Titel: Anwendung der Fettsäuren des Seifenwassers zur Leuchtgasbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 3 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi04_3

Anwendung der Fettsäuren des Seifenwassers zur Leuchtgasbereitung.

Bisher hat man in den Kammwoll Spinnereien, um aus der großen Quantität Seife, welche zur Wäsche der Wolle verwendet worden ist, einigen Gewinn zu ziehen, das noch warme Seifenwasser mit Kalkhydrat zersetzt und den erhaltenen Niederschlag nach dem Trocknen zur Leuchtgasbereitung verwendet. Dieses Verfahren wurde von dem französischen Ingenieur Jeannency eingeführt, Und ist das gleiche, welches er sich zur Verarbeitung des Seifenwassers, das zum Entschälen der Seide gedient hat, patentiren ließ (Description des brevets, t. XVIII). Er beschreibt letzteres folgendermaßen:

„Das Seifenwasser welches zum Entschälen der Seide gedient hat, wird mit gelöschtem Kalk behandelt, indem man es auf 70 bis 75° C. (56 bis 60° Reaum) erhitzt. Man läßt diese Flüssigkeit sich absetzen und decantirt das überstehende klare Wasser. Der Niederschlag wird filtrirt; nachdem er zwei bis drei Tage lang abgetropft ist, läßt man ihn (zertheilt) an freier Luft trocknen, wo er dann wie Steinkohlen zur Beschickung der Gasretorten verwendet werden kann; nur heizt man die Retorten schwächer, und kann aus denselben das Gas, welches weder gereinigt noch gewaschen zu werden braucht, direct in den Gasometer leiten. In letzterm setzt das Gas beim Erkalten Wasser und ein auf diesem schwimmendes Oel ab; dieses Oel sammelt man, und benutzt es um jede Beschickung der Retorte zu begießen. (Offenbar ist es zweckmäßiger, das Gas durch einen Kühlapparat zu leiten, ehe es in den Gasometer gelangt.) Das erhaltene Gas ist sehr rein und gibt ein schönes Licht. – Auf 1 Hektoliter Seifenwasser sind 3/4 bis 1 1/2 Kilogr. gebrannter Kalk erforderlich. Dieser wird mit reinem Wasser gelöscht und zur milchartigen Consistenz verdünnt; man läßt ihn dann langsam in den Behälter laufen, worin das Erhitzen vorgenommen wird, und während seines Einlaufens gibt man so schnell als möglich das Seifenwasser zu. Geschieht das Erhitzen über freiem Feuer, so muß die Flüssigkeit im Behälter umgerührt werden. – 1 Hektoliter Seifenwasser vom Entschälen der Seide liefert 1200 bis 1600 Liter Gas.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: