Titel: Ueber ein vortheilhaftes Verfahren zur Gewinnung des Lithions aus dem Lepidolith (Lithionglimmer); von Prof. v. Hauer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 6 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi03_6

Ueber ein vortheilhaftes Verfahren zur Gewinnung des Lithions aus dem Lepidolith (Lithionglimmer); von Prof. v. Hauer.

Die bisher bekannten Methoden zur Gewinnung des Lithions aus dem Lepidolith sind in hohem Grade zeitraubend, und wegen Aufwand bedeutender Quantitäten von Säuren und anderen Reagentien auch kostspielig, so daß Lithionsalze noch immer zu den theuersten chemischen Präparaten gehören. Ich führte sonach eine Reihe von Versuchen durch, zu dem Zweck, eine Vereinfachung des complicirten Processes aufzufinden, welche auch nebstdem eine möglichste Kostenersparniß gestatten sollte, um den reichen Schatz lithionhaltigen Glimmers, den wir in Mähren besitzen, der Wissenschaft und praktischen Verwendung zugänglich zu machen. Als ein sehr geeignetes Mittel zur Zerlegung des Minerals ergab sich schwefelsaure Kalkerde oder der im Handel höchst billig vorkommende Gyps. Der fein gepochte Lepidolith wurde mit etwas mehr als seiner halben Gewichtsmenge Gyps gut gemengt und in einem hessischen Tiegel einer zweistündigen Rothglühhitze ausgesetzt. Nach dem Erkalten wurde die fest zusammengebackene, jedoch nicht geschmolzene Masse mit heißem Wasser ausgelaugt und durch Decantiren von dem unlöslichen Rückstande getrennt. Die Lösung enthielt fast die ganze Menge des im Lepidolithe enthalten gewesenen Kali, Lithion und Mangan, welche sich mit dem Gyps wechselseitig zu schwefelsauren Salzen zersetzt hatten. Außerdem enthielt die Lösung eine geringe Menge Thonerde und die der Löslichkeit im Wasser entsprechende Menge Gyps.

Schon durch dieses erste Resultat war demnach der beabsichtigte Zweck, der Hauptsache nach, erreicht, da die fernere Isolirung des Lithions von den angeführten, in der Lösung noch enthaltenen Beimengungen keinen weiteren Schwierigkeiten unterliegt. Die Lösung wurde nunmehr durch Eindampfen auf ein möglichst kleines Volumen gebracht, da das schwefelsaure Lithion ein in Wasser leicht lösliches Salz ist. Hierbei krystallisirt ein beträchtlicher Theil des in Wasser viel weniger löslichen schwefelsauren Kalis heraus, so wie auch fast alle schwefelsaure Kalkerde. Die abfiltrirte Flüssigkeit wurde mit Ammoniak, etwas Schwefelammonium und oxalsaurem Ammoniak versetzt. Nach der Trennung von dem hierdurch entstandenen Niederschlage, der aus Thonerde, Schwefelmangan und oxalsaurer Kalkerde besteht, wurde unter Erwärmung mittelst kohlensaurem Ammoniak das Lithion als kohlensaures Salz gefällt, und mit kaltem Wasser gewaschen. Zur völligen Reinigung von Kali ist es gut, die letztere Operation noch einmal zu wiederholen, durch Auflösen des kohlensauren Lithions in einer Säure und abermaliges Fällen mit kohlensaurem Ammoniak.

Die Ausbeute, welche man nach diesem Verfahren erhält, ist beträchtlich und nähert sich sehr dem wirklichen Gehalte an Lithion im Lepidolithe. Die Kosten sind mäßig, denn sie reduciren sich so ziemlich auf das Brennmaterial, welches hiebei in Verwendung kommt. Spätere Versuche werden lehren, ob das Glühen der mit Gyps gemischten Masse im Flammofen genügt, wodurch die Anwendung der Tiegel |238| entbehrlich würde und eine weitere Ersparung auch an Brennmaterial erzielt werden könnte (Journal für praktische Chemie, 1856, B. LXVIII S. 312.)

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