Titel: Chemische Zusammensetzung einiger concentrirten Dungmittel; von Professor Dr. E. Wolff in Hohenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 9 (S. 317–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi04_9
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Chemische Zusammensetzung einiger concentrirten Dungmittel; von Professor Dr. E. Wolff in Hohenheim.

Da es für die württembergischen Landwirthe von Interesse ist, über die im Lande gewonnenen oder von auswärts her angebotenen, künstlichen oder natürlichen, sogenannten concentrirten Düngemittel genaue Kunde zu erhalten, so werde ich die betreffenden, im agricultur-chemischen Laboratorium zu Hohenheim ausgeführten chemischen Untersuchungen von Zeit zu Zeit mittheilen; es wird aus denselben sich ergeben, ob die einzelnen Dungmittel überhaupt und namentlich unter unsern Verhältnissen Anwendung finden können und daher Empfehlung verdienen. Ich will hier zunächst auf eine Reihe von Düngerfabricaten aufmerksam machen, welche von der Frankfurter Actien-Gesellschaft für landwirthschaftlich-chemische Fabricate“ ausgeboten werden, und auch den württembergischen Landwirthen leicht zugänglich sind.

1) Concentrirter Dünger (künstlicher Guano)

Hygroskopische Feuchtigkeit 5,7 Proc.
Organische Substanz und chemisch (im Gyps) gebundenes Wasser 42,8 „
In Wasser löslicher Stickstoff (etwa 1/3 als schwefelsaures
Ammoniak und 2/3 in organischer Verbindung)

3,2 „
In Wasser unlöslicher Stickstoff (in organischer Verbindung) 2,6 „
In Wasser löslicher phosphorsaurer Kalk 6,1 „
In Wasser unlöslicher phosphorsaurer Kalk 12,2 „
Phosphorsaure Magnesia 1 „
Gyps (wasserfrei) 12,1 „
Schwefelsaures Natron 2,7 „
Schwefelsaures Kali 1,3 „
Eisenoxyd 1,2 „
Sand und Thon 8,6 „
–––––––––
99,6

Aus der Analyse ersieht man, daß dieser concentrirte Dünger allen Anforderungen, welche an ein Dungmittel gestellt werden können, entspricht. Die wichtigeren Bestandtheile, der Stickstoff und die Phosphorsäure, sind zum großen Theile in einem in Wasser auflöslichen und also sehr schnell wirkenden Zustande zugegen, während auch die in Wasser unlöslichen Mengen dieser Substanzen in Verbindungen vorkommen, welche unter den im Boden vorhandenen Verhältnissen bald und meist im Verlauf einer einzigen Vegetationsperiode in directe Pflanzennahrung sich umwandeln müssen. Das Präparat scheint aus verschiedenen thierischen Abfällen dargestellt zu seyn, vielleicht durch Eindampfen von Urin unter Zusatz von Schwefelsäure und unter Beimischung von Gyps und Kohlenpulver, es enthält alle wesentlichen Bestandtheile des ächten peruanischen Guano's, etwa die Hälfte an Stickstoff und über die Hälfte an Phosphorsäure in paffenden Verbindungen; man wird daher auch reichlich den halben Preis des ächten Guano's dafür bezahlen können.

2) Gedämpftes Knochenmehl.

