohol und Wasser gewaschen, besteht aus Ṗb₂C₃₀H₈O₁₀. Die Analyse des Datiscetins führte zu der Formel C₃₀H₁₀O₁₂. Daraus würde folgen, daß wenn gleiche Aequivalente Zucker und Datiscetin bei der Zerlegung des Datiscins sich bilden, letzteres aus C₄₂H₂₂O₂₄ bestehen würde.

Nicht bloß durch Kochen mit Schwefelsäure oder Salzsäure, auch mit bloßem Wasser bildet sich aus Datiscin etwas Zucker, und durch Waschen mit starker Kalilauge und nachherige Absättigung mit Säuren kann man Datiscetin krystallinisch erhalten. Hefe und Emulsin scheinen keine Zersetzung des Datiscins zu bewirken.

Durch kalte gewöhnliche Salpetersäure bildet sich aus Datiscetin unter heftiger Einwirkung zuerst ein Harz, und nachdem dieses gelöst ist, eine dunkelrothe Flüssigkeit, welche Krystalle von Pikrinsäure absetzt. Datiscin gibt unter diesen Verhältnissen Pikrinsäure und Oxalsäure, mit verdünnter Salpetersäure gekocht aber blaßgelbe Krystalle von den Eigenschaften der Natrosalicylsäure, in der Kälte jedoch nach längerem Stehen und Verdampfen im Vacuo Pikrinsäure und Oxalsäure.

Mit schmelzendem Kalihydrat entwickelt Datiscetin Wasserstoff und die wässerige Lösung läßt bei Zusatz von Salzsäure eine harzige Substanz fallen, welche durch Sublimation lange farblose Nadeln vom Ansehen der Benzoësäure und den Reactionen der Salicylsäure liefert.

Destillirt man Datiscetin mit saurem chromsaurem Kali und Schwefelsäure, so geht eine Flüssigkeit vom Geruch und den Reactionen der salicyligen Säure über.

Aus den erwähnten Eigenschaften ergibt sich, daß das Datiscin unter allen Glucosiden mit Ausnahme des Populins dem Salicin am nächsten steht.

Die Zerlegung mehrerer Glucoside, die als Färbestoffe dienen, hat gezeigt, daß häufig der darin enthaltene Paarling stärkere Färbekraft hat, als das Glucosid. So ist es auch in Bezug auf das Datiscin. Es ist daher den Färbern zu rathen, Farbstoffe solcher Art zuerst mit verdünnten Mineralsäuren zu behandeln, wie es ja beim Krapp schon geschieht. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1856, Bd. I S. 111.)

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