Titel: Verordnung gegen den Schleifstaub.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 3 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi03_3

Verordnung gegen den Schleifstaub.

In den Schleifereien der Eisenwerke entwickelt sich von den Schleifsteinen ein feiner Staub, welcher höchst gefährlich auf die Lungen der Arbeiter einwirkt. Erfahrungsmäßig erkranken diese Arbeiter nach wenigen Jahren anhaltender Beschäftigung in der Schleiferii an der Lungenschwindsucht, und es ist daher von hohem Interesse, Vorrichtungen kennen zu lernen, durch welche die Arbeiter vor dem Einathmen des Schleifstaubes gehörig geschützt werden. Nach einer Mittheilung des königl. Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten (in Preußen) hat sich in dieser Beziehung ein Ventilationssystem vorzüglich bewährt, welches in den Quincaillerie-Fabriken von Peugeot zu Herimoncourt in Frankreich eingeführt ist,49) und nach dessen Muster jetzt eine ähnliche Einrichtung in der Schleiferei der königl. Eisengießerei in Gleiwitz getroffen wird.

Das Wesentliche dieses Systems besteht in Folgendem: Die Schleifsteine, welche übrigens auf nassem Wege arbeiten, sind in zwei mit der großen Achse der Werkstätte parallel laufenden Reiben aufgestellt, und senken sich zu einem Drittel ihres Durchmessers in einen Unterbau unter dem Boden der Werkstätte ein. Aus diesen Unterbauten führt von jedem Schleifsteine ein in Ziegeln gemauerter, mit eichenen Bohlen und darüber festgestampfter Erde bedeckter Canal zu einem in gleicher Weise unter der Sohle der Werkstätte fortgeleiteten Hauptcanale, in welchen die sämmtlichen Seitencanäle mit einer angemessenen Curve münden. Der Hauptcanal gabelt hinter den letzten Schleifsteinen in zwei Seitenarme aus, welche unter der Umfassungsmauer der Werkstätte durchgeführt sind, und außerhalb derselben an einem dort aufgestellten Ventilator wieder zusammenkommen. Jeder Seitenarm mündet in ein aufrecht stehendes eisernes Rohr, und diese beiden Röhren sind in einem Viertelkreisbügel durch die beiden Seitenwangen des Ventilators geleitet. Zwischen den Seitenwangen bewegt sich das Rad des Ventilators, mit einer Geschwindigkeit von 1000 bis 1200 Umdrehungen in der Minute, wirkt dadurch wie eine Luftpumpe auf die mit Staub erfüllten unterirdischen Canäle und schleudert die angesogene Staubluft in der Richtung seiner Tangenten ins Freie. Auf diese Weise wird der Schleifstaub vollständig fortgenommen, besonders wenn man nicht gleich alle Schleifsteine zusammen in Bewegung setzt, sondern mit einem einzigen beginnt, damit unter diesem das Ansaugen vor sich geht, während einstweilen die Kammern der übrigen Steine von den unterirdischen Seitencanälen durch Schützen abgeschlossen bleiben.

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Bei der vorstehend beschriebenen Einrichtung ist, wie Hr. Peugeot bemerkt, eine Trommel über dem aus dem Boden vorstehenden Theile des Schleifsteins entbehrlich, wenn naß geschliffen wird, während dagegen bei trocken arbeitenden Schleifsteinen eine solche Trommel angebracht werden muß, in welcher dann nur eine Oeffnung von angemessener Größe frei bleibt, um dem Arbeiter das Halten seines Stücks gegen den Schleifstein möglich zu machen. Hr. Peugeot empfiehlt außerdem noch die Schleifsteine aus Schellack, Sandstein und Schmirgel von Malbeck in Paris, weil diese einen schweren, für die Lungen der Arbeiter weniger nachtheiligen Staub erzeugen, als die Sandsteine.

Die vorstehende Beschreibung wird, glauben wir, ein hinreichend deutliches Bild des in Herimoncourt eingerichteten Ventilationssystems gewähren, welches wir hiermit den Besitzern von Schleifereien auf das Angelegentlichste empfehlen, indem wir uns zugleich erbieten, Jedem, der ähnliche Einrichtungen treffen will, die Peugeot'sche Beschreibung mit der dazu gehörigen Zeichnung unentgeldlich mitzutheilen. Es handelt sich um Gesundheit und Leben von zahlreichen Arbeitern, und wir hegen das Vertrauen, daß kein Fabrikbesitzer es auf sein Gewissen nehmen werde, mit Einrichtungen zu zögern, welche diese Gefahr beseitigen. (Aus dem Oppelner Reg.-Amtsblatt, 1855, Nr. 35. S. 185.)

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Man vergl. Morin's Bericht über Peugeot's Ventilirsystem im polytechn. Journal, 1847, Bd. CV S. 408.

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