Titel: Die Whitworth'schen Schrauben-Schneidzeuge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 2 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi03_2

Die Whitworth'schen Schrauben-Schneidzeuge.

Joseph Whitworth hat nach ausgedehnten Untersuchungen der in verschiedenen Werkstätten angewendeten Schraubenconstructionen ein Schraubensystem mit solchen Verhältnissen festgestellt, daß die gleichen Gewinde für Guß- und Schmiedeisen anwendbar und sowohl hinsichtlich der Kraftentwickelung als in Hinsicht auf Festigkeit und Dauer vorzüglich sind. Dieß Schraubensystem fand deßhalb solchen Beifall, daß es nicht nur rasch in den meisten Werkstätten Englands in Gebrauch kam, sondern auch in Belgien, in den größeren Maschinenfabriken und bei den meisten Eisenbahnverwaltungen Deutschlands und der Schweiz aufgenommen wurde und nunmehr das am meisten verbreitete Schraubensystem ist. Das Verhältniß der Ganghöhe zu den Durchmessern der Schrauben zeigt folgende Tabelle.

Durchmesser
der Schrauben.
Anzahl der
Gewindgänge
auf 1 Zoll Länge.
Verhältniß
der Steigung
zum Durchmesser.
Durchmesser
der Schrauben.
Anzahl der
Gewindgänge
auf 1 Zoll Länge.
Verhältniß
der Steigung
zum Durchmesser.
1/4 Zoll 20 1 : 5 2 1/4 Zoll 4 1 : 9
5/16 „ 18 1 : 5 5/8 2 1/2 „ 4 1 : 10
3/8 „ 16 1 : 6 2 3/4 „ 3 1/2 1 : 9 5/8
7/16 „ 14 1 : 6 1/8 3 „ 3 1/2 1 : 10 1/2
1/2 „ 12 1 : 6 3 1/4 „ 3 1/4 1 : 10 9/16
5/8 „ 11 1 : 6 7/8 3 1/2 „ 3 1/4 1 : 11 3/8
3/4 „ 10 1 : 7 1/2 3 3/4 „ 3 1 : 11 1/4
7/8 „ 9 1 : 7 7/8 4 „ 3 1 : 12
1 „ 8 1 : 8 4 1/4 „ 2 7/8 1 : 12 7/32
1 1/8 „ 7 1 : 7 7/8 4 1/2 „ 2 7/8 1 : 12 15/16
1 1/4 „ 7 1 : 8 3/4 4 3/4 „ 2 3/4 1 : 13 1/16
1 3/8 „ 6 1 : 8 1/4 5 „ 2 3/4 1 : 13 3/4
1 1/2 „ 6 1 : 9 5 1/4 „ 2 5/8 1 : 12 25/32
1 5/8 „ 5 1 : 8 1/8 5 1/2 „ 2 5/8 1 : 14 7/16
1 3/4 „ 5 1 : 8 3/4 5 3/4 „ 2 1/2 1 : 14 3/8
1 7/8 4 1/2 1 : 8 7/16 6 „ 2 1/2 1 : 15
2 „ 4 1/2 1 : 9

Um eine Uebereinstimmung in der Gestalt der Gewinde zu erlangen, ist durchgehends deren Kantenwinkel zu 55 Grad festgesetzt, und es werden die Gänge außen und innen auf 2/3 der Ausdehnung eines ganz scharf ausgeführten Gewindes abgerundet. Durch die gleichmäßige Herstellung der Schraubengänge und durch Anwendung eines bestimmten Verhältnisses zwischen dem Schraubendurchmesser und der Ganghöhe ist es Whitworth möglich geworden, ein bestimmtes System in den Schrauben verschiedener Durchmesser so herzustellen, daß bei Zugrundelegung desselben Schrauben und Muttern von gleichem Durchmesser, die zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten gefertigt werden, vollkommen zu einander passen, so daß |234| bei Durchführung dieses Systems in allen mechanischen Werkstätten es leicht möglich ist, sich mit großer Bequemlichkeit Ersatzstücke für Schrauben, die aus irgend einer Werkstatt hervorgegangen sind, zu verschaffen.

In Frankreich wurde ein auf das metrische Maaß berechnetes Schraubensystem eingeführt.

Die von Whitworth ausgeführten Patentleitungskluppen sind sehr zweckmäßige Vorrichtungen zum Schraubenschneiden mit Kluppen; sie verdanken den Namen der Leitungskluppen dem Umstande, daß sie Schrauben erzeugen, welche weit vorzüglicher als die mit gewöhnlichen Kluppen geschnittenen, und den auf Drehbänken mit Leitschraube erzeugten fast gleich sind. Die drei in die Kluppe eingesetzten Schneidbacken, von denen zwei durch eine Keil- und Schraubenstellung in ihrer Lage gegen den dritten verändert werden können, sind so eingerichtet, daß sie die vertieften Schraubengänge ausschneiden und nicht eindrücken; der zu ihrer Herstellung dienende Gewindbohrer ist zu dem Ende um die doppelte Tiefe des Gewindes im Durchmesser größer als der zugehörige Schraubenbohrer, und sie erhalten an den schneidenden Kanten eine solche Zuschärfung, daß sie wie die Drehstähle auf der Drehbank arbeiten. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1856)

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