I. II. III.
Extrafeines
Pulver.
Feines
Pulver.
Grobes
Pulver.
Feuchtigkeit 6,5 Proc. 5,6 Proc. 6,6 Proc.
Organische Substanz 28,2 „ 27,5 „ 24,2 „
Stickstoff 4,6 „ 4,6 „ 4,2 „
Phosphorsaurer Kalk 42,9 „ 49,6 „ 54,1 „
Phosphorsaure Magnesia 2,4 „ 1,3 „ 2,3 „
Kohlensaurer Kalk 6,8 „ 4,3 „ 7,5 „
Eisenoxyd 0,7 „ 0,4 „ – „
Sand 7,9 „ 6,0 „ 1,0 „
––––––––––––––––––––––––––––––
100,0 99,3 99,9
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Die beiden ersten Sorten Knochenmehl gehören zu den besten, welche im Handel vorkommen, sie sind ausgezeichnet durch Reinheit und Frische der verarbeiteten Knochen und außerdem befinden sie sich in einem Zustande so feiner, mehlartiger Zertheilung, daß dadurch ihre schnelle und günstige Wirkung auf die Vegetation garantirt erscheint. Diese Präparate möchten besonders mit Erfolg auf Wiesen und bei der Cultur von Wurzelgewächsen anzuwenden seyn und auch bei Getreidearten unter Verhältnissen, unter welchen man im Boden keinen großen natürlichen Gehalt an Phosphorsäure voraussetzen kann, z.B. auf Neubrüchen aller Art und auf solchen Ländereien im Keupersandstein-Terrain, welche bisher noch nicht mit Knochenmehl gedüngt wurden. Die dritte der analysirten Knochenmehlsorten ist aus dem Grunde von weit geringerem landwirthschaftlichem Werthe, weil dieselbe ein sehr grobes Pulver darstellt und daher im Boden eine nur langsame, wenn auch längere Zeit hindurch anhaltende Wirkung für die Vegetation äußern muß) es wäre wünschenswerth, dieselbe einer nochmaligen Pulverung zu unterwerfen, wodurch sie mit den ersteren beiden Sorten fast gleichen Werth erhalten würde, da die procentische Zusammensetzung ziemlich dieselbe ist und deren Darstellung aus ebenfalls reinen und unverwitterten Knochen beweist.

3) Saurer phosphorsaurer Kalk.

I. II.
Feuchtigkeit 5,1 Proc. 6,0 Proc.
Organische Substanz und chemisch (im Gyps) gebundenes Wasser 28,9 „ 24,6 „
Stickstoff in organischer Verbindung 3,3 „ 2,3 „
Phosphorsaurer Kalk
Phosphors. Magnesia
in Wasser
löslich
7,1 „
2,3 „
8,1 „
– „
Phosphorsaurer Kalk, in Wasser unlöslich 27,4 „ 17,2 „
Gyps, wasserfrei 6,3 „ 6,0 „
Schwefelsaures Alkali 2,1 „ 2,5 „
Schwefelsäure 6,5 „ 8,3 „
Eisenoxyd 1,0 „ 1,9 „
Sand 10,3 „ 22,8 „
–––––––––––––––––––
100,3 99,7

Diese beiden Düngemittel sind durch Behandlung von Knochenmehl mit etwa 20 bis 25 Proc. käuflicher Schwefelsäure unter nachheriger Beimischung von kohligen und sandigen Substanzen dargestellt werden, von welchen letzteren das zweite Präparat doppelt so viel enthält als das erstere; es ist also aufgeschlossenes oder sogenanntes Knochenmehl und wird als solches bei fast allen Früchten, besonders aber bei rübenartigen Gewächsen eine günstige Wirkung äußern. Die in den obigen Analysen angegebene freie Schwefelsäure ist in den Dungmitteln mit einem Theile des im löslichen phosphorsauren Kalke enthaltenen Kalkes zu Gyps verbunden, während die unlösliche Phosphorsäure-Verbindung als ein saures und nicht, wie hier der leichteren Berechnung und Uebersicht halber angegeben ist, als neutrales Salz vorkommt. Die Menge des löslichen phosphorsauren Kalkes, auf dessen Gegenwart hauptsächlich die schnelle Wirkung des hier beschriebenen Düngmittels beruht, ist eine nicht unbeträchtliche; ich glaube jedoch daß der Werth des Präparates auf diese Weise mit Vortheil für den Verkäufer wie für den Käufer sich erhöhen ließe, wenn man die doppelte Menge Schwefelsäure zum Aufschließen des Knochenmehles anwendete, indem dadurch eine fast dreimal größere Quantität von löslichem phosphorsaurem Kalk gebildet werden würde, als in dem obigen Fabricate enthalten ist Die zuerst mit dem Knochenmehl in Berührung gebrachte Schwefelsäure bewirkt nämlich die Umwandlung des in den Knochen enthaltenen kohlensauren Kalkes in Gyps und wird dadurch gebunden, während erst nach dieser Umwandlung die Schwefelsäure ausschließlich zur Lösung des phosphorsauren Kalkes dient.

