Titel: Ueber die Seekrankheit und ihre Heilung; von X. Landerer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 11 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi03_11

Ueber die Seekrankheit und ihre Heilung; von X. Landerer.

Zu den unangenehmsten Ereignissen, die dem Reisenden eine Seereise verleiden, gehört die Seekrankheit, welche in einem fortwährenden Uebelbefinden, das sich bis zum Erbrechen steigert, besteht Dieser Drang zum Erbrechen ist so heftig, daß im Magen weder eine Spur Speise noch Trank bleibt und oft Blut gebrochen wird. In dieser traurigen Lage verwünscht der Reisende die begonnene Seefahrt, und denkt nur daran, wieder ans Land zu steigen. Ich sah Damen, die in Folge dieses fortdauernden Erbrechens von Nervenzufällen, mit epileptischen Erscheinungen begleitet, befallen wurden.

Unzählig sind die gegen die Seekrankheit angegebenen Mittel, unter ihnen scheinen kalte Getränke mit etwas Rothwein vermischt oder auch Limonade, so wie Aufbinden von Safran auf den Magen den Vorzug zu verdienen. Als ein wahres Specificum jedoch habe ich das Chloroform kennen gelernt; es stillt in einer Dosis von 10 bis 12 Tropfen mit Wasser genommen den Brechreiz so gründlich, daß die Patienten sich nun aufrecht halten können und das Schaukeln des Schiffes gewohnt werden. Sollte sich neuerdings Uebelbefinden einstellen, so nimmt man wiederum einige Tropfen. Auf einer Seereise von Zea nach Athen, wo in Folge eines heftigen Sturmes sämmtliche 20 Passagiere des hin- und hergeworfenen Schiffes die Seekrankheit bis zum Erbrechen bekamen, zeigte das Chloroform wirkliche Wunderkraft; 6 bis 10 Tropfen beseitigten alle Anfälle, die Kranken richteten sich nach wenigen Augenblicken auf, setzten sich dem Winde aus und ertrugen von nun an alle Unbilden des Sturmes leicht. Nur bei zwei Frauen mußte die Dosis wiederholt werden, um sie herzustellen.

Gleich dem Menschen sind auch die Thiere der Seekrankheit unterworfen, und diejenigen unter ihnen, welche sich erbrechen können, erbrechen sich; die anderen, z.B. die Wiederkäuer, scheinen bedeutend zu leiden, stürzen zusammen und fressen oft Tage lang nichts. Die Pferde werden, um sie davor zu schützen, in den Schiffsräumen aufgehängt; nach dem Ausschiffen bleiben sie oft Stunden, ja Tage lang im taumeligen Zustande. Kühe, Schafe bleiben liegen und sind nicht im Stande auf den Füßen zu stehen.

Auch das Geflügel leidet auf Seefahrten an dieser Krankheit, jedoch sehr verschieden, so daß einige Thiere munter und freßlustig sind, während andere sich halbtodt in den Ställen befinden.

Wie der Mensch kann sich aber auch das Thier an Seereisen gewöhnen. Hunde, Kanarienvögel u.a. zeigen schon bei einer dritten Seereise nichts Krankhaftes mehr, nur bei heftigem Sturme einige Unruhe. (Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie Bd. V S. 531.)

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