Im Allgemeinen sind die im vorhergehenden genannten Düngemittel der Frankfurter Actien-Gesellschaft von paffender Zusammensetzung, und auch die für dieselben verlangten Geldpreise stehen zu den betreffenden Bestandtheilen in einem ziemlich richtigen Verhältnisse, weßhalb jene Präparate der Beachtung der Landwirthe zu empfehlen sind.

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Ich theile hier noch die Zusammensetzung von zwei andern Düngemitteln mit, welche vor Kurzem in dem hiesigen Laboratorium untersucht worden sind.

1) Künstlicher Dünger von Zöppritz und Comp. in Freudenstadt.

Feuchtigkeit 17,3 Proc.
verbrennbare kohlige Substanz 35,1 „
in Wasser löslicher Stickstoff 0,6 „
in Wasser unlöslicher Stickstoff 1,5 „
phosphorsaurer Kalk 16,3 „
schwefelsaures Kali 8,5 „
Chlornatrium 3,5 „
Eisenoxyd 3,0 „
Kieselsäure 3,5 „
Sand und Thon 10,4 „
–––––––––
99,7

Der ziemlich große Gehalt an phosphorsaurem Kalk und an alkalischen Salzen verspricht eine günstige Wirkung von diesem Präparate, unter Anwendung einer genügend großen Quantität, bei der Cultur von Wurzelgewachsen und Blattfrüchten, wie auch auf Wiesen, während das Wachsthum von Halmfrüchten in Folge des niedrigen Gehaltes an wirksamen Stickstoffverbindungen in einem geringeren Grade gefördert werden möchte.

2) Koprolith.

Bei Rothenburg an der Tauber findet sich an einigen Orten nahe unter der Ackerkrume ein Lager von sogenannten Koprolithen (wie es scheint, Excremente urweltlicher Thiere) in einer Mächtigkeit von ein bis mehreren Zollen und in ziemlich beträchtlicher Ausdehnung; in einer Probe dieser Substanz fand man die folgende chemische Zusammensetzung:

Feuchtigkeit 1,2 Proc.
phosphorsaurer Kalk 55,8 „
kohlensaure Magnesia 4,5 „
schwefelsaures Kali 5,8 „
lösliche Kieselsäure 9,7 „
Thonerde und Eisenoxyd 8,0 „
Sand 13,7 „
––––––––
98,7

Koprolithen kommen nicht selten in der Muschelkalk- und Keuperformation Württembergs vor, jedoch sind es meistens harte, steinartige Gebilde und gewöhnlich weit ärmer an wirksamen Düngstoffen, als die hier untersuchte Substanz, welche außerdem noch, behufs ihrer Benützung als Düngemittel oder zu Düngerpräparaten, durch ihre überaus günstige mechanische Beschaffenheit besondere Aufmerksamkeit verdient. Dieselbe bildet nämlich eine bröckliche erdige Masse, welche sehr leicht zu dem feinsten Pulver sich zerreiben läßt und daher schon ohne weitere Behandlung eine günstige und schnelle Wirkung zur Förderung der Vegetation unter vielen Verhältnissen äußern muß, namentlich auf den leichteren, sandigen Bodenarten des Keupers und des Liassandsteins. (Württemb. Wochenblatt für Land- und Forstwissenschaft, 1856, Nr. 37.)